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Westfälische Handschriften

01.12.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster konnte soeben als 18. Band ihrer Schriften den "Handschriftencensus Westfalen" vorgelegen. Mit dem 1993 begonnenen Projekt gibt sie der Wissenschaft und Forschung ein neues Nachschlagewerk an die Hand, dessen Ziel es ist, eine vollständige Inventarisierung und Kurzbeschreibung aller mittelalterlichen Handschriften anzubieten, die gegenwärtig in Westfalen aufbewahrt werden.

Untersucht wurde der westfälische Landesteil von Nordrhein-Westfalen, also die heutigen Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster. Die Finanzierung des Projekts übernahmen das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Gerda Henkel Stiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die Erzdiözese Paderborn und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Der Handschriftencensus Westfalen erweitert und aktualisiert unsere Kenntnis über den Bestand an mittelalterlichen Handschriften im Lande, die im Vergleich mit anderen deutschen Handschriftenbeständen bisher nur unzureichend war. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Durchführung der Säkularisation in Westfalen: Bei dem Hin und Her der politischen Unterstellungen dieser Region nach 1803 zwischen dem preussischen Staat, Frankreich und dem von ihm abhängigen Herzogtum Berg einerseits und Hessen-Darmstadt andererseits erfolgte die staatliche Einziehung der klösterlichen Handschriften- und Bibliotheksbestände nur zögerlich und unvollständig. Durch unkontrollierte Abgänge wurde vieles in alle Welt verstreut, verkauft oder gelangte auf mancherlei Wegen in Privatbesitz, in ein Pfarrhaus, ein Museum, eine Bibliothek, eine Schule oder ein Archiv. Auch heute noch wird in Westfalen eine Vielzahl von Handschriften in Klein- oder Kleinstbeständen dezentral aufbewahrt. Anhand des Census lassen sich die Wanderwege von Handschriften jetzt wieder rekonstruieren.

Insgesamt verzeichnet der Census 972 Handschriften, die sich an 83 Orten auf 138 Institutionen und Privatbesitzer verteilen. Etwa 300 davon befinden sich in kirchlichem Besitz, gut 470 liegen in den Staatsarchiven und Landesbibliotheken in Münster und Detmold, und der Rest verteilt sich auf verschiedene westfälische Museen, kommunale Archive, Gymnasialbibliotheken und auf Privatbesitz. Während die Handschriften in öffentlichem Besitz so gut wie vollständig vezeichnet sind, konnten die in Privatbesitz nicht in der gleichen Vollständigkeit aufgenommen werden, da dem Bearbeiter des Census oftmals die Einsichtnahme verwehrt wurde.

Der Census will ein Bestandsverzeichnis anbieten, das die Katalogisierung zumindest der größeren und mittleren Sammlungen vorbereiten helfen soll. Die Handschriften werden jeweils so genau beschrieben, dass sie in ihrem Äußeren grob gekennzeichnet und ihrem Inhalt nach erschlossen, also für den Benutzer eindeutig identifiziert sind. Zu einer solchen Beschreibung gehört die Nennung des Aufbewahrungsortes, des Bestandes, der Signatur, des Verfassers und/oder des Titels. Es folgen der Entstehungsort oder das Entstehungsland und die Datierung der Handschrift. Die Beschreibung des Äußeren beschränkt sich auf die Nennung des Beschreibmaterials, des Umfangs und des Formats. Auf den Buchschmuck wird nur summarisch hingewiesen. Erschlossen wird das Material durch ein ausführliches Register, aufgeteilt in ein Verfasser-, Titel-, Personen- und Ortsregister.


Handschriftencensus Westfalen,
Bearbeitet von Ulrich Hinz,
Hrsg. von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster,
Wiesbaden: Reichert 1999. XXXIV, 483 S., 98 DM,
Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Münster,Band 18.
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