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Die Sterne stehen günstig für DIVA

19.11.1999 - (idw) Klaus Tschira Stiftung gGmbH

DIVA, der von deutschen Astronomen konzipierte Kleinsatellit, soll im nächsten Jahrzehnt 35 Millionen Sterne mit bislang unerreichter
Genauigkeit vermessen. Dies empfahlen am 18. November 1999 Vertreter der Politik, Industrie und Wissenschaft bei einer Tagung,
zu der die gemeinnützige Klaus Tschira Stiftung in die Villa Bosch, Heidelberg, eingeladen hatte. "Es könnte mit diesem Projekt
gelingen, den Forschungsstandort Deutschland international weiter aufzuwerten," sagte Staatsekretär Michael Sieber vom
baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Villa Bosch. Als ersten wichtigen Schritt regten
die Tagungsteilnehmer die Einrichtung eines Arbeitskreises an, in dem Vertreter der Länder und des Bundes, der beteiligten
wissenschaftlichen Institute sowie der Raumfahrtindustrie auf die schnellstmögliche Verwirklichung von DIVA hinarbeiten sollen. Die
Klaus Tschira Stiftung hat sich als Gastgeber für ein erstes Treffen dieses Arbeitskreises am 16. Dezember in der Villa Bosch
angeboten. Wenn im nächsten Jahr mit dem Projekt begonnen werden kann, so DIVA-Projektleiter Dr. Siegfried Röser vom
Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg, könnte der Satellit im Jahre 2003 zum Start bereit sein.

Mit dem Kleinsatelliten DIVA sollen große Fragen der Astronomie beantwortet werden. DIVA steht für Deutsches Interferometer für
Vielkanalphotometrie und Astrometrie und wurde unter anderem vom Heidelberger Astronomischen Rechen-Institut und der
Landessternwarte auf dem Königsstuhl konzipiert (http://www.aip.de/groups/DIVA). Der eineinhalb Meter große Satellit dient als
Metermaß und Chronometer. Aus einer Erdumlaufbahn soll er Positionen, Eigenbewegungen, Helligkeiten und Farben von Millionen
Sternen innerhalb der Milchstraße mit äußerster Position bestimmen. Die Wissenschaftler aus Heidelberg und von weiteren beteiligten
Instituten in Deutschland erhoffen sich von DIVA Antworten auf viele spannende Fragen, etwa wie groß, alt und schwer das Weltall ist,
ob es in alle Ewigkeit weiter expandiert, sich einem stationären Zustand nähert oder schließlich wieder kollabieren wird. Während der
Messungen darf sich die Messapparatur höchstens um wenige Atomdurchmesser verbiegen; deshalb können die Messungen nicht
erdgebunden, sondern nur in der Schwerelosigkeit auf einem Satelliten durchgeführt werden. DIVA soll fünffach genauer messen als
der bis 1993 betriebene erste und bisher einzige Satellit mit diesem Aufgabenbereich namens Hipparcos. Innovativ bei DIVA ist nicht
nur das technische Konzept, sondern auch der Versuch, ein solches Projekt innerhalb kürzester Zeit und zu vertretbaren Kosten -
voraussichtlich 100 Millionen Mark - zu bewältigen. Die Zeit drängt, da die internationale Konkurrenz auf diesem Gebiet sehr aktiv ist.
Eine unabhängige Studie der Firmenpartnerschaft Kayser-Threde GmbH, München, und OHB System GmbH, Bremen, unter Führung
der Dornier Satellitensysteme GmbH, Friedrichshafen,hat die technische Machbarkeit des DIVA-Projektes bereits nachgewiesen.

"DIVA ist eine im internationalen Vergleich kleine und - gemessen an den zu erwartenden exzellenten wissenschaftlichen Ergebnissen
- preiswerte Mission," erläutert Siegfried Röser. Auch in den USA hat sich das Kleinsatellitenkonzept weitgehend durchgesetzt, nach
dem unbemannte, kleine und kostengünstige Weltraummissionen schnellere Ergebnisse liefern. Mit dem Kleinsatellitenkonzept lasse
sich eine wirtschaftliche Forschungsförderung im Sinne der Öffentlichkeit auch in Zeiten knapper Haushaltsmittel aufrechterhalten.
"Wenn wir jetzt kleine Schritte machen, erreichen wir letztlich unsere wissenschaftlichen Ziele schneller und preiswerter als mit einem
einzigen großen Schritt in der ferneren Zukunft." Zudem bietet eine Beteiligung an DIVA der deutschen Raumfahrtindustrie die
Chance, innovative Technologien zu entwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, insbesondere im Hinblick auf zukünftige
Schlüsselmissionen.

"Mit der Unterstützung für DIVA spannen wir einen Bogen von der Geschichte der Villa Bosch zur aktuellen Arbeit der Heidelberger
Astronomen", sagt Klaus Tschira. "Carl Bosch, der Chemienobelpreisträger und frühere Besitzer der Villa Bosch, betrieb in den 20er
Jahren als Hobbyastronom auf dem Gelände der Villa eine Sternwarte, die zur damaligen Zeit jeder Berufssternwarte zur Ehre
gereicht hätte." Boschs Mitarbeiter, der Astrophysiker Dr. Bernhard Timm, ein späterer Vorstandsvorsitzender der BASF, versuchte
durch fotografische Farbmessungen die Oberflächentemperatur von Sternen zu bestimmen, eine der wichtigsten Größen, die einen
Stern charakterisieren. DIVA kann dieses bis heute aktuelle Ziel jetzt mit modernen Methoden im großen Maßstab erreichen.

Das Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg (http://www.ari.uni-heidelberg.de) und die Landessternwarte Königstuhl (http://www.lsw.uni-heidelberg.de)
sind Forschungseinrichtungen des Landes Baden-Württemberg. Sie betreiben Grundlagenforschung auf den Gebieten Astronomie und Astrophysik.

Die gemeinnützige Klaus Tschira Stiftung, Heidelberg (http://www.kts.villa-bosch.de), fördert die Wissenschaften und die internationale, wissenschaftliche
Zusammenarbeit. Derzeit konzentriert sich die Stiftung auf die Förderung von Forschungsvorhaben aus den verschiedenen Bereichen der angewandten
Informatik und angrenzender Gebiete. Beispielsweise entwickeln Wissenschaftler des European Media Laboratory im Auftrag der KTS in der Villa Bosch den

elektronischen Touristenführer "Deep Map" für Heidelberg. Mit der Unterstützung von DIVA fördert die KTS erstmals auch die Erforschung des "Deep Space".

Fragen zu DIVA beantwortet Ihnen gerne:

Dr. Siegfried Röser, Astronomisches Rechen-Institut, Heidelberg,Tel: 06221-40 51 58; Fax: 06221-405297, s19@ix.urz.uni-heidelberg.de

Digitale Fotos, Filmmaterial sowie weiterführende Literatur erhalten Sie bei:

Renate Ries, Klaus Tschira Stiftung gGmbH, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,Tel: 06221-533 214, Fax: 06221-533 198,
renate.ries@kts.villa-bosch.de
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