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Prof. Müller-Warmuth wird 70

28.09.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Werner Müller-Warmuth, ehemaliger Rektor und emeritierter Direktor des Instituts für Physikalische Chemie der Universität Münster, wird am 1. Oktober 70 Jahre alt.

Prof. Dr. Werner Müller-Warmuth, ehemaliger Direktor des Instituts für Physikalische Chemie und früherer Rektor der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster, vollendet am 1. Oktober 1999 sein 70. Lebensjahr.

Werner Müller-Warmuth, der aus Hamburg stammt, studierte in den ersten Nachkriegsjahren Physik und Chemie an der Universität Frankfurt, wo er 1955 promoviert wurde. Während der folgenden zehnjährigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz habilitierte er sich 1961 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Mainz. 1965 ging er als Abteilungsleiter an das Gemeinsame Forschungszentrum der Europäischen Gemeinschaft (Euratom) nach Ispra in Italien. 1973 folgte Prof. Müller-Warmuth dem Ruf auf einen Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo er zum Direktor des Instituts für Physikalische Chemie ernannt wurde.

Über die gesamte Dauer seines Wirkens als Forscher und Lehrer erfreute sich Prof. Müller-Warmuth bei Studierenden, Mitarbeitern und Kollegen großer Beliebtheit. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Aufklärung atomarer und molekularer Bewegungsformen in kondensierter Materie. So entwickelte er neue und vielseitige Verfahren der magnetischen Resonanzspektroskopie, um zwischenmolekulare Wechselwirkungen und Bewegungsformen in ganz unterschiedlichen Materialien aufzuklären. Im letzten Jahrzehnt seiner Tätigkeit vertiefte Prof. Müller-Warmuth insbesondere seine Aktivität auf dem Gebiet der Struktur und Dynamik ungeordneter Festkörper, vor allem von Einlagerungsverbindungen und Gläsern, die mit modernen, hochauflösenden spektroskopischen Methoden untersucht wurden. Darüber hinaus galt sein Interesse den Weiterentwicklungen des nichtinvasiven NMR-Verfahrens zur Bildgebung in der klinischen Medizin und der in-vitro-Spektroskopie.

Über 100 Diplomarbeiten und etwa 90 Dissertationen wurden von ihm betreut und zeugen von seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit, die in etwa 220 Publikationen ihren Ausdruck gefunden hat. Seine besondere Gabe, komplexe Zusammenhänge klar und interessant darzustellen, aber auch seine Fähigkeit, Begeisterung für die Physikalische Chemie zu entfachen, hat bei Generationen von Studierenden außerordentliche Resonanz gefunden. Nicht wenige seiner Schüler haben eine Karriere in Forschung und Lehre innerhalb des Hochschulbereichs eingeschlagen.

In der Amtsperiode von 1978 bis 1982 war Prof. Müller-Warmuth Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität. In dieser Zeit feierte die Universität im April 1980 ihr 200jähriges Bestehen, die naturwissenschaftliche Institutsgruppe I, die Mensa II und wesentliche Teile des neuen Zentralklinikums wurden eingeweiht, und die Abteilung Münster der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe wurde in die Universität integriert. Die Landesrektorenkonferenz (LRK) von Nordrhein-Westfalen wählte ihn 1981 und 1982 zu ihrem Vorsitzenden.

Neben seinem Einsatz für die Universität stellte sich Prof. Müller-Warmuth auch auf überregionaler Ebene immer wieder für verantwortungsvolle Positionen zur Verfügung: Unter anderem war er Mitglied und Vorsitzender des Apparateausschusses der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und von 1983 bis 1993 Mitglied des Wissenschaftlich-Technischen Ausschusses des Aufsichtsrats des Forschungszentrums Jülich. Zusätzlich zu seiner Mitgliedschaft im Internationalen Fachbeirat des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz erwarb er sich besondere Verdienste durch seinen aktiven Einsatz bei der personellen Erneuerung der Universität Leipzig. Für die DFG fungierte er weiterhin regelmäßig als Gutachter, und auch die Landesregierung weiß seine Dienste als Mitglied des Beraterausschusses "Verleihung des Titels Professor" zu schätzen.

Ein besonderes Anliegen war dem Wissenschaftler Müller-Warmuth stets die internationale Verständigung und Zusammenarbeit. Von 1962 bis 1965 war er Berater der türkischen Regierung und Gastprofessor an der Universität Ankara, 1976 engagierte er sich beim Aufbau der Forschung an der Nationalen Universität Bogota (Kolumbien), 1980 wurde ihm von der Universidad de Lima (Peru) der Ehrenprofessor-Titel verliehen. Hinzu kamen Forschungsaufenthalte in Grenoble (1959), an der Rutgers Universität/USA (1983) und 1989 in Mansoura/Ägypten. Noch nach seiner Emeritierung wirkte er 1997/98 als Berater der Europäischen Union bei der Ausstattung der Palästinischen Universitäten mit, und nach wie vor finden unter seiner Regie im jährlichen Turnus die von ihm eingerichteten Austauschbesuche zwischen Studierenden und Doktoranden der Universität Münster und der Universität Krakow (Polen) statt.

Auch heute ist Prof. Müller-Warmuth noch regelmäßig an seiner alten Wirkungsstätte anzutreffen. Zu seinen Ehren richtet das Institut für Physikalische Chemie am Freitag, 8. Oktober 1999, ein Festkolloquium aus.

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