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Siegfried Grosse 75 - 35 Jahre Bochumer Germanistik

14.10.1999 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Anlässlich seines 75. Geburtstags lädt die Fakultät für Philologie ein zu einer Festveranstaltung, die seinen Namen im Titel trägt: "Prof. Dr. Dres. h.c. Siegfried Grosse - 35 Jahre Germanistik in Bochum".

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Bochum, 14.10.1999
Nr. 233

Seit 10 Jahren im "Unruhestand"
Einer der besten Kenner der Ruhrgebietssprache
Prof. Grosse - ein Mann der Gründergeneration - wird 75


,,Der letzte Satz", so der Titel seiner Abschiedsvorlesung im Februar 1990 anlässlich der Emeritierung, war kaum ausgesprochen, schon stürzte er sich in neue Aufgaben, darunter natürlich die Aufbauhilfe für Hochschulen in den neuen Ländern nach der deutschen Vereinigung - und blieb aktiv bis auf den heutigen Tag. Am kommenden Freitag, dem 25. November 1999 wird er 75. Aus diesem Anlass lädt die Fakultät für Philologie ein zu einer Festveranstaltung, die seinen Namen im Titel trägt: "Prof. Dr. Dres. h.c. Siegfried Grosse - 35 Jahre Germanistik in Bochum".

Programmfolge

Nach Grußworten von Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans (Germanistisches Institut), Prof. Dr. Manfred Beyer (Dekan der Fakultät für Philologie) und Rektor Prof. Dr. Dietmar Petzina werden junge Germanisten aktuelle Projekte unter der Moderation der Grosse-Schüler Prof. Dr. Heinz Menge (Bochum) und Prof. Dr. Sigurd Wichter (Göttingen). Die Medien sind herzlich willkommen.

Aufbauhilfe in den neuen Ländern und in Ost- und Mitteleuropa

Ruhig ist es gerade nicht gewesen bei Prof. Grosse in den letzten zehn Jahren: Als Präsident des Instituts für deutsche Sprache (1987 bis 1993) betrieb er die Integration von Mitarbeitern des ehemaligen "Zentralinstituts für Sprachwissenschaft an der Akademie der Wissenschaften der DDR", er wirkte mit als Gutachter in den neuen Ländern - und erhielt den Ehrendoktortitel der Universität Leipzig. Ehrendoktor wurde er auch in Hermannstadt (Rumänien), wo er sich intensiv um die Förderung des "Siebenbürgischen Wörterbuchs" einsetzte. Darüber hinaus war er als Gutachter des DAAD in mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas tätig.

Bis vor kurzem noch hinterm Pult

Doch auch im Inland war sein Rat gefragt; so z.B. als Mitglied der Evaluationskommission in Niedersachsen, als Herausgeber der Zeitschrift "Deutsche Sprache" und der traditionsreichen Reihe "Sammlung kurzer Grammatiken deutscher Dialekte". Sein Wirken ist damit noch nicht erschöpft: Mit zahlreichen eigenen Publikationen, der Betreuung von Magister- und Doktoranden, als Mitglied in dem Institut für Deutschlandforschung der RUB und in ZEFIR (Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung, RUB) und bis vor einem Jahr auch noch als Lehrender im Germanistischen Institut der RUB engagierte sich Prof. Grosse auch in der RUB.

Am Aufbau der RUB mitgewirkt

Prof. Dr. Grosse hat in 35 Jahren seit der Gründung der RUB hier nicht nur als Wissenschaftler und akademischer Lehrer unermüdlich gewirkt, er hat auch in wichtigen Ämtern so etwa als Prorektor und Rektor zur Schaffung des Vertrauens in die damals neue Universität erheblich beigetragen. Nicht zuletzt ihm, einem Mann der Gründergeneration, der den Aufbau der Germanistischen Mediävistik und der Germanistischen Sprachwissenschaft geleitet hat, verdankt die Bochumer Germanistik ihr Ansehen in Europa und Übersee. Speziell im Ruhrgebiet ist Prof. Grosse bekannt geworden durch seine Arbeiten zur gesprochenen Sprache dieser Region als eigenständigem Dialekt. Die Bevölkerung Bochums kennt Prof. Grosse u.a. als Vorsitzenden der Literarischen Gesellschaft Bochum (1974-88) und damit als Intensiven Vermittler von Kultur und Literatur.

