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Individuelle Therapien für alte Krebspatienten

31.08.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Deutsche Krebshilfe fördert geriatrische Tumorforschung an der Jenaer Uni mit 3,7 Mio. Mark

Jena (31.08.99) Ältere Menschen gehen mit Krebserkrankungen anders um als jüngere Betroffene. Die Frage, welche Behandlung für den einzelnen alten Menschen die beste ist, wurde bisher allerdings wissenschaftlich kaum untersucht. Dies wird sich nun ändern. Im Forschungsprojekt "Geriatrische Onkologie" suchen jetzt Mediziner und Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena Kriterien, wie die beste Individualtherapie für alte Menschen zu gestalten ist. Gefördert wird dieses in Deutschland einmalige Vorhaben in den nächsten fünf Jahren mit 3,7 Millionen Mark durch die Deutsche Krebshilfe sowie durch das Thüringer Wissenschaftsministerium, das zwei befristete Stellen - darunter eine Professur für Internistische Geriatrie - finanziert. Die Förderbescheide wurden heute im Senatssaal der Friedrich-Schiller-Universität durch den Vorsitzenden des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe Prof. Dr. Robert Fischer und Thüringens Wissenschaftsminister Dr. Gerd Schuchardt an die Wissenschaftler überreicht.

Mit der Zunahme der Lebenserwartung steigt auch die Anzahl älterer Tumorpatienten. Doch ihre Einstellung zur Erkrankung und ihre körperlichen Voraussetzungen lassen oft keine standardisierte Behandlung zu. "Belastungen - wie sie etwa eine Krebserkrankung darstellt - werden unterschiedlich verkraftet", erläutert Prof. Dr. Klaus Höffken. Außerdem sind Altersveränderungen nicht einheitlich. "Untersucht man eine Gruppe 75-jähriger, so findet man, dass einige sehr rüstig, andere stark vorgealtert sind", weiß der Jenaer Krebsspezialist und Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin II. Entsprechend unterschiedlich ist ihre Fähigkeit, körperliche und seelische Belastungen einer Krebserkrankung und ihrer Therapie zu verarbeiten.

Es bedarf einer individuellen Therapie, die sich nicht am Lebensalter, sondern am physischen und psychischen Zustand des Erkrankten orientiert. "Ziel des Forschungsprojektes 'Geriatrische Onkologie' ist es", erklärt Prof. Höffken, "Kriterien zu entwickeln, wie Therapieentscheidungen bei alten Menschen mit Tumorerkrankungen so getroffen werden können, dass sie der individuellen Belastbarkeit und den Erwartungen, die diese Menschen an ihr weiteres Leben haben, gerecht werden."

Die beteiligten Jenaer Psychologen befassen sich mit neuropsychologischen Beeinträchtigungen der Patienten, möglichen Hilfen für die Angehörigen, vor allem aber mit dem Erleben und Handeln der alten Menschen selbst. "Nähern wir uns einer Grenze unserer Lebenserwartung, sei es weil wir alt sind, oder weil eine ernste Krankheit uns belastet", erläutert Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen, "verschieben sich die Lebensziele - emotionale Nähe wird wichtiger, wofür andere Ziele abgewertet werden und wieder andere erst recht in den Mittelpunkt geraten: Wer sich auf bislang Unerreichtes konzentriert, wird selbst schwerste Belastungen auf sich nehmen." Solche Haltungen beeinflussen nachhaltig die Entscheidungen über Behandlung und Therapie aus der Sicht der alten Menschen, wobei das bisherige Leben und die Persönlichkeit eine große Rolle spielen. "Wir müssen viel mehr über das Zusammenspiel von Tumorerkrankung und Entwicklung im hohen Alter während der
Behandlung wissen, denn hier liegt der Schlüssel zu einem lebenswerten Leben ungeachtet aller Bedrohung", meint der Jenaer Entwicklungspsychologe, der sich über die prominente Rolle der Psychologie in der Zusammenarbeit mit den Medizinern freut.


Kontakt:
Forschungsgruppe "Geriatrische Onkologie" der Universität Jena
c/o Dr. Ulrich Wedding
Klinik für Innere Medizin II
Erlanger Allee 101
07747 Jena
Tel.: 03641/939100
Fax: 03641/939219
e-mail: i6weul@polkim.med.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Axel Burchardt M. A.
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931041
Fax: 03641/931042
e-mail: hab@sokrates.verwaltung.uni-jena.de
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