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Religion jenseits der Metaphysik - Kongress in Bochum

14.09.1999 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die Grundfragen des Menschen immer wieder neu zu durchdenken und Religion in Beziehung zu setzen zu Problemen der Gegenwart, ist Ziel des internationalen Kongresses "Religion - Metaphysik (-kritik) - Theologie" (4. - 7. Oktober, Hörsaal HGA 30 bzw. Musisches Zentrum der RUB), den die Katholisch -Theologische Fakultät (Prof. Dr. Markus Knapp, Prof. Dr. Theo Kobusch) veranstaltet

Bochum, 14.09.1999
Nr. 202

Glaube und Moderne
Religion jenseits der Metaphysik
Internationaler Theologen-Kongress der RUB


Das Nachdenken über Glaube und Religion wirft seit jeher viele Fragen auf, und gerade die moderne Kultur steht vielen Grundsätzen der Theologie kritisch gegenüber: Wie können modernes Denken und Metaphysik zusammenpassen? Die Grundfragen des Menschen immer wieder neu zu durchdenken und Religion in Beziehung zu setzen zu Problemen der Gegenwart, ist Ziel des internationalen Kongresses "Religion - Metaphysik (-kritik) - Theologie" (4. - 7. Oktober, Hörsaal HGA 30 bzw. Musisches Zentrum der RUB), den die Katholisch -Theologische Fakultät (Prof. Dr. Markus Knapp, Prof. Dr. Theo Kobusch) veranstaltet.

Glaube - eine Privatsache

Die Religionen haben in der modernen Gesellschaft einen schweren Stand: Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts sind Kirche und Staat getrennt, der Glaube ent-wickelt sich zur Privatangelegenheit. Religiöse Überzeugungen finden kaum noch öffentliche Anerkennung und haben es immer schwerer, allgemeine Verbindlichkeit einzufordern. Hinzu kommt, dass sich in neuerer Zeit verschiedene Kulturen und somit auch ihre Glaubensvorstellungen vermischen, wodurch der Anspruch der Religionen auf Allgemeingültigkeit wenig plausibel erscheint.

Revival der Religion

Dennoch deutet sich ein Trend zur Wiederkehr der Religionen an: Gerade in modernen individualisierten Gesellschaften sind die Menschen auf der Suche nach Orientierung und einer Verständigung über die Grundlagen des Zusammenlebens. Sie versprechen sich von so etwas wie Religion Hilfe bei ihrer Identitätsfindung und der Definition ihrer Normen und Werte. Zum Wesen einer Religion gehört aber zwangsläufig ein Wahrheitsanspruch, dessen Einlösung auch in einer modernen Kultur ohne die Zuhilfenahme irgendeiner Form von Metaphysik unmöglich scheint. So wird der Ruf nach einer Erneuerung metaphysischer Grundlagen der Theologie immer lauter.

Metaphysik heute

Doch ist metaphysisches Denken in der Moderne überhaupt verallgemeinerbar und somit leistungsfähig genug, um eine Religion zu tragen? Wird die Theologie alte Glaubensgrundsätze neu begründen können, oder steht eine nachmetaphy-sische Epoche der Theologie bevor? Alle diese Fragen wird der Kon-gress aufgreifen. International namhafte Referenten behandeln in ihren Vorträgen Grenzfragen der Theologie und die Konsequenzen religiöser Überzeugung, etwa die Beziehung zwischen menschlicher Freiheit und göttlicher Allmacht. Nicht zuletzt geht es um die Rolle der Metaphysik in der modernen Religion: Wie muss ein Begriff, der in der Öffentlichkeit in Verruf geraten ist, für den Glauben bewertet werden? Ein Schwerpunkt des Kongresses wird auf ethischen Fragen liegen, etwa der Diskussion der Menschenrechte im Zusammenhang mit religiösen Überzeugungen.