In Kommissionen und wissenschaftlichen Beiräten

Kennzeichen für das Wirken von Prof. Grosse ist, dass er durch seine wissenschaftlichen Interessen niemals der Gefahr erlag, sich in den ,,Elfenbeinturm" einer akademischen Disziplin zurückzuziehen. So hat er das Wissenschaftliche Sekretariat für die Studienreform im Lande NRW (1974 bis 1979) geleitet. Daran schloß sich ab 1980 unter seinem Vorsitz die länderübergreifende Studienkommission Sprach- und Literaturwissenschaften an. Nicht zuletzt wegen seiner sprachwissenschaftlichen Arbeiten wurde Prof. Grosse 1981 in eine Kommission des Landes NRW zur sprachlichen Vereinfachung von Gesetzes- und Verwaltungstexten berufen. Des weiteren war Prof. Grosse Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), für den Deutschen Akademischen Austauschdienst und die Alexander von Humboldt-Stiftung. Bereits 1964 wurde er Mitglied des Wissenschaftlichen Rates des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. 1981 wurde Prof. Grosse für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Rektor der RUB

In den 35 Jahren seit der Eröffnung der Ruhr-Universität hat Prof. Grosse lange an exponierter Position für das Wohl der RUB gewirkt. Bereits 1966 wurde er Dekan der Fakultät für Philologie, und in den für die Hochschulen allgemein unruhigen Jahren von 1969 bis 1972 übernahm er das Prorektorat für Lehre. In seiner Zeit als Rektor der Ruhr-Universität (1972 und 1973) wurden die G-Gebäude, das MA-Gebäude, das Hörsaalzentrum Ost (HZO) bezogen sowie die Mensa II und der über Bochum hinaus bekannte und beliebte Botanische Garten fertiggestellt. Außerdem hat Prof. Grosse als Geschäftsführender Direktor das Musische Zentrum in der Zeit der Bauplanung geleitet und es 1984 seiner Bestimmung mit übergeben können.

Weit gespannte Forschungsinteressen

Prof. Grosse ist ein Akademiker, der zahllose Studenten, Doktoranden und Habilitatanden betreut hat. Seine Forschungsgebiete sind weit gespannt und umfassen z.B. sowohl die deutsche Literatur des Mittelalters als auch die deutsche Sprachwissenschaft.

Biographisches

Siegfried Grosse, am 22. Oktober 1924 in Grimma (Sachsen) geboren, studierte nach dem Kriegsdienst und der Rückkehr aus kanadischer Kriegsgefangenschaft von 1947 bis 1952 Deutsch, Englisch, Latein und Philosophie in Freiburg (Br.). 1952 wurde er dort mit einer Arbeit über den ,,Gedanken des Erbarmens in der deutschen Dichtung des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts" promoviert. Nach dem Referendar- (1953) und dem Assessorenexamen (1955) arbeitete Grosse als Assistent am deutschen Volksliedarchiv in Freiburg (bis 1957) und als Wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Maurer in Freiburg (bis 1962). Mit der Habilitationsschrift ,,Die Satzverknüpfungen in der mittelhochdeutschen Dichtung" erhielt Grosse die venia legendi für das Fach ,,Germanische Philologie" (1963). Nach einer kurzen Zelt als Privatdozent in Freiburg und Saarbrücken berief ihn die neu gegründete Ruhr-Universität Bochum noch vor der Eröffnung des Lehrbetriebs zum ordentlichen Professor. Hier hat er das Germanistische Institut mit aufgebaut und durch seine zahlreichen internationalen Beziehungen zu dessen Ansehen beigetragen. So führten Vortragseinladungen Prof. Grosse in mehr als 20 Länder. 1968 war er Gastprofessor in Australien und Neuseeland: weitere Gastprofessuren nahm er an der Nehru-Universität (New Delhi/Indien), der Todai-Universität (Tokyo/Japan) und der Tongji-Universität (Shanghai/VR China) wahr. Von dieser wurde er 1986 für seine Verdienste um den Aufbau der Partnerschaft mit der RUB zum Honorarprofessor ernannt.

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