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Extrakt aus Moosen wirkt als Pflanzenschutzmittel

22.10.1999 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Biologen der Universität Bonn konnten nun erstmals in praktischen Versuchen nachweisen, daß Auszüge aus Moosen eine pilzabtötende Wirkung haben. Dazu wurden größere Mengen einheimischer Moosarten extrahiert und die Flüssigkeit auf Paprika-, Tomaten- und Weizenpflanzen gespritzt, die zuvor mit Schadpilzen infiziert worden waren. Dabei zeigte sich, daß die Extrakte aller verwendeten Moose pilztötende Wirkung haben, die mancher Arten schon in geringsten Konzentrationen von 0,05%.

Prof. Dr. Jan-Peter Frahm vom Botanischen Institut der Universität Bonn und Prof. Dr. Heinz-Wilhelm Dehne vom Institut für Pflanzenkrankheiten gelang der Nachweis der pilzabtötenden Wirkung der Moosextrakte in mehreren Testreihen. Sie waren von der Wirkung der Moosextrakte selbst ein wenig überrascht und bestätigen, daß die Wirkung einiger dieser Lösungen durchaus besser war als die von käuflichen Spritzmitteln. Zur Zeit wird in Zusammenarbeit mit dem Phytochemiker Prof. Dr. Hans Becker von der Universität des Saarlandes an der Klärung der Frage gearbeitet, welche Stoffe aus den Extrakten diese pilztötende Wirkung haben.

Moose sind unscheinbare, kleine Pflanzen, die von vielen Menschen kaum wahrgenommen werden. Aber trotz ihres einfachen Baus und ihrer geringen Größe haben sie sich im Verlauf der Erdgeschichte über mehr als 350 Millionen Jahre gegen die Konkurrenz anderer Pflanzen behaupten können. Einer der Gründe dafür ist, daß sie biologisch aktive Substanzen enthalten, mit denen sie sich gegen mögliche Feinde wie Insekten, Schnecken, Pilze oder Bakterien wehren können. So ist seit langem bekannt, daß Moose nicht von Tieren gefressen werden. Desgleichen werden auf dem Waldboden wachsende Moose nicht von Pilzen und Bakterien befallen, die dort alles Pflanzenmaterial zersetzen, obgleich Moose nicht wie Blütenpflanzen durch dicke Schutzgewebe gegen Pilzbefall geschützt sind.

Die biozide, fungizide und bakterizide Wirkung der Moose beruht auf chemischen Verbindungen, die in den Zellwänden produziert werden. Diese Wirkung gegen pflanzenschädigende Pilze wurde bislang nur in Labortests an Pilzkulturen nachgewiesen.

Bei den aus Moosen isolierten Wirkstoffen handelt es sich um Naturstoffe, die im Gegensatz zu den heute käuflichen pilztötenden Mitteln leicht abbaubar und umweltverträglich sind. Eine größere Bedeutung könnte diese Entdeckung in den Tropen haben. Die dort in den Regenwäldern reichlich wachsenden Moose könnten von einheimischen Landwirten auf einfache Weise extrahiert und die verdünnten Extrakte gegen Pilzbefall tropischer Kulturpflanzen gespritzt werden. Auf diese Weise könnten finanzschwache tropische Kleinbauern die Ressourcen ihrer Heimat nutzen und sich vom Kauf importierter Chemie- Produkte unabhängig machen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jan-Peter Frahm, Botanisches Institut, Meckenheimer Allee 170, 53115 Bonn, Tel. 0228/732121, Fax 0228/73 3120, e-mail: frahm@uni-bonn.de
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