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Zweites Open House im Bereich Druck, Verpackung, Kommunikation und Wirtschaft an der HDM

02.12.1999 - (idw) Fachhochschule Stuttgart, Hochschule der Medien

Etwa 360 Teilnehmer diskutierten über die Ingenieurausbildung und die Perspektiven der Branche

Am 16. November 1999 um 16.00 Uhr war es wieder soweit: Das zweite Open House im Bereich Druck, Verpackung, Kommunikation und Wirtschaft an der Stuttgarter Hochschule für Druck und Medien begann. Rund 360 Gäste - ehemalige Absolventen, Studenten, Freunde und Förderer der Hochschule - fanden den Weg zur Hochschule, um sich über die Ingenieurausbildung und Perspektiven der Branche zu informieren. HDM-Rektor Professor Dr. Uwe Schlegel freute sich in seiner Begrüßung über das große Echo auf die Veranstaltung. Damit habe die HDM eine neue Tradition begründet. Doch zunächst bedankte sich Schlegel beim Förderverein der Hochschule, der die Ausbildung der Studierenden seit 30 Jahren begleitet. Der Verein habe Großes geleistet, Exkursionen und zahlreiche Projekte unterstützt und Lücken gefüllt, wo der Staat keine Mittel zur Verfügung stelle. Anschließend skizzierte Schlegel künftige Entwicklungen in der Hochschule: Die HDM plane, im Wintersemester 2000/2001 einen Master-Studiengang für die Medienausbildung ("Master of Media") einzurichten. Die Genehmigung seitens des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst erhofft sich Schlegel noch 1999. Mit dem Master-Studiengang biete die HDM einen Bildungsweg an, der dem der Universitäten voll entspreche, so der Rektor. Darüber hinaus werde das Angebot der HDM durch weitere Studiengänge ergänzt, da voraussichtlich im September 2001 die neue "Hochschule der Medien" ihren Betrieb aufnehmen werde, die aus der Zusammenlegung der HDM mit der Stuttgarter Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen (HBI) hervorgeht. Rund 3000 Studenten sollen dann an der Fachhochschule studieren können.

Veränderungen an der HDM gibt es aber schon früher. Denn das neue Jahrtausend bringt ein neues Hochschulgesetz. Das Gesetz läßt eine stärkere wirtschaftliche Eigenverantwortung zu und stärkt die Hochschulverwaltung. Dies wirkt sich auch auf den Studienbetrieb aus. Mit dem "Hochschulrat" erhält die HDM ein Lenkungsgremiun, in dem Experten aus der Industrie mitarbeiten werden. Axel Ritz, Dekan für Druck, Verpackung und Kommunikationstechnik, gibt zu bedenken, dass sich je nach Zusammensetzung des Gremiums die Ausbildungsschwerpunkte zu Ungunsten des Drucks verlagern könnten. In der Einführung von Master- und Bachelor-Abschlüssen sieht Ritz zusätzliche Möglichkeiten für den einen oder anderen Studierenden, ergänzend zum traditionellen Diplom-Abschluss. Ritz appelliert an die Industrievertreter, aktiv zu werden und die Gleichung "Gutenberg = veraltete Branche" zu widerlegen. Ohne Engagement seitens der Branche befürchtet er, dass gute Leute in andere Branchen abwanderten. Für Ritz spiegeln sich die Strukturänderungen in der Wirtschaft auch in der Hochschule wider.

Besonders stolz war Ritz auf die zahlreichen Anmeldungen via Internet. 80 Prozent der Teilnehmer hätten sich für diese Form der Veranstaltungsanmeldung entschieden. Dies belege auch, dass in dem Medium ein enormes Rationalisierungspotential für die Auftragsabwicklung liege. Es erlaube den Druckunternehmen weltweit zu agieren und ihren Kundenkreis auszuweiten. Im Wettbewerb träfen die Alleskönner, die jeden Auftrag annähmen, auf Spezialisten, die effizient wenige Varianten führen. Im Gegensatz zum Spezialistentum stehe der Kundenwunsch nach einem Komplettanbieter für sein breites Auftragsspektrum. Die graphische Industrie lebe von der großen Vielfalt der Produkte. Die Kernfrage sieht Ritz darin, ob diese Vielfalt bestehen bleibt.

