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Die Chemnitzer Uni - wie geschaffen für Frauen

31.08.1999 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Naja, das kennen Sie schon, wenn Sie öfter unsere Pressemitteilungen lesen: Die Chemnitzer Uni ist mal wieder auf Platz 1 gelandet. Diesmal hat's die Informatik erwischt, die Rangliste stammt aus der Zeitschrift "Neue Impulse", herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Akademikerinnen.


Auch wenn Frauen in den Informatikstudiengängen noch eine Minderheit sind - sie können ebensogut mit Computern umgehen wie Männer. Für Frauen eignet sich besonders die TU Chemnitz, meint die Gesellschaft Deutscher Akademikerinnen. / Foto: TU Chemnitz Die Chemnitzer Uni - wie geschaffen für Frauen
Gesellschaft Deutscher Akademikerinnen setzt Chemnitzer Informatik auf Rang 1

Sie nennen sich "Webgrrls" (http://www.webgrrls.de/), "Ceiberweiber" (http://www.ceiberweiber.com/home.htm) oder auch einfach nur "Weiber" (http://www.weiber.net/) - die Frauen im Internet und in den Computerberufen. Noch freilich sind sie eine Minderheit: Lediglich ein Fünftel der deutschen Internet-Nutzer sind Frauen, wie kürzlich eine Untersuchung im Auftrag von "Focus" herausfand - allerdings mit stark steigender Tendenz. Im Informatik-Studium sieht es nicht viel besser aus: Nur etwa jede/r elfte Studierende ist eine Frau, selbst Chemnitz macht da keine Ausnahme. Und auch in den Ingenieursstudiengängen sind Frauen dünn gesät.

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Mit Technik kommen Frauen schließlich ebenso gut zurecht wie Männer. Und nicht zuletzt: An der Wiege der Informatik stand eine Frau, Lady Ada Lovelace (1815-1852), übrigens eine Tochter des englischen Dichters Lord Byron. Sie machte sich erstmals Gedanken darüber, wie man einen Computer programmieren könne. Dabei ersann sie grundlegende Programmiertechniken, die noch heute angewandt werden, etwa Programmschleifen und Unterprogramme. 1980 gab man einer neu entwickelten Programmiersprache ihren Namen: Ada.

Auf die Programmierung von Computern kam Ada Lovelace durch ihre Bekanntschaft mit dem britischen Mathematiker Charles Babbage. Der hatte damals gerade den ersten, noch mechanischen, Computer entwickelt, die "Analytical Engine" (Analytische Maschine). Sie verfügte bereits, wie moderne Computer auch, über einen Speicher und ein Rechenwerk und konnte programmiert werden. Gedacht war die "Engine" dazu, komplizierte mathematische und astronomische Tabellen zu berechnen - für die Seefahrernation England enorm wichtig. Wäre sie gebaut worden, das Computerzeitalter hätte womöglich hundert Jahre früher begonnen. Doch die damaligen Mechaniker waren nicht in der Lage, die Einzelteile mit der erforderlichen Genauigkeit herzustellen.

Frauen, die sich für Informatik interessieren, sollten sich allerdings die richtige Uni suchen - eine, an der sie als Frauen ernst genommen und wo sie nach Kräften gefördert werden. Unter allen deutschen Hochschulen kommt die TU Chemnitz einer solchen Uni am nächsten, so jedenfalls "Neue Impulse", die Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Akademikerinnen (http://www.gesellschaft-deutscher-akademikerinnen.de/index.html): Kürzlich setzte sie die Chemnitzer Informatik auf Platz 1 unter den deutschen Informatik-Studiengängen.

Die Rangliste der "Neuen Impulse" beruht auf der Freiburger Informatik-StudentInnenstudie der Mathematikerin Prof. Britta Schinzel und der Soziologin Christine Knecht. Die beiden Wissenschaftlerinnen befragten 1585 Studierende an 15 deutschen Hochschulen - 25 weitere, die ebenfalls Informatik anbieten, mochten sich an der Untersuchung nicht beteiligen. Ganz besonders interessierte die beiden, ob das Studium den besonderen Bedürfnissen von Frauen entgegenkommt. Dabei landete die Chemnitzer in der Gesamtwertung souverän auf Platz 1 vor der Dortmunder Uni und der Humboldt-Uni in Berlin.

Schinzel und Knecht wollten es aber noch genauer wissen: Sie interessierte auch, ob im Studium gesellschaftliche Bezüge der Informatik angesprochen und der Bezug zur Praxis deutlich wurde, ob es genügend Programmierkurse gab und ob das Studium zu mathe- oder zu theorielastig war und es in einem allgemeinen Sinnzusammenhang gestellt wurde. Bei den insgesamt acht Merkmalen kam die Chemnitzer Uni zweimal auf Platz 1, dreimal auf Platz 2, einmal auf Platz 3 und zweimal auf Platz 4. Danach liegt Chemnitz besonders beim Bezug des Studiums zur Praxis ganz vorn. An anderen Unis bemängeln die Studentinnen gerade diesen Punkt. Andererseits beklagen Studenten eher den hohen theoretischen Anteil am Studium als Studentinnen.

Daß frau mit einem Chemnitzer Informatik-Abschluß auch erstklassige Karrierechancen hat, versteht sich von selbst - erst vor wenigen Wochen etwa bescheinigten über 200 Personalchefs und Leiter von Computerabteilungen großer Unternehmen den Chemnitzer Informatik-AbsolventenInnen Macherqualitäten: Sie setzten die Ausbildung der Chemnitzer Computerwissenschaftler auf Platz 3 unter 40 Unis, die dieses Fach anbieten. Und erst im April war die Chemnitzer Uni in einer Hochschulrangliste des Spiegel auf Platz 2 unter allen deutschen Unis gelandet.

Ganz zufrieden sind die Freiburger Forscherinnen mit den Unis dennoch nicht: Die Informatik-Studienpläne müßten dringend überarbeitet werden, urteilen Schinzel und Knecht. So sei es zum Beispiel nötig, die theoretische Informatik an das Ende des Vordiplomstudiums statt an den Anfang zu setzen.

An der TU Chemnitz freut man sich dennoch über das gute Abschneiden bei den jüngsten Hochschulvergleichen in der Informatik - und daß Frauen und Technik prima zusammenpassen und Frauen sich an der Chemnitzer Uni besonders wohl fühlen, unterstreicht auch die Broschüre "Frauen in der Technik" der Zentralen Studienberatung der TU Chemnitz. Sie kann unter der Tel. 0371/531-1840, e-mail studienberatung@tu-chemnitz.de kostenlos angefordert werden. Dort erzählen erfolgreiche Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen, wieviel Spaß ihnen ihr Beruf macht. Alle haben früher einmal in Chemnitz studiert.

Zu dieser Mitteilung können Sie ein kostenloses Foto in unserer Pressestelle anfordern. Es zeigt die Chemnitzer Studentin Antje Jauernig (24) an ihrem Computer.

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