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Mehr Autonomie in der Lehrerbildung

16.11.1999 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Plädoyer für einen Neuanfang - Wissenschaftler der Goethe-Universität stellen in einer Dokumentation Alternativen vor

FRANKFURT. In rascher Folge kursieren neue Vorschläge zur Reorganisation der Lehrerbildung: 1997 wurden Empfehlungen einer Hessischen Kommission zur "Neuordnung der Lehrerausbildung" ("Bohnsack-Kommission") veröffentlicht, gerade sind - nach einjähriger Beratung in einer Kommission der Kultusministerkonferenz - "Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland" ("Terhart-Kommission") erschienen. Nun hat auch die Goethe-Universität eigene Vorschläge gemacht, die zum Teil weit über die bisher vorliegenden Empfehlungen hinausgehen.

Eine soeben erschienene Dokumentation "Lehrerbildung an der Universität - Zur Wissensbasis pädagogischer Professionalität" der Goethe-Universität enthält ein Plädoyer für einen Neuanfang gerade auch in Hessen, wo eine erneute Revision des Hochschulgesetzes bevorsteht. Die Universität will mit ihrer Wortmeldung bildungspolitisch "Flagge zeigen". Der Anspruch der Autoren und Autorinnen (aus verschiedenen Disziplinen der Lehrerbildung) und der Universität ist es, Denkblockaden aufzuheben und neue Denkmöglichkeiten zu eröffnen. Geprüft werden soll, wie weit man kommt, wenn man den vielbeschworenen Gedanken der "Autonomie" ernst nimmt und auch auf die bisher staatlich überreglementierte Lehrerbildung anwendet. Wie könnte Lehrerbildung ohne Staatsexamen aussehen? Wie lassen sich Wirkungen und Nebenwirkungen einer solchen Veränderung ab-schätzen? In einem Modellversuch sollte, so der Vorschlag der Goethe-Universität, ausgelotet werden, welches Potential die in anderen Fächern schon erprobte Idee der Modularisierung für die Lehramtsstudiengänge enthält und welche Rahmenbedingungen für die Umset-zung erforderlich sind. (Bei der Modularisierung geht es um andere Studienstrukturen: Das Curriculum besteht aus inhaltlich und organisatorisch weitgehend in sich abgeschlossenen und gleichzeitig miteinander verbundenen Bausteinen.)

Im Vorwort der Dokumentation, die Beiträge aus der Sicht verschiedener Disziplinen enthält, heißt es: Wenn Vorschläge zur Neuregelung nicht nur abgewehrt oder die alten Argumente erneut ausgetauscht werden sollten, sondern eine Verbesserung der Lehrerbildung in der Universität angestrebt werde, komme es darauf an, den Begriff der Professionalität im Feld des Lehrens und Erziehens zu präzisieren: "Gesellschaftspolitisch wird eine Professionalisierung des Lehrerberufs gerade in einer Gesellschaft nötig, in der Wissen zur wichtigsten ökonomischen Ressource geworden ist und in der das erreichte Bildungsniveau den beruflichen Erfolg entscheidend prägt. Denn in der Schule finden höchst folgenreiche Eingriffe in das Leben und in die Lebensplanung ganzer Generationen statt - insbesondere in den Grundschulen. Gerade dort muß daher die Beurteilungs- und Reflexionskompetenz besonders hoch sein, wenn Bildungsentscheidungen nicht naturwüchsig von der sozialen Herkunft determiniert oder der Willkür von Vorurteilen überlassen bleiben sollen."


Nähere Informationen: Professor Dr. Frank-Olaf Radtke, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Tel. 069/798-23715 und Heidemarie Barthold, Referentin für Lehr- und Studienangelegenheiten, Tel. 069/798-22476. (Über diese Telefonnummern kann auch die Broschüre bestellt werden.)
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