Programm

Montag, 4. Oktober 1999 (Hörsaal H-GA 30)

18.00 Uhr Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Dr. Johann Baptist Metz (Münster): Gott und Zeit. Theologie und Metaphysik an den Grenzen der Moderne


Dienstag, 5. Oktober 1999 (Musisches Zentrum)

Themenkreis I: Religion in der Moderne

9.00 - 9.45 Uhr Prof. Dr. Dr. Klaus Müller (Münster) Mehr als Kitt und Stolperstein - Erwägungen zum philosophischen Profil von Religion in der Moderne

10.00 - 10.45 Uhr Prof. Dr. Oswald Schwemmer (Berlin) Die symbolische Existenz des Göttlichen

11.00 - 11.45 Uhr Prof. Dr. Franz-Xaver Kaufmann (Bielefeld) Selbsterfahrung, Dauerreflexion und Religion

12.00 - 12.45 Uhr Diskussion mit einem einleitenden Statement von Prof. Dr. Wilhelm Gräb (Bochum)

Themenkreis II: Religion und Metaphysik

15.00 - 15.45 Uhr Prof. Dr. Thomas Rentsch (Dresden) Worin besteht die Irreduzibilität religiöser Wahrheitsansprüche?

16.00 - 16.45 Uhr Prof. Dr. Friedo Ricken (München) Der religiöse Glaube als Tugend

17.00 - 17.45 Uhr Prof. Dr. Edmund Runggaldier (Innsbruck) Der metaphysische Substanzbegriff in seiner Bedeutung für die Religion

18.00 - 18.45 Uhr Diskussion mit einem einleitenden Statement von Prof. Dr. Franz-Josef Wetz
(Schwäbisch-Gmünd)


Mittwoch, 6. Oktober 1999 (Musisches Zentrum)

Themenkreis III: Metaphysik und Moderne

9.00 - 9.45 Uhr Prof. Dr. Walter Schweidler (Dortmund) Die Wahrheit der Grenze. Zu den metaphysischen Implikationen des modernen Wissenschaftsbegriffs

10.00 - 10.45 Uhr Prof. Dr. Albrecht Wellmer (Berlin) Zeit und Wahrheit der (Inter-) Subjektivität

11.00 - 11.45 Uhr Prof. Dr. Theo Kobusch (Bochum) Das Prinzip der Freiheit in der Moderne und seine metaphysischen Implikationen

12.00 - 12.45 Uhr Diskussion mit einem einleitenden Statement von Prof. Dr. Reiner Wimmer (Tübingen)

Themenkreis IV: Die Gottesfrage in der Moderne

15.00 - 15.45 Uhr Prof. Dr. Ulrich Körtner (Wien) Nicht der Philosophen Gott? Denken Gottes zwischen Mythos und Metaphysik

16.00 - 16.45 Uhr Prof. Dr. Thomas Pröpper (Münster) Menschliche Freiheit und göttliche Allmacht

17.00 - 17.45 Uhr Prof. Dr. Klaus-M. Kodalle (Jena) Transzendenz im Gefüge der Habermasschen Diskursethik

18.00 - 18.45 Uhr Diskussion mit einem einleitenden Statement von Prof. Dr. Erwin Dirscherl (Osnabrück)

20.00 Uhr Abendvortrag (Hörsaal H-GA 30) Prof. Dr. Kurt Hübner (Kiel) Metaphysik und Offenbarung


Donnerstag, 7. Oktober 1999 (Musisches Zentrum)

Themenkreis V: Theologie und Metaphysik

9.00 - 9.45 Uhr Prof. Dr. Christian Link (Bochum) Ist Theologie ohne Metaphysik möglich?

10.00 - 10.45 Uhr Prof. Dr. Markus Knapp (Bochum) Der trinitarische Gottesgedanke als Zentrum einer Theologie jenseits der Metaphysik?

11.00 - 11.45 Uhr Prof. Dr. Josef Wohlmuth (Bonn) Chalkedonische Christologie und Metaphysik

12.00 - 12.45 Uhr Diskussion mit einem einleitenden Statement von Prof. Dr. Hans-Ludwig Ollig (Frankfurt/Main)

12.45 Uhr Ende der Veranstaltung

Weitere Informationen

Prof. Dr. Markus Knapp, Prof. Dr. Theo Kobusch, Katholisch.Theologische Fakultät der RUB, Universitätsstr. 150, 44801 Bochum, Tel. 0234/700-4708 o. 2414, Fax: 0234/7094-485, www.ruhr-uni-bochum.de/kath-theol-fak/philosophie/kongress.htm

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