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Mit HERON effizient durch digitale Bildarchive

07.10.1999 - (idw) Universität Augsburg

"Heraldry Online" integriert modernste Datenbanktechnologie mit geisteswissenschaftlicher Aufbereitung historischen Bildmaterials - Prototyp auf der SYSTEMS '99

In digitalen Bibliotheken oder Bildarchiven bestimmte Bilder auffinden zu können, ohne über detaillierte Informationen zur Thematik, zur Ikonographie oder zu den abgebildeten Gegenständen dieser Bilder zu verfügen - dies ist das Ziel des interdisziplinären HERON-Projekts. Vorgestellt wird dieses Projekt des Augsburger Lehrstuhls für Praktische Informatik (Prof. Dr. Werner Kießling) auf der SYSTEMS '99 (Halle A5.143/242), die vom 18. bis zum 22. Oktober in München stattfindet. Die mit dem HERON-System verbundenen technologischen Neuerungen sind insbesondere für Technologietransfer- und Vermarktungspartner von Interesse, die HERON-Anwendungen besonders für Experten- und Hobbynutzer aus den Geistes- und Kulturwissenschaften sowie für Fachleute aus dem Bibliothekswesen.

HERON - Getting the picture right

HERON steht für "Heraldry Online" und verweist darauf, dass sich das Projekt hinsichtlich seiner praktischen Anwendung zunächst auf die Heraldik, die Wappenkunde also, konzentriert, um später in weite Bereiche der kulturwissenschaftlichen Anwendung hinein und darüber hinaus ausgedehnt zu werden. Modernste Datenbanktechnologie wird hier mit fundierter geisteswissenschaftlicher Aufbereitung von historischem Bildmaterial zusammengeführt. HERON wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG seit 1998 im Forschungsschwerpunkt "Verteilte Verarbeitung und Vermittlung digitaler Dokumente" gefördert.

Das HERON-System

Der erstmals auf der SYSTEMS'99 vorgestellte HERON-Prototyp beinhaltet eine innovative Middleware für Multimedia-Recherchen in sehr großen Bildarchiven und Digitalen Bibliotheken. Die Middleware setzt auf Industriestandards wie IBM DB2 Universal Database mit Image- und Volltext-Extendern, JDBC und Java auf. Komplexe Recherchen können sowohl bild-inhaltliche Suchanfragen nach Farbverteilungen, Texturen und Formen, als auch konventionelle Volltextanteile mit Thesauri enthalten. Diese Multimedia-Queries werden in Teilanfragen zerlegt, und alle Ergebnisse nach einem neuen, zur Patentierung vorgesehenen Verfahren effizient kombiniert. Will man eine globale Verfügbarkeit der Bilddaten über das Internet ermöglichen, gilt es insbesondere der Heterogenität verfügbarer Web-Browser, Netzanbindungen und Benutzerprofile Rechnung zu tragen. Eine neuartiges Optimierungsverfahren befasst sich mit der kostenoptimalen Speicherung von diversen Bildformaten im Datenbankserver und der schnellen Auslieferung der gefundenen Bilder in gewünschten Qualitätsstufen an Internet-Clients. Für die Digitalisierung des Bildbestands wurden erfolgversprechende Verfahren zur (semi-)automatischen Bildsegmentierung als Voraussetzung für eine erfolgreiche Formerkennung entwickelt.

Zielgruppe für die mit dem HERON-System verbundenen technologischen Neuerungen sind insbesondere Technologietransfer- und Vermarktungspartner.

Die HERON-Anwendung

Als erstes Anwendungsgebiet wurde die Heraldik gewählt. Die in mittelalterlichen Wappen enthaltenen stilisierten Abbildungen erlauben zwar die Einigung auf ein festes Bildvokabular, doch die exakte Terminologie der Heraldik ist nur wenigen Spezialisten geläufig. Gleichwohl wird sie von vielen Wissenschaftlern und Laien im Rahmen allgemeiner historischer Fragestellungen benötigt. Die Verfügbarkeit einfacher visueller Suchmöglichkeiten wird den Recherche-Aufwand erheblich reduzieren: War bislang die Bestimmung eines Wappens mit Hilfe vielbändiger Nachschlagewerke (z. B. Siebmacher: ca. 150.000 Wappen in über 100 Einzelbänden) ein extrem zeitaufwendiges Unterfangen, so kann diese in Zukunft selbst ohne informatisches oder historisches Fachwissen effizient am Computer durchgeführt werden. Query by Visual Example ermöglicht bequeme Anfragen wie: "Suche alle Wappenbilder, die diesem Wappen ähnlich sehen!". Glaubt der Anfrager auf seinem Wappen einen Löwen zu erkennen, so kann er dies unterstützend eingeben und so das Rechercheergebnis noch verbessern.

Für die Digitalisierung wurden Standardwerke wie Siebmachers großes Wappenbuch und Werke aus der historischen Oettingen-Wallerstein-Beständen der Universitätsbibliothek Augsburg ausgewählt. Erstmals können so historische Sammlungen von Wappen oder Emblemen ohne konservatorische Bedenken einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Durch die Einbindung in das WWW lassen sich zudem virtuelle, über mehrere Bibliotheken verteilte Corpora oder Fachbibliotheken aufbauen.

Zielgruppe der HERON-Anwendung sind insbesondere Experten- wie Hobbynutzer aus den Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Fachleute des Bibliothekswesens.

Kontakt und weitere Informationen:

Universität Augsburg

Lehrstuhl für Praktische Informatik
86135 Augsburg
* Prof. Dr. Werner Kießling, Tel. 0821/598-2134, kiessling@informatik.uni-augsburg.de
* Dipl.-Math. Wolf-Tilo Balke, Tel. 0821/598-2162, balke@informatik.uni-augsburg.de

Universitätsbibliothek Augsburg
86135 Augsburg
* Bibl.-Rätin Katharina Urch, Tel. 0821/598-5367, katharina.urch@bibliothek.uni-augsburg.de
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