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Im Luftschiff die Baumkronen eines Urwalds erforschen

23.08.1999 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Baumkronen bilden einen der letzten noch unerforschten Lebensräume. Weil sie schwer zugänglich sind, weiß die Wissenschaft kaum etwas über die dort lebenden Insekten- und Spinnengemeinschaften. Um dies zu ändern, ist Dr. Andreas Floren, Ökologe von der Universität Würzburg, mit Hilfe eines Heißluft-Luftschiffes in Wirtschaftswäldern bis an die Wipfel der Bäume vorgedrungen. Nun plant er Untersuchungen in einem der letzten Urwälder Mitteleuropas.

Während Forscher meist nur mit aufwendigen Klettertechniken in den Lebensraum Baumkrone vordringen konnten, hat Dr. Floren in den vergangenen zwei Jahren eine ganz neue Methodik erprobt - den Einsatz eines Heißluft-Luftschiffes. Damit ist es erstmals möglich, die äußersten Blattschichten der Bäume, in denen sich die Tiere bevorzugt aufhalten, zu erreichen. Mit dem Luftschiff können einzelne Baumkronen gezielt und beinahe störungsfrei angefahren und Proben aus ihnen entnommen werden. Speziell hierfür entwickelte Fallen können abgesetzt und nach einigen Tagen wieder eingeholt werden - um nur einen Teil der möglichen Anwendungen zu nennen.

Auf diese Weise lassen sich laut Dr. Floren selbst in den Wirtschaftswäldern Deutschlands, wo das Luftschiff bislang zum Einsatz kam, noch neue Arten entdecken. Erste Ergebnisse hätten die besondere Eignung dieser Methodik bestätigt, aber auch die große Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen gezeigt, denn bei zu starkem Wind kann das Luftschiff nicht starten. Dies und die bislang relativ kurzen Einsätze von nur wenigen Tagen Dauer verhinderten eine kontinuierliche wissenschaftliche Arbeit.

Aus diesem Grunde plant Dr. Floren, das Luftschiff im Juni des Jahres 2000 für vier Wochen in einem der letzten Urwälder Mitteleuropas in Polen einzusetzen. Hier kämen dann auch andere Fallensysteme und die Benebelungsmethode zum Einsatz, um den Lebensraum Baumkrone möglichst genau zu untersuchen.

Diese Arbeiten sollen dem Vergleich von Wirtschaftswäldern mit Urwäldern dienen. Denn vieles deute darauf hin, so der Würzburger Forscher, dass die Insektengemeinschaften in Kulturökosystemen nach anderen Gesetzmäßigkeiten reguliert werden als in natürlichen Systemen. Wenn sich dies bestätige, hätte das bedeutende Konsequenzen für die Grundlagentheorie und den Naturschutz. Dann müsse auch die Theorie der ökologischen Nischen hinterfragt werden.

Hinweis für Redaktionen: Diese wissenschaftlichen Arbeiten sind bei den Medien bislang auf sehr großes Interesse gestoßen. Daher möchte Dr. Floren im Vorfeld seiner Expedition in den polnischen Urwald wissen, ob bei Journalisten bzw. Bildberichtern Interesse besteht, ihn für einen längeren oder kürzeren Zeitraum zu begleiten: Dies würde die Möglichkeit bieten, mit dem Luftschiff mitzufahren und die Untersuchungen hautnah zu erleben. Um rechtzeitig die notwendigen Genehmigungen einholen zu können, sollen sich Interessenten wenn möglich noch in dieser Woche (23. bis 27. August) bei Dr. Floren melden: Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Am Hubland, 97074 Würzburg, Telefon (0931) 888-4376, Fax (0931) 888-4352, E-Mail:
floren@biozentrum.uni-wuerzburg.de
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