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Im hohen Alter noch aktiv: RUB-Professorin Ingrid Strohschneider-Kohrs wird 80

23.08.2002 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Ihren 80. Geburtstag feiert am kommenden Montag, 26. August 2002, Prof. em. Dr. Ingrid Strohschneider-Kohrs, die in der Gründungszeit der Ruhr-Universität Bochum 1964 den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte übernahm. Die Spezialistin insbesondere für die Literatur der Aufklärungszeit gehörte damals - neben der legendären Käte Hamburger - zu den ganz wenigen Frauen auf einem germanistischen Lehrstuhl.

Bochum, 23.08.2002
Nr. 237


Selbst im hohen Alter noch aktiv
Ingrid Strohschneider-Kohrs wird 80
Eine der ersten Germanistinnen auf einem Lehrstuhl


Ihren 80. Geburtstag feiert am kommenden Montag, 26. August 2002, Prof. em. Dr. Ingrid Strohschneider-Kohrs, die in der Gründungszeit der Ruhr-Universität Bochum 1964 den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte übernahm. Die Spezialistin insbesondere für die Literatur der Aufklärungszeit gehörte damals - neben der legendären Käte Hamburger - zu den ganz wenigen Frauen auf einem germanistischen Lehrstuhl. Der RUB blieb sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1987 treu. Anschließend übersiedelte sie in die Nähe Münchens, wo sie in der dortigen Ludwig-Maximilians-Universität bis in die Gegenwart weiterhin lehrte. Zuletzt bot sie insbesondere Seminare für Senioren an.

Das Wesen des Tragischen und die romanistische Ironie

Die gebürtige Hamburgerin Ingrid Strohschneider-Kohrs studierte nach dem Abitur 1941 an den Universitäten Hamburg und Tübingen Deutsche Philologie, Philosophie, Geschichte und Geographie. 1948 wurde sie in ihrer Heimatstadt mit einer Dissertation zum "Wesen des Tragischen im Drama Heinrich von Kleists" zum Dr. phil. promoviert. Nach einer wissenschaftlichen Assistenz absolvierte sie 1951 in Münster das Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen. Nach der Referendarzeit erhielt sie ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit dem sie sich 1958 mit der Arbeit "Die romantische Ironie in Theorie und Gestaltung" in München habilitierte. Bis zu ihrem Ruf an die RUB war sie Privatdozentin und vertrat im Winter 1960/61 den überaus einflussreichen Germanisten Benno von Wiese.

Von Lessing bis Kafka

Forschungsschwerpunkte der Bochumer Literaturhistorikerin sind die Aufklärung, insbesondere Lessing, die Goethezeit, vor allem der junge Goethe und der Naturalismus. Besonderes Aufsehen erregten ihre Aufsätze über "Minna von Barnhelm" und Goethes "Clavigo". Als besondere Anerkennung gilt, dass ihre Habilitationsschrift noch kürzlich neu in einer wohlfeilen Ausgabe erschienen ist. Vor wenigen Jahren veröffentlichte sie ihre wichtigsten Aufsätze in einem Sammelband mit dem Titel "Poesie und Reflexion. Aufsätze zur Literatur" (Tübingen 1999). Sie umspannen eine Zeit von Lessing bis Kafka und zeigen die Breite ihrer Forschungstätigkeit. Zeitweise war sie Mitherausgeberin der Bochumer Zeitschrift "Poetica". Außerdem arbeitete sie aktiv in den Gremien der DFG. Zu ihren Studierenden hat Prof. Strohschneider-Kohrs stets ein persönliches Verhältnis angestrebt und mit ihrem Engagement versucht, die "Massenuniversität" erträglicher zu machen.
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