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Gehörschäden durch Silvester-Feuerwerkskörper

02.12.1999 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

Zur Jahrtausendwende wird mit besonders vielen Hör-Schäden gerechnet:Ärzte warnen vor mehr als 1000 Schwerhörigen und Ertaubungen an Silvester allein in Deutschland

In jedem Jahr werden während der Feiertage um Silvester durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern, besonders durch Kanonenschläge, Chinaböller und Signalpistolen, irreparable Gehörschäden hervorgerufen. Die gehörschädigende Wirkung beruht vor allem auf den extrem hohen Spitzenpegeln von Knallkörpern, die bis 173 dB erreichen können. Geschädigt wird besonders das Innenohr, jener empfindliche Bereich des Ohres, in welchem Sin-neszellen mit Hilfe von sogenannten Sinneshärchen Schall in elektrische Nervenimpulse für das Gehirn umwandeln.

Eine von der Hals-Nasen-Ohrenklinik des Universitätsklinikums Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Peter Zenner) durchgeführte orientierende Befragung aller deutschen Kliniken ergab, dass allein an Silvester/Neujahr 1998/99 deutschlandweit über 1000 Personen wegen eines Knalltraumas (d.h. wegen einer in der Hörprüfung nachweisbaren Schwerhörigkeit) in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten. Die Ergebnisse werden im Dezember im Ärztemagazin "HNO" (Heft 12 /1999) veröffentlicht. Circa 10 Prozent dieser Patienten hatten aufgrund der Explosionswirkung der Feuerwerkskörper zusätzliche Schäden am Mittelohr, d.h. Risse im Trommelfelle oder den Gehörknöchelchen.

Die Dunkelziffer liegt jedoch um ein vielfaches höher und scheint vor allem bei Kindern und Jugendlichen groß zu sein. Viele Betroffene gehen nicht oder nicht frühzeitig genug zum Arzt, da sich die Gehörschädigung nicht unbedingt durch einen kompletten Hörverlust auf einem Ohr, sondern durch Symptome äußert. Dazu gehören beispielsweise eine Verschlechterung des Sprachver-ständnisses bei Neben- oder Hintergrundgeräuschen, ein "dumpfer Hörein-druck" oder Ohrgeräusche.

Besonders Kinder und Jugendliche sollten von den Eltern und Lehren über die Gefahren bei der Verwendung von Feuerwerkskörpern - vor allem angesichts der bevorstehenden Festlichkeiten zur Jahrtausendwende - aufgeklärt werden. Schutz vor Feuerwerkskörpern gibt es durch großen Abstand vor den Knallkör-pern. Am sichersten ist es, im Haus zu bleiben und das Feuerwerk durch die Fenster zu beobachten. Dies gilt insbesondere für jene 16 Mill. Deutschen, die bereits eine Hörschädigung haben.

Ansprechpartner für nähere Informationen:
Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Peter Zenner
Silcherstr. 5, Tübingen
Tel. 0 70 71/29-8 41 64, Fax 29-56 74
email: zenner@uni-tuebingen.de
Internet: http://www.medizin.uni-tuebingen.de/hno/
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