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Im Blickpunkt die Biotechnologie

29.09.1999 - (idw) Universität Ulm

Im Blickpunkt die Biotechnologie
Die Universität Ulm auf der BioTechnica

10.000 Gäste aus aller Welt erwarten die Veranstalter der BioTechnica, Europas wichtigster internationaler Messe für Biotechnologie, die vom 5. bis 10. Oktober 1999 in Hannover stattfindet. Mit mehr als 600 Ausstellern aus 25 Ländern bietet die markt- und praxisorientierte Veranstaltung eine Fülle an Informationen. Vertreten sind alle relevanten Wirtschaftsbereiche: Landwirtschaft, chemische und pharmazeutische sowie Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Laborausrüster sowie Forschungsinstitute und Hochschulen. Existenzgründer können in einer Beratungs- und Austauschbörse alles über Start-Ups, Beteiligungen, Übernahmen, Finanzierungsfragen etc. erfahren.

15 der 16 Bundesländer beteiligen sich inklusive sämtlicher Bio-Regionen an der BioTechnica. Daneben werden Exponate aus Frankreich, Portugal, Schottland, Spanien, Ungarn, den Niederlanden, der Schweiz, Australien und den USA zu sehen sein. Als Aussteller auf einem Gemeinschaftsstand agieren die baden-württembergischen Universitäten Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Stuttgart und Ulm. Aus der Universität Ulm sowie ihrem Umfeld kommt der Hauptanteil der Exponate dieses Kollektivstandes.

Oligonucleotidbibliotheken

Die Ulmer Sektion Polymere (Kontaktpartner Dr. Michael Hinz) zeigt Material für Biosynthesen, etwa zur Erzeugung biologisch abbaubarer Polyesterurethane mit variablen physikalischen Eigenschaften. Für die Herstellung von Oligonucleotidbibliotheken, einem "Nachschlagewerk" unter anderem für diagnostische Zwecke (beispielsweise zur Identifikation von Punktmutationen bei der Krebsentstehung) oder pharmazeutische Anwendungen haben die Ulmer Wissenschaftler ein spezielles Trägermaterial mit besonders hoher Tragfähigkeit entwickelt.

Messen mit Ultraschall

Um den Heilungsverlauf von Knochenbrüchen im Bereich der Beine möglichst exakt zu verfolgen, bedient sich der Arzt gern computertomographischer Meßmethoden. Zwar exakt und zuverlässig, sind diese Verfahren allerdings sehr bewegungsempfindlich und aus Gründen der Strahlenbelastung für Screeninguntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen nicht geeignet. Durch Kombination eines herkömmlichen Ultraschallgeräts mit einem Ultraschallortungssystem haben Dr. Peter Keppler und sein Team in der Abteilung Unfallchirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Universität Ulm nun einen Meßaufbau konstruiert, der eine strahlungsfreie, bewegungsunempfindliche und lagerungsunabhängige Bestimmung der Ober- und Unterschenkellängen sowie der Torsionen (Verwindungen) des Ober- und Unterschenkels ermöglicht.

Zur sonographischen Bestimmung von Torsionen und Längen dient ein Ultraschallgerät des Typs Sonoline SI 400 (Siemens), gekoppelt an das dreidimensionale Ultraschallmeßsystem ZEBRIS CMS 50/6. Acht definierte Ultraschalldarstellungen an Hüft-, Knie- und Sprunggelenk werden durchgeführt, die dazugehörigen Positionskoordinaten simultan mit der Bildspeicherung der Ultraschallbilder in einem PC abgespeichert. Mit einer speziell entwickelten Software kann die Torsion und Länge von Ober- und Unterschenkel sowie des gesamten Beines schnell und einfach bestimmt werden. Die direkte Orientierung der Bezugsebenen am Knochen macht die Messung unabhängig von der Patientenlagerung und unempfindlich gegen Bewegungen des Patienten zwischen den einzelnen Messungen, der Verzicht auf strahlungsaktive Substanzen erlaubt ihren routinemäßigen Einsatz namentlich zur Qualitätskontrolle nach Operationen.

Synthetische Diamantskalpelle

Die Gesellschaft für Diamantprodukte mbH (GFD) mit ihren Gründern Dr. André Flöter, Mitarbeiter des DaimlerChrysler-Forschungszentrums Ulm, und Dr. Peter Gluche aus der Abteilung Elektronische Bauelemente und Schaltungen der Universität, ist aus einer fulminanten Idee hervorgegangen: chirurgische Skalpelle aus Kunstdiamant herzustellen. Künstlicher Diamant kostet nicht nur weniger als sein natürlicher Bruder, er läßt sich vor allem beliebig formen, ist lichtdicht und muß nicht geschliffen werden. Denn er wird gewachsen, das bedeutet: mittels Plasma-CVD-Verfahren durch atomare Abscheidung auf einem Substrat hergestellt. Dank eines neuen und inzwischen patentierten Verfahrens, Plasmapolierprozeß genannt, lassen sich Klingen aller Formen und Größen erzeugen. Die minimale Stärke beträgt 0,05 mm, ein Maß, das noch den Durchmesser eines menschlichen Haares unterschreitet. Bisher unvorstellbare Schärfe charakterisiert die Schneiden der Klingen, die praktisch atomar auslaufen können.

In der Mikrochirurgie sowie in der Neuro- und Augenchirurgie haben die Diamantskalpelle ihr vorrangiges Einsatzgebiet. Die beiden Jungunternehmer, Bundessieger im Existenzgründerwettbewerb "Start Up" 1999, stehen in ständigem Kontakt mit den Anwendern ihres Erfolgsprodukts, um die Klingen optimal auf die jeweiligen chirurgischen Anforderungen abzustimmen.

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