Peter Jeschke, Geschäftsführer der GC Gesellschaft für Consulting mbH, München beschrieb anschließend, wie Unternehmen der Druckbranche sich von der Technik in Richtung Markt orientieren können. Jeschke, der als Unternehmensberater für die graphische Industrie tätig ist, beobachtet, dass sich der in den letzten Jahren immens gewachsene Stellenwert des Marketing für die Leistungskraft von Unternehmen - Stichworte: Kundennähe, Kundenorientierung, Kundenzufriedenheit usw. - bei weitem noch nicht hinreichend im Marktauftritt der Druckindustrie niederschlägt. Technikorientierung sei lange Zeit als einziger Faktor für den Erfolg im Unternehmen angesehen worden. Immer größere, schnellere Maschinen seien gefragt. Dies spiegele sich auch in den Image-Broschüren der Firmen wider. Doch was habe der Kunde davon? Dies, so Jeschke, sei die Frage, die man sich stellen müsse. Das neue Motto habe zu lauten "24/7" - zu jeder Zeit und jeden Tag sei man für den Kunden da. Der Vorsprung gegenüber dem Wettbewerber nur durch Technik reiche nicht mehr aus. Er hält es für wesentlich, dass die Unternehmen ihren Marktauftritt emotionalisierten, um eine Differenzierung zu erreichen und Sympathiewerte anzustreben. Deshalb hält er es für sinnvoll, in der Ausbildung das Wirtschaftsprofil und die Vertriebskompetenz auszubauen, wobei es die Formel für den Erfolg jedoch nicht gebe.

Danach hatten die Teilnehmer die Wahl. Vier technische Vorträge wurden parallel angeboten, so dass sich jeder Gast ein individuelles Programm zusammenstellen konnte. Professor Rolf Fischer, Leiter des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen Druck, stellte die Prozeßkostenrechnung in der Druckindustrie vor. Professor Dr. Thomas Hoffmann-Walbeck vom Studiengang Drucktechnik schilderte den Workflow bei Computer-to-plate. Roland Kiefer, Professor im Studiengang Kommunikationstechnik, ging auf Trends und Perspektiven bei High-Speed-Netzen ein und Professor Dr. Eckard Ernst Conze sprach über Leistungssysteme in der Verpackung.

Reges Treiben herrschte danach in den technischen Abteilungen: Im Offset-Bereich und im Verpackungslabor konnte die technische Ausstattung unter die Lupe genommen werden, in der benachbarten Siebdruck-Abteilung durften die Besucher selbst Hand anlegen und Tragetaschen bedrucken. Außerdem stellten Diplomanden des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen Druck stellten eine Datenbank mit Diplomarbeiten vor und knüpften Kontakten zu möglichen Arbeitgebern.

Professor Axel Ritz, Initiator und Organisator des Open Houses, war sehr zufrieden mit der Veranstaltung. Die HDM wollte ein Forum für den Dialog in der Branche bieten. Und dies sei gelungen, so Ritz. Er hoffe nun, dass sich die Veranstaltung etabliere. Denn alle Gäste schätzen die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte aufzufrischen oder neue zu knüpfen und sich über den Stand der Ausbildung an der HDM zu informieren.

Die nächste Veranstaltung findet am 7. November 2000 statt.

Kontakt:

Fachhochschule Stuttgart- Hochschule für Druck und Medien
Professor Axel Ritz, Dekan für Druck, Verpackung und Kommunikationstechnik
Nobelstr. 10
70569 Stuttgart

Telefon: 0711/ 685-2888 oder 685-6633 (vormittags)
Telefax: 0711/ 685-6612
E-Mail: ritz@hdm-stuttgart.de
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