Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 16. April 2014 

Jenaer Geologen nehmen Uranbergbau Wismut ins Visier

05.11.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Neues Laborgerät untersucht Wässer und Gesteine mit hoher Präzision

Jena. (05.11.99) Ein neues Hochleistungsanalyse-Gerät haben Geowissenschaftler der Universität Jena jetzt in Betrieb genommen: Das so genannte induktiv gekoppeltes Plasma-Massenspektrometer mit Laserablation (ICP-MS-LA) dient zur hochpräzisen Untersuchung von Gewässer- und Gesteinsproben und kann selbst Spurenverunreinigungen noch entdecken und ihre Konzentration bestimmen. Das 750.000 Mark teure Gerät, das aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wurde, wird hauptsächlich im Umweltbereich sowie zur Sediment- und Grundwasseranalyse eingesetzt.

Konkret wollen die Professoren Georg Büchel und Reinhard Gaupp im ostthüringischen Gessenbachtal die Talsedimente und die austretenden Flutungswässer aus dem Uranbergbau der Wismut GmbH auf radioaktive Inhaltsstoffe hin prüfen. "Mit dem neuen Gerät können wir schnell und zweifelsfrei selbst geringfügige Schwermetallanteile, zum Beispiel der Uran-Isotope 235 und 238, bestimmen", erläutert Büchels Mitarbeiter Dirk Mer-ten, "die Nachweisgrenze liegt im ppt-Bereich; das heißt: In einer Trillion Teilen Wasser spüren wir noch ein Teil des Uran-Isotops auf."

Gemeinsam mit Biologen, Chemikern und Medizinern planen die Jenaer Geowissenschaftler in einem Großforschungsvorhaben, die veränderten Stoffflüsse und die Folgen des Uranbergbaus für Mensch und Umwelt in Ostthüringen zu untersuchen. Das Projekt soll den tatsächlichen Austrag und Verbleib eines ganzen Sortiments von freigesetzten Schadstoffen feststellen und Vorschläge für die langfristige Renaturierung des Gebiets erarbeiten.

Grundsätzlich können aber fast alle chemischen Elemente mit dem ICP-MS detektiert werden, sofern sie nicht mit dem Edelgas Argon eine Verbindung eingehen. Denn Argon wird benutzt, um in der Probenkammer ein 6.000° C heißes Plasma zu erzeugen, aus dessen elektrischem Ladungsverhältnis dann die massenspektrometrischen Werte für die chemischen Probenbestandteile resultieren. "Für unsere Untersuchungen genügen winzige Gesteinsproben, aus denen eine eingebaute Laserkanone nur einen Mikrometer kleinen Krater heraussprengt", so Merten weiter. "Damit können wir zum Beispiel Bohrkerne aus tiefen Sedimenten sehr fein analysieren und erhalten Hinweise auf Bodenschätze und auf die erdgeschichtliche Entwicklung."

Außerdem befassen sich die beiden Jenaer Geologen und ihre Team nun intensiver mit den globalen Auswirkungen des Tagebaus. "Rund neun Kubikkilometer Steine und Erden werden jedes Jahr weltweit durch den Men-schen abgetragen", rechnen die Wissenschaftler vor, "das ist genauso viel Material, wie Bäche und Flüsse auf natürlichem Wege transportieren." Wie die freigelegten Kohlenstoffe aus den Sediment-Oberflächen mit dem Sauerstoff aus der Luft reagieren und welche Klimafolgen aus dieser CO2-Vermehrung resultieren, ist die zentrale Fragestellung eines umfassenden Forschungsansatzes.

Das neue Plasma-Massenspektrometer wird beim "Tag der Forschung" am Mittwoch, dem 17. November, um 11.30 Uhr und um 14.00 Uhr im Institut für Geowissenschaften der Uni Jena, Burgweg 11, öffentlich vorgeführt.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Georg Büchel
Institut für Geowissenshaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/948640 oder 948621, Fax: 948622
E-Mail: Buechel@geo.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
e-mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de
uniprotokolle > Nachrichten > Jenaer Geologen nehmen Uranbergbau Wismut ins Visier

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/53653/">Jenaer Geologen nehmen Uranbergbau Wismut ins Visier </a>