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Spezialisierung war ihm fremd

26.10.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Edgar Mertner, ehemaliger Direktor des Englischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster von 1951 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1976, verstarb am 19. Oktober 1999 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren.

Edgar Mertner wurde in Gurten, in der damals preußischen Provinz Posen, geboren. Nach dem Studium der Neueren Sprachen, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Marburg, Breslau, Berlin und Halle wurde er 1930 zum Dr. phil. promoviert und legte anschließend in den Fächern Englisch, Deutsch und Philosophie das Referendar- und Assessorexamen ab. 1934 ging er als Lektor für Deutsch an die University of Wales, wo er den Grad eines M.A. erwarb. 1937 kehrte Mertner nach Deutschland zurück und habilitierte sich im gleichen Jahr an der Universität Halle für das Fach Englische Philologie mit einer Arbeit über den spätviktorianischen Erzähler Rudyard Kipling.

Während des Krieges war Mertner Dozent für Englische Philologie an der Universität Greifswald, Mitarbeiter im Auswärtigen Amt in Berlin und Soldat. Nach dem Krieg wurde er zunächst Dozent und außerplanmäßiger Professor in Kiel und folgte im Jahre 1951 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Englische Philologie an der Universität Münster. Prof. Mertner blieb Münster bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1976 treu. Der Aufbau des Englischen Seminars zu einer national wie international geachteten Forschungs- und Ausbildungsstätte ist zu wesentlichen Teilen seine Leistung.

Das wissenschaftliche Werk Edgar Mertners zeigt eine große Spannweite. Die Beschreibung literarischer Gattungen ind Formen war dabei stets sein besonderes Anliegen. Die gemeinsam mit seinem Freund Ewald Standop verfasste "Englische Literaturgeschichte" von 1967, die mehrfach neu aufgelegt wurde, zählt noch heute zur Standardausrüstung eines jeden Anglistik-Studenten. Auch seine große Arbeit über Topos und Commonplace aus dem Jahre 1956 wurde mehrfach nachgedruckt. Prof. Mertner war bis unmittelbar vor seinem Tode wissenschaftlich aktiv. In den letzten Jahren kümmerte er sich nach Kräften um den Aufbau des Ehrenpreis-Instituts für Swift-Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Seine jüngsten Forschungsarbeiten galten dem Werk Jonathan Swifts und seiner Rezeption in Deutschland.

Neben der Fachwissenschaft hat Prof. Mertner sich stets für die Probleme von Ausbildung und Fortbildung engagiert. Seine größte Leistung lag darin, sein Fach in ganzer Breite zu vertreten. Mertner hat sich dem Trend zur Spezialisierung mit Nachdruck weitgehend entzogen. Die Zahl seiner Doktoranden und Habilitanden sucht in Deutschland ihresgleichen. Nicht zuletzt diente Prof. Mertner seiner Universität in verschiedensten Funktionen, so als Geschäftsführender Direktor des Englischen Seminars, als Dekan des Fachbereichs Anglistik und der Philosophischen Fakultät, als Senator sowie als Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
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