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Nachwuchsförderung ist Zukunftssicherung

29.06.1999 - (idw) VolkswagenStiftung

Volkswagen-Stiftung: 1999 schon 107 Millionen Mark für die Wissenschaft

Hannover (vws) Das Kuratorium der Volkswagen-Stiftung hat auf seiner Sommersitzung 1999 nicht nur neue Förderinitiativen beschlossen, sondern auch über zahlreiche Einzelanträge entschieden. Mit den Bewilligungen dieser Sitzung hat die Stiftung in diesem Jahr bereits über 107 Millionen Mark für Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre zur Verfügung gestellt, davon 20,1 Millionen Mark im Rahmen des Niedersächsischen Vorab; über diese Mittel entscheidet das Kuratorium auf Vorschlag der Niedersächsischen Landesregierung.

Die Volkswagen-Stiftung hat immer wieder besondere Instrumente entwickelt, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. So hat sie unter anderem entscheidend zur Entwicklung der Graduiertenkollegs beigetragen und ein eigenes Habilitationsprogramm für die neuen Bundesländer eingerichtet. Nachwuchsförderung ist die wichtigste Investition zur Sicherung der Zukunft des Forschungsstandortes Deutschland.

Zu den erfolgreichsten Förderinitiativen der Stiftung der letzten Jahre gehört das Programm "Nachwuchsgruppen an Universitäten". Es gibt Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen die Chance, auf besonders zukunftsträchtigen Gebieten zu forschen und zu lehren und früher, als es auf den üblichen akademischen Karrierewegen üblich ist, eigenverantwortlich ein Forschungsteam zu organisieren. Zu der diesjährigen Ausschreibungsrunde hat die Stiftung auch Selbstbewerbungen junger Forscher und Forscherinnen angenommen und dies mit besonders erfreulichem Erfolg. Von den acht Arbeitsgruppen, für die das Kuratorium auf seiner Sitzung über 16 Millionen Mark bewilligt hat, gehen nicht weniger als sechs auf Selbstbewerbungen zurück. Insgesamt lagen der Stiftung 61 Anträge mit einem Volumen von über 128 Millionen Mark vor.

Im einzelnen handelt es sich um folgende Nachwuchsgruppen*:

"Charakterisierung des Informationsflusses zwischen Gehirnregionen" an der Klinik für Neurologie der Universität Jena; Leiter: Dr. Ch. Büchel. Christian Büchel, Jahrgang 1965, studierte Humanmedizin an der Universität Heidelberg. Die Arbeiten an seiner Promotion führten ihn auch an Forschungsinstitute in Philadelphia/USA und Roskilde/Dänemark. 1992 promovierte er "summa cum laude". Nach verschiedenen Stationen im Rahmen des praktischen Jahres (u. a. Institute of Neurology/Medical College of Pennsylvania, Universität Leiden, Klinikum Mannheim der Universität Heidelberg) ist er seit Oktober 1995 im Wellcome Department of Cognitive Neurology tätig. Dort entwickelte er ein neues Analyseverfahren, das es ermöglicht, Aussagen über die funktionelle Kopplung von Hirnrindenarealen zu gewinnen. Büchel ist Erstautor zahlreicher Publikationen, von denen hier insbesondere die Veröffentlichungen in den Zeitschriften "Brain" und "Nature" erwähnt seien.

"Olfaktorische Codierung im Antennallobus der Fruchtfliege Drosophila melanogaster" am Institut für Neurobiologie der Freien Universität Berlin; Leiter: Dr. G. Galizia. Giovanni Galizia, Jahrgang 1963, wurde in Rom geboren. Seit 1986 studierte er Biologie an der Freien Universität Berlin, von 1989 bis 1993 an der University of Cambridge, England, wo er promovierte. Es folgten Tätigkeiten am Max-Planck-Institut für Kybernetik sowie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen und am Institut für Neurobiologie der Freien Universität Berlin. Seine bisherigen Arbeiten,die es ermöglichten, unter Einsatz optischer Methoden die Duftverarbeitung und -darstellung im Gehirn der Honigbiene am lebenden Tier zu untersuchen, haben ihn international bekannt gemacht und Einladungen zu zahlreichen Vorträgen eingebracht.


* (Weitere Informationen, Kontakte zu den Nachwuchsgruppenleitern und -leiterin- nen sowie Fotos vermittelt die Pressestelle der Stiftung.)

"Sehen, Schauen, Betrachten - Neuronale Mechanismen visueller Wahrnehmung" an der Klinik für Neurologie der Universität Frankfurt/Main; Leiter: Priv.-Doz. Dr. A. Kleinschmidt. Andreas Kleinschmidt, Jahrgang 1964, studierte Humanmedizin an der Universität Frankfurt, wo er auch 1995 - basierend auf Arbeiten, die er am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Abteilung für Neurophysiologie/Prof. Singer durchführte - promovierte. Nach Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf und in der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Insitut für Biophysikalische Chemie erwarb er 1996 die Facharztanerkennung für Neurologie. 1997 habilitierte er sich für das Fach Neurologie. Seit Juli 1997 ist er Research Fellow am Wellcome Department of Cognitive Neurology. 1995 erhielt er die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft.

