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Universität zu Köln legt Strukturplan vor

28.10.1999 - (idw) Universität zu Köln

184/96/quali.doc
Fächervielfalt bleibt trotz gravierender Einschnitte erhalten
Universität zu Köln legt Strukturplan vor

Köln, den 28. Oktober 1999 - Bis zum Ende des Jahres 2009 werden an der Universität zu Köln 146 von insgesamt ca. 1.800 Stellen des wissenschaftlichen und fachnahen nichtwissenschaftlichen Per-sonals wegfallen. Diese Stellen muß die Universität auf Veranlas-sung der Landesregierung im Rahmen des sogenannten "Qualitätspak-tes" abgeben; 16 weitere Stellen werden einem universitätsinter-nen Stellenpool beim Rektorat zugeführt. "Dennoch bleibt trotz der gravierenden Einschnitte die an der Universität zu Köln tra-ditionell vorhandene Fächervielfalt erhalten" - so Rektor der Universität zu Köln, Professor Dr. Jens Peter Meincke, in einer Stellungnahme. Der vom Rektorat der Universität zu Köln zusammen mit den Fakultäten entwickelte Strukturplan sowie die im Rahmen des "Qualitätspaktes" vorgesehenen Stelleneinsparungen wurden auf der gestrigen Senatssitzung beraten.

Damit werden in den nächsten zehn Jahren an der Universität zu Köln, die seit vielen Jahren die höchste Überlast an den deut-schen Hochschulen trägt, mehr als acht Prozent des wissenschaft-lichen und des nichtwissenschaftlichen Personals eingespart. 59 der einzusparenden Stellen fallen bereits bis zum Ende des Jahres 2003 weg; der "Rest" von 87 Stellen wird bis zum Ende des Jahres 2009 abgesetzt.

Am stärksten betroffen von den Kürzungen, bezogen auf den vorhan-denen Stellenbestand, ist die Erziehungswissenschaftliche Fakul-tät. Die Ursache hierfür ist, daß die Landesregierung bereits in den 80er Jahren als Folge der schlechten Berufsaussichten für Lehrer und Lehrerinnen für diese Fakultät eine große Zahl von Um-setzungsvermerken im Haushalt des Landes ausgebracht hatte. Nach Abzug von Stellen mit Umsetzungsvermerken verblieb auf der Ebene der Gesamtuniversität eine Kürzungsmasse von 71 Stellen, die un-ter Berücksichtigung der bisherigen Stellenausstattung den Fakul-täten als Orientierungszahl für die Stellenabgabe seitens des Rektorats zugeordnet worden ist. Fast 40 aller eingesparten Stel-len entfallen allein auf die Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Betroffen sind auch die Zentralen Einrichtungen wie die Universitätsbibliothek und das Rechenzentrum. Bei den im Zusam-menhang mit dem "Qualitätspakt" angeordneten Stellenkürzungen hat das Rektorat den Fakultäten die Möglichkeit geboten, innerhalb ihres Bereiches Prioritäten zu setzen. Betroffen von den Kürzun-gen sind alle Fakultäten außer der Medizinischen Fakultät.

Mit dem jetzt vorgelegten Strukturplan und mit ihrer Reaktion auf die im Rahmen des "Qualitätspaktes" vorgesehenen Stelleneinspa-rungen verfolgt die Universität zu Köln das Ziel, die Fächerviel-falt zu erhalten. Allerdings wird dies nicht ohne einschneidende Veränderungen in einigen Bereichen zu bewerkstelligen sein. Bei einer Vielzahl von Fächern wird eine deutliche Verschlechterung der Bedingungen für Lehre und Forschung eintreten, wobei es aber nach Auffassung des Rektorats trotzdem geboten ist, die Fächer in Köln fortzuführen. Um den Verlust von Wissenschaftlerstellen so weit wie möglich zu begrenzen, wurden für die Stellenabgabe häu-fig auch Stellen des fachnahen nichtwissenschaftlichen Dienstes und des Bibliotheksdienstes benannt, was allerdings zu schmerz-haften Einbußen bei den Unterstützungsfunktionen für den Wissen-schaftsbetrieb und beim Service für die Studierenden führen wird. Nur so war es möglich, auf die Schließung ganzer Bereiche zu ver-zichten. Einen starken Einschnitt wird es lediglich im Fach Sla-vistik geben. Während sich Köln künftig auf das Russische, das Polnische und das Slowakische konzentrieren wird, sollen alle an-deren slavischen Philologien - vor allem die südslavischen Spra-chen - demnächst nur noch an der Universität Bonn beheimatet sein

Angesichts der von allen Seiten beschworenen Bedeutung einer in-novationsträchtigen Ausbildung ist in vielen Bereichen der Uni-versität eher ein Ausbau anstelle eines Abbaus erforderlich. Das Rektorat der Universität zu Köln hofft daher, daß die Bedeutung von solch zukunftsträchtigen Studiengängen und aktuellen For-schungsrichtungen, wie sie zum Beispiel mit dem Aufbau des in Köln geplanten Biowissenschaftlichen Zentrum verbunden sind, vom Expertenrat der Landesregierung erkannt und daß die immer als vorläufig dargestellte Zahl der Stelleneinsparungen deutlich re-duziert wird.

Das Rektorat der Universität zu Köln befürchtet, daß es aus der Sicht der Landesregierung geradezu ein Ziel sein könnte, die At-traktivität der Universität zu Köln für Studierende zu vermin-dern, um so eine bessere Verteilung der Studienbewerber auf die Hochschulen des Landes zu erreichen und insbesondere eine annä-hernde Auslastung der kleineren Hochschulen zu erzielen. Es wird jedoch bezweifelt, daß ein solches Kalkül aufgeht. Eher ist damit zu rechnen, daß sich die Studierenden für andere attraktive Uni-versitäten außerhalb des Landes oder sogar im Ausland entschei-den. Nach Auffassung des Rektorats der Universität zu Köln kann es nicht im Interesse des Landes Nordrhein-Westfalen liegen, die Universität zu Köln in eine "Schwerpunkt-Universität" zu verwan-deln. Damit würde das besondere "Profil", das zu einer Universi-tät gehört, die gerade durch ihre fachliche Vielfalt und die Vielseitigkeit alle Voraussetzungen für die gegenwärtige und zu-künftig so notwendige disziplinäre Kooperation bietet, zerstört. Interdisziplinäre Forschung und Lehre wird in Zukunft immer mehr auch vor Ort demonstriert und durchgeführt werden müssen.

(118 Zeilen á 60 Anschläge)

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
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