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Herz-OP via Satellit nach Washington

14.09.1999 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Über 3.000 Kardiologen in Washington sind am 23. September via Satellit mit dem Herzkatheterlabor der Uni Magdeburg verbunden, um live die Implantation eines neuen Schrittmachersystems bei Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche auf der Leinwand verfolgen zu können. Entscheidend an dieser Therapie ist die neuartige Platzierung der Elektroden des implantierten Schrittmachers, die zur gleichzeitigen Stimulierung beider Herzkammern führt. Eine mögliche Alternative zur Herztransplantation ließe sich durchaus ableiten.

Die Wirksamkeit dieser neuen Schrittmachertherapie wurde im Rahmen der sog. PATH-CHF-Studie (Pacing therapies for congestive heart failure), an der sechs Universitätsklinika beteiligt waren, überzeugend nachgewiesen. Mit großem Erfolg hat Studienleiter Dr. Angelo Auricchio von der Kardiologischen Uniklinik Magdeburg die Studienergebnisse auf der diesjährigen Tagung der Nordamerikanischen Gesellschaft für Herzschrittmachertherapie und Elektrophysiologie (NASPE) in Toronto vorgestellt.
Beim bevorstehenden Satellitensymposium am 23. September werden mehr als 3.000 Kardiologen in Washington bei einer Tagung verfolgen können, wie Professor Helmut Klein, Professor Christof Huth und Studienleiter Dr. Angelo Auricchio im Herzkatheterlabor der Magdeburger Uniklinik die Schrittmacherelektroden mit dem neuartigen Verfahren bei einer Patientin implantieren werden. In Washington werden Prof. Martin Leon, Prof. Eric Prystowsky und Prof. David Cannom, Prof. Brian Lewis und Prof. David Rardon bei der Satellitenübertragung den Dialog mit den deutschen Ärzten führen.

Sehr geehrte Damen und Herren der Medien,
falls Sie Interesse haben, am
S a t e l l i t e n s y m po s i u m
in der Kardiologischen Klinik des Universitätsklinikums Magdeburg, am Donnerstag, dem 23. September 1999, von 13.00 bis ca. 15.00 Uhr, teilzunehmen, bitten wir um Ihre rechtzeitige Anmeldung (möglichst bis zum 20.09.99) über e-mail: regina.gebauer@medizin.uni-magdeburg.de, damit wir die technischen Voraussetzungen für eine klinikinterne OP-Übertragung aus dem Herzkatheterlabor entsprechend vorbereiten können.

Studienleiter Dr. Angelo Auricchio, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Magdeburger Universität, erklärt das Entscheidende des Verfahrens: "Das Neue besteht in der Platzierung der Schrittmacherelektroden sowie die spezielle Technik und Programmierung der Herzschrittmachersysteme." Durch die Implantation dieser besonderen Systeme werden die beiden Herzkammern gleichzeitig stimuliert und damit zu synchronisierter Kontraktion gezwungen. Die Folge sind Leistungssteigerung, eine bessere Lebensqualität für den Betroffenen und die Vermeidung häufiger Krankenhausaufenthalte, die bislang bei einer derartig schweren Pumpstörung des Herzens unverzichtbar waren. Die Stimulationselektroden sowie die speziellen Herzschrittmacher werden in Kooperation mit der Medizinelektronikfirma (Guidant, Medizintechnik GmbH Giessen) hergestellt.

Außer einer Steigerung der Herzleistung um mindestens 20 Prozent im Vergleich zum Zustand vor der Schrittmacherimplantation zeigt die PATH-CHF-Studie auch, dass die hohe Sterblichkeit unbehandelter Patienten durch dieses Therapieverfahren deutlich reduziert werden kann. Von den 42 Patienten im Alter zwischen 42 und 72 Jahren, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, verstarb im Verlauf der mindestens einjährigen Nachbeobachtung nur ein Patient. Bislang üblich ist eine Sterblichkeitsrate von 30 bis 40 Prozent.

Die Herzinsuffizienz ist trotz der in den vergangenen Jahren erheblich verbesserten medikamentösen Behandlungsmöglichkeit die führende Todesursache der Herzkreislauferkrankungen. Eine alleinige medikamentöse Behandlung der Pumpleistungsschwäche des Herzens könne eine solche Steigerung der subjektiven und objektiven Leistungssteigerung nicht erreichen, bestätigt Dr. Auricchio. Die Häufigkeit einer schweren Herzpumpleistungsschwäche wird zwischen ein bis zwei Prozent der Bevölkerung angegeben, das sind allein in Europa 6,5 Millionen Menschen. Die finanziellen Auswirkungen für die immer wieder erforderlichen Krankenhausaufenthalte sowie die diagnostischen und therapeutischen Verfahren werden in den USA mit 3,8 Billionen Dollar berechnet. Die Herztransplantation gilt bisher als einzig mögliche Alternative im Endstadium einer schweren Herzinsuffizenz. Unabhängig von den erheblichen Kosten sind die Spenderherzen bekanntlich limitiert. "Die Mehrzahl der in unsere Studie eingeschlossenen Patienten standen entweder bereits auf einer Warteliste für die Herztransplantation oder waren kurz davor", informiert Dr. Auricchio. Das neue Stimulationsverfahren beider Herzkammern bietet sich seiner Meinung durchaus als mögliche Alternative für einen Teil der Patienten an. Zumindest könne durch dieses Therapieverfahren die Herztransplantation hinausgezögert werden.

Nähere Informationen über die PATH-CHF-Studie sind nachzulesen in der Zeitschrift American Journal of Cardiology, Bd. 83, Seite 130D-135D, und Circulation, Bd. 99, Seite 2993-3001.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen gern Dr. Angelo Auricchio und Prof. Dr. Helmut Klein, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leipziger Straße 44, D-39120 Magdeburg, Tel. 0391/67 13203, oder 67 15207 Fax 0391/67 13202, zur Verfügung.
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