"Dynamik des pflanzlichen Zellskeletts - molekulare Zellbiologie in vivo" am Institut für Biologie II der Universität Freiburg; Leiter: Priv.-Doz. Dr. P. Nick. Peter Nick, Jahrgang 1962, war Stipendiat der Studienstiftung des Deutsches Volkes und studierte 1981 bis 1986 Biologie an der Universität Freiburg sowie an der St. Andrews University in Schottland. Nach seiner Promotion war er von 1990 bis 1994 Forschungsstipendiat der Science and Technology Agency, Japan, des Human Frontier Science Programms in Wako-shi, Japan, sowie am Institut für Molekularbiologie der Pflanzen in Strasbourg. Danach habilitierte er sich in Freiburg mit einer Arbeit "Einzelzelle und Pflanzengestalt" im Fach Botanik/ Pflanzenphysiologie, wo er seit 1997 auf einer C2-Stelle tätig ist. 1990 erhielt er den Forschungspreis der Firma Goedecke.

"Paläozoische Paläogeographie Gondwanas" am Institut für Allgemeine und Angewandte Geophysik der Universität München; Leiterin: Priv.-Doz. Dr. J. A. Tait. Jennifer A. Tait, Jahrgang 1964, wurde in Stonehaven, Schottland, geboren. Nach einem Geologiestudium an der St. Andrews University in Fife/Schottland ging sie 1986 an das Department für Earth Sciences der Liverpool University, wo sie 1991 promovierte. Danach wechselte sie an das Institut für Allgemeine und Angewandte Geophysik der Universität München und habilitierte sich 1998 im Rahmen eines DFG-Habilitationsstipendiums mit der venia legendi sowohl für Geologie als auch für Geophysik. Sie ist damit in Deutschland die dritte Person überhaupt, die die venia legendi in dieser Kombination erhalten hat.

"Wie verarbeitet das Gehirn biologisch relevante Bewegungsmuster?" an der Abteilung Biopsychologie der Unversität Bochum; Leiter: Priv.-Doz. Dr. N. F. Troje. Nikolaus F. Troje, Jahrgang 1960, studierte im Anschluß an einen neunmonatigen Arbeitsaufenthalt auf einer Wiederaufforstungsstation in Tansania und einer landwirtschaftlichen Lehre Biologie an der Universität Freiburg. Er war Stipendiat der Studienstiftung des Deutsches Volkes und promovierte 1994 "summa cum laude". Danach war er drei Jahre am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen tätig. Seit September 1997 ist er im Rahmen eines Feodor-Lynen-Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung Gastwissenschaftler am Department of Psychology an der Queen's University in Kingston/Ontario, Kanada. Seine Habilitation im Fach Tierphysiologie legte er 1998 an der Universität Tübingen ab.

Zwei weitere Nachwuchsgruppen wurden nicht aufgrund von Selbstbewerbungen, sondern auf Anträge von universitären Einrichtungen hin bewilligt:

"Entwicklung und Charakterisierung genetisch modifizierter Rattenstämme für die immunologische Grundlagenforschung und Modelle der Autoimmunität und Transplantation" an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg .

"The Economics and Econometrics of Networks" am Institut für Statistik und Ökonometrie der Universität Kiel.

Die Zahl der ausländischen Studierenden, die nach Deutschland kommen, läßt seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Neben ausländerrechtlichen Problemen ist dies vor allem auf die Studienbedingungen an deutschen Universitäten zurückzuführen, die den Erwartungen vieler ausländischer Studierender nicht entsprechen. Im Rahmen ihres neugegründeten "International Center for Graduate Studies" eröffnet die Universität Hamburg jetzt qualifizierten ausländischen Studierenden, die einen ersten Studienabschluß erworben haben, in zunächst fünf interdisziplinär angelegten Programmen die Möglichkeit zum weiterführenden Studium. Die Volkswagen-Stiftung hat dafür eine Starthilfe von 1 Million Mark zur Verfügung gestellt.

Auch in den Förderschwerpunkten der Stiftung, die themen- und problemorientiert angelegt sind, haben häufig jüngere Wissenschaftler einen überdurchschnittlich hohen Anteil an den geförderten Projekten. Dies ist etwa am Schwerpunkt "Intra- und intermolekulare Elektronenübertragung" abzulesen. Elektronentransfer findet bei jeder Umwandlung von Licht und Nahrung in Energie statt und ist damit eine Voraussetzung für jedes pflanzliche, tierische und menschliche Leben. Zu den geförderten Wissenschaftlern in diesem Bereich gehört unter anderem Priv.-Doz. Dr. S. Anemüller vom Institut für Biochemie der Medizinischen Hochschule Lübeck mit Untersuchungen zur biophysikalischen Charakterisierung einer Enzymklasse in der Atmungskette von Archaeobakterien (Bewilligung 213 500 Mark). Priv.-Doz. Dr. M. Lübben vom Institut für Biophysik an der Universität Bochum führt ähnliche Untersuchungen zu anderen Enzymarten durch (Bewilligung 245 700 Mark). Priv.-Doz. Dr. T. Carell, noch ETH Zürich, arbeitet auf dem derzeit hochaktuellen Gebiet des Elektronentransfers in DNA (Bewilligung 434 400 Mark).

Im Schwerpunkt "Analyse von Entwicklungs-, Differenzierungs- und Krankheitsprozessen durch konditionale Mutagenese" arbeitet Priv.-Doz. Dr. S. Offermanns (Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin) über Veränderungen eines Gens, das zu ausgeprägten Mißbildungen führt (Bewilligung von 350 400 Mark). Dr. B. Lutz und Dr. T. Steckler, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München, beschäftigen sich mit einem Eiweißstoff, der von entscheidender Bedeutung für Lern- und Gedächtnisvorgänge ist (Bewilligung 336 000 Mark). Dr. A. Schedl (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch) untersucht ein Gen, das im Falle von Mutationen zu ausgeprägten Skelettmißbildungen kommt, häufig assoziiert mit einer phänotypischen Geschlechtsumwandlung von männlich nach weiblich (Bewilligung 237 500 Mark).

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