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Neue Mobilitätsformen für einen dauerhaft umweltgerechten Verkehr

28.09.1999 - (idw) Umweltbundesamt (UBA)

Internationaler OECD/UBA Workshop am 27./28. September 1999

Beim Verkehr sind die Weichen auf Wachstum gestellt und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Schätzungen zeigen, dass in den Ländern der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) die Zahl der motorisierten Fahrzeuge bis zum Jahre 2010 um ein Drittel zunehmen wird. Im Vergleich zu heute werden auf Straßen und Schienen 40 % mehr Kilometer zurückgelegt, und der Luftverkehr wird sich verdoppeln. Trotz Verbesserungen bei den einzelnen Verkehrsträgern, insbesondere durch technische Maßnahmen an Fahrzeugen, nehmen die Umweltbelastungen im Verkehrssektor in wichtigen Bereichen zu. Technologische Fortschritte allein reichen teilweise nicht aus, um die von einer höheren Nachfrage ausgehenden Umweltwirkungen aufzuwiegen. Um dem Ziel eines nachhaltigen, also dauerhaft umweltgerechten Verkehrssystems näher zukommen, müssen neue Ansätze für Maßnahmen auf individueller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene gefunden werden. Unter der Fragestellung "Wo findet die Innovation im Bereich Mobilität heute statt?" hat das Umweltbundesamt zusammen mit der OECD zu einem zweitägigen internationalen Workshop in das Umweltbundesamt eingeladen. Diskutiert werden Möglichkeiten und Grenzen neuer Formen der Mobilität im Personen- und Güterverkehr sowie technische Neuerungen beim Straßen-, Schienen- und Luftverkehr.

Der Workshop findet im Rahmen eines von der OECD im Jahr 1994 ins Leben gerufenen Projektes mit dem Titel "Dauerhaft umweltgerechter Verkehr (Environmentally Sustainable Transport, EST)" statt. Acht Länder, unter anderen auch Deutschland, beteiligen sich - in Form verschiedener Fallstudien - an diesem Projekt. Ausgehend von zuvor festgelegten Kriterien für einen umweltgerechten nachhaltigen Verkehr (EST Kriterien) im Jahr 2030 werden in den Fallstudien unterschiedliche Wege beschrieben, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Ein Verkehrssystem wird als dauerhaft umweltgerecht angesehen, wenn der Verkehr die menschliche Gesundheit oder die Ökosysteme nicht gefährdet. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid im Verkehr auf ein Fünftel des heutigen Wertes, die Emissionen von Stickstoffoxiden und Kohlenwasserstoffen auf ein Zehntel und die Emissionen der krebserzeugenden Partikel sogar auf ein Hundertstel zurückgehen müssen.

Die Anforderungen an ein künftiges Verkehrssystem bestehen darin, die notwendigen Verkehrsleistungen für Personen- und Güterverkehr auf eine dauerhaft umweltverträgliche, sozial akzeptable und wirtschaftlich tragbare Weise zu erbringen. Voraussetzung ist es, die ökologischen Grenzen zu berücksichtigen und vermeidbare Belastungen auf ein Minimum zu reduzieren. Einig sind sich Fachleute darin, das eine verbesserte Technik allein nicht ausreichen wird, solange der Verkehr weiter wächst wie bisher. Einen motorisierten Straßenverkehr in heutigem Ausmaß, der mit mehr als 80% an den gesamten Schadstoffemissionen des Verkehrs in den OECD Staaten beteiligt ist, kann es unter den Bedin-gungen einer nachhaltigen Entwicklung nicht geben. Verlagerungen auf umwelt-verträglichere Verkehrsträger, wie die Schiene, sind notwendig. Aber auch ganz neue Formen der Mobilität müssen gefunden werden.

Unter der Fragestellung "Wo findet die Innovation im Bereich Mobilität heute statt?" hat das Umweltbundesamt zusammen mit der OECD im Rahmen des Projektes "Dauerhaft umweltgerechter Verkehr" zu einem zweitägigen Workshop eingeladen. Vorgestellt und diskutiert werden folgende Beispiele zum Personen- und Güterverkehr:
· Mobilitätsdienste ersetzen das eigene Auto - Car-Sharing-Modelle, Mobilitätsberatung

· Mobilität im Alltag - Leben ohne Auto
· Verkehrssparsame Güterverteilung - Organisation und Logistik, Regionale Wirtschaftskreisläufe
· Verlagerung größerer Teile des Güterverkehrs auf die Bahn
· Technische Neuerungen bei Pkw, Lkw, Schiene und Luftverkehr
Der Workshop soll zeigen, welche Lösungen des Verkehrsproblems bereits gefunden worden sind, unter welchen Bedingungen und in welchem Maßstab sie umgesetzt werden können und wie viel sie jeweils zur Entlastung der Umwelt beitragen. Deutlich werden soll aber auch, wie groß die Anstrengung darüber hinaus noch sein muss, wenn tatsächlich die Ziele der nachhaltigen Mobilität erreicht werden sollen.

Berlin, den 28.09.1999
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