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Nabelschnurblut-Transplantationen / Ergänzung zum PD Nr. 54 vom 15.11.99

16.11.1999 - (idw) Universitätsklinikum Benjamin Franklin

Wir hatten in unserem Pressedienst über
"Millionenspende für Knochenmarktransplantationen ans UKBF"
auf die früheren Pressedienste Nr. 20 sowie Nr. 36/99 hingewiesen, die die Arbeit der Abt. Hämatologie, Onkologie u. Transfusionsmedizin am UKBF schildern.
Den Pressedienst Nr. 39 finden Sie unter:
http://idw.tu-clausthal.de/user/zeige_pm.html?pmid=14189
Den Pressedienst Nr. 20 finden Sie nachstehend:

Aufwendig, aber wirksam und verträglicher:
Die Behandlung von Blutkrebs am UKBF

Mit der Verbesserung der Behandlung insbesondere von bösartigen Blut-Erkrankungen befaßt sich die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Wolfgang Knauf in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Transfusionsmedizin des UKBF. Dabei geht es um die Transplantation von Stammzellen zur Therapie von Krebs beziehungsweise Blutkrebs. Derzeit untersuchen die Forscher am Fachbereich Humanmedizin der FU, ob und wie solche Zellen auch für Erwachsene aus Nabelschnurblut verfügbar gemacht werden können.
Akute Leukämien zum Beispiel lassen sich mit herkömmlichen Medikamenten, den Zytostatika (zellteilungshemmende Mittel), zwar zunächst gut behandeln, doch ist das Rückfall-Risiko relativ hoch. Zudem sind bei vielen Leukämien die "Mutterzellen" für das Knochenmark und das körpereigene Abwehrsystem - die Blutstammzellen - selbst von der Krankheit geschädigt. Seit nunmehr vielen Jahren werden deshalb jenen Patienten, für die sich ein passender Spender findet, gesunde Blutstammzellen übertragen, um ein leukämie-freies neues Knochenmark aufzubauen. Fatalerweise kann jedoch auch die Stammzelltransplantation Schäden an Herz, Nieren und Leber eines Patienten anrichten.
Die "AG Knauf" erforscht die Möglichkeiten neuer Stammzell-Transplantationsverfahren und die Optimierung der vorhandenen. So ist schon länger bekannt, daß Nabelschnurblut einen relativ hohen Prozentsatz an Blutstammzellen enthält. Nabelschnurblut ist deshalb auch für Transplantationen geeignet, wenn ein "passender" Knochenmarkspender fehlt. Weil die Blutzellen im Nabelschnurblut immunologisch unreif sind, rufen sie geringere Abwehrreaktionen beim Empfänger hervor. Eigentlich könnte dies also eine ideale, leicht verfügbare Quelle für Stammzell-Transplantationen sein. Die Menge an Nabelschnurblut pro Geburt reicht jedoch normalerweise allenfalls, um einen Menschen von maximal 40 Kilogramm Körpergewicht zu behandeln. In der Arbeitsgruppe konnte Dr. Thomas Fietz zeigen, daß eine Vermehrung der Nabelschnur-Stammzellen im Reagenzglas möglich ist. Mehr noch, diese Zellen sind tatsächlich auch in der Lage, genetisch stabile blutbildende Kolonien herzustellen. Derzeit wird mit molekularbiologischen Methoden untersucht, wie gut solche "künstlich" vermehrten Zellen verträglich sind. Erst der nächste Schritt kann dann sein, solche Zellen klinisch einzusetzen und damit einem größeren Patientenkreis die Chance auf Heilung von einer bösartigen Blut-Erkrankung zu eröffnen.
Schon im Oktober 1995 hatte Knaufs Arbeitsgruppe in Berlin die erste Übertragung von fremden ("allogenen") Stammzellen aus peripherem Blut (sprich aus den Armen) vorgenommen. Dies stellte und stellt einen erhebli-chen Fortschritt dar, weil im Gegensatz zur Knochenmark-Entnahme keine Vollnarkose des Spenders mehr notwendig ist. Die Transplantation peripherer Blutzellen ist insgesamt risikoärmer und kostengünstiger.
Hierbei wird der Wachstumsfaktor G-CSF (Granulozyten-Kolonien stimulierender Faktor) in das periphere Blut "geschickt". G-CSF regt Reifung und Vermehrung von lebensnotwendigen Blutstammzellen an. Mit Hilfe einer speziellen Butwäsche, der Leukapherese, können diese sodann ohne Belastung für den Spender entnommen werden. Danach reinigen die Ärzte sie mittels "Stammzell-Selektion", um die Gefahr von Unverträglichkeitsreaktionen noch weiter zu verringern. Am UKBF ist seit Einführung dieses komplizierten Verfahrens keine akute Unverträglichkeitsreaktion mehr aufgetreten, wobei das "Anwachsen" der Stammzellen nicht gestört war.
Bei der Stammzell-Selektion werden immunologisch aktive Lymphozyten aus dem Transplantat entfernt. Nach rund zwei Monaten, wenn sich der Patient von der Chemotherapie erholt hat und sein Knochenmark bereits wieder gut funktioniert, werden diese Lymphozyten "portionsweise" mit nun erheblich niedrigerem Risiko zugeführt; sie wirken dann ihrerseits gegen eventuell noch vorhandene restliche Leukämiezellen. Es deutet sich an, daß dieses am UKBF entwickelte Verfahren auch bei breiterer Anwendung genauso wirksam, aber besser verträglich ist.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Eckhard THIEL, PD Dr. Wolfgang KNAUF
UKBF, Med. Klinik III, Hämatologie, Onkologie und Transfusionsmedizin
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Tel.: (030) 8445-4246/-2337/-4550, Fax: (030) 8445-4021
E-Mail: ethiel@zedat.fu-berlin.de

Pressekontakt:
UKBF-Pressestelle / MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96 86; Fax: 803 96 87
e-mail: ukbf@mwm-vermittlung.de

Abdruck frei - Belegexemplar erbeten an MWM-Vermittlungca. 80 Zeilen à ca. 60 Anschläge / ca. 4.400 Zeichen
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