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Hoffnung bei der Bekämpfung von Krebs und Autoimmunerkrankungen

13.11.1999 - (idw) Paul-Ehrlich-Institut (Federal Agency for Sera and Vaccines)

Langener Wissenschaftspreis 1999 an zwei junge Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

Mit dem Langener Wissenschaftspreis 1999 sind am Freitag, dem 12. November, Dr. Anne Vogt (32) und Dr. Harald Kropshofer (37) im Langener Paul-Ehrlich-Institut ausgezeichnet worden.

Anne Vogt und Harald Kropfshofer haben in den vergangenen vier Jahren eine Antwort auf die Frage gefunden, wie das Immunsystem Antigene - also schädliche 'Fremdkörper' - im eigenen Körper erkennt und von nützlichen, ähnlich aufgebauten Eiweissmolekülen unterscheidet. Damit haben sie klinische Perspektiven für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose geschaffen.

Mit dem Langener Wissenschaftspreis 1999 sind am Freitag, dem 12. November, Dr. Anne Vogt (32) und Dr. Harald Kropshofer (37) im Langener Paul-Ehrlich-Institut ausgezeichnet worden. Die mit 20.000 Mark dotierte Auszeichnung überreichte Ministerialdirigent Dr. Erhard Schmidt vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) an das junge Team. Dr. Schmidt ist Leiter der Abteilung 'Arzneimittel, Pflegesicherung' im BMG. Die Finanzierung der Auszeichnung wird von der Stadtwerke Langen GmbH sichergestellt.

In seiner Begrüßung sagte Prof. Johannes Löwer, Leiter des PEI: "Das Paul-Ehrlich-Institut möchte mit der Verleihung des Langener Wissenschaftspreises Forschungsarbeiten hervorheben und fördern, die das Verständnis der Immunologie, die entscheidende Voraussetzung für die Weiterentwicklung von Impfstoffen, oder das Erkennen und Behandeln, insbesondere von Infektionskrankheiten, vorantreiben. Zugleich möchten wir die Impulse, die von diesen Untersuchungen ausgehen, in unsere eigenen Arbeiten und Überlegungen aufnehmen."

Wie Prof. Ernst Rietschel, Leiter der Abteilung Immunchemie und Biochemische Mikrobiologie des Forschungszentrums Borstel in seiner Laudatio betonte, zeichnen sich die Preisträger durch bemerkenswerte fachliche Fähigkeiten aus. Diese seien verbunden mit einem hohen Maß an Teamfähigkeit. Daher biete sich seiner Meinung nach eine besondere Chance für zukünftige anwendungsbezogene Projekte: "Ich rufe Ihnen zu: Suchen Sie die Kooperation mit Klinikern! Sie sind dazu prädestiniert, zu kooperieren."

Anne Vogt und Harald Kropfshofer haben in den vergangenen vier Jahren eine Antwort auf die Frage gefunden, wie das Immunsystem Antigene - also schädliche 'Fremdkörper' - im eigenen Körper erkennt und von nützlichen, ähnlich aufgebauten Eiweissmolekülen unterscheidet. Damit haben sie klinische Perspektiven für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose geschaffen.

Mit ihren Untersuchungen haben sie die Funktion eines Proteins (Eiweiß) aufgeklärt, das eine wichtige Rolle bei der zellulären Immunantwort spielt. Dieses Protein, das als HLA-DM bezeichnet wird, kontrolliert und reguliert die sogenannte Peptidbeladung im Verlauf einer Immunantwort. Es fördert die Präsentation von Krankheitserregern (Antigenen) und hemmt die von (unerwünschten) Autoantigenen. Durch die Präsentation wird ein Antigen als Fremdkörper kenntlich gemacht, und kann dann von spezialisierten Zellen des Immunsystems bekämpft werden. So erwünscht wie dies im Fall der Antigene (Krankheitserreger oder Tumore) ist, so fatal ist es bei Autoantigenen, also bei Antigenen, die das Immunsystem gegen körpereigene Substanzen aktivieren und so Autoimmunerkrankungen auslösen.

Die Preisträger konnten in ihren jüngsten Studien zeigen, dass das Protein HLA-DM die Präsentation solcher Autoantigene verhindern kann. Damit eröffnen sich neue Perspektiven, die Immunantwort bei Autoimmunerkrankungen zu unterdrücken oder gar zu verhindern. Die Forschungen der Preisträger haben aber ebenso gezeigt, dass es möglich sein könnte, die Immunantwort zu verstärken, wenn sie gegen Krankheitserreger oder Tumore gerichtet ist. Darin liegt die Hoffnung, unser Abwehrsystem zukünftig in die Lage zu versetzen, mit Krebserkrankungen schon im Stadium der Entstehung fertig zu werden. "Sicher noch ein Traum, den es aber experimentell mit Leben zu erfüllen sicherlich lohnt", sagte Prof. Rietschel in der Laudatio.

Der Langener Wissenschaftspreis wurde 1993 ins Leben gerufen und wird 1999 zum vierten Mal vergeben. Der Forschungspreis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen wird alle zwei Jahre gemeinsam vom Paul-Ehrlich-Institut und der Stadtwerke Langen GmbH ausgeschrieben.

Wie schon 1997 unterstützt auch dieses Jahr die DFS- Deutsche Flugsicherung GmbH die Verleihung des Langener Wissenschaftspreises, indem sie den festlichen Rahmen der Preisverleihung um ein Bufett in ihren Räumen erweitert.

Digitale Fotos (jpg-Format) von der Preisverleihung sowie eine Literaturliste der wichtigsten Veröffentlichungen und eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Forschungsergebnisse können ab Montag, 15. November in der Pressestelle des Paul-Ehrlich-Instituts angefordert werden.

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