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Technik und Verantwortung im NS-Staat - kein aktuelles Problem?

06.12.1999 - (idw) Brandenburgische Technische Universität Cottbus

Offener Workshop an der BTU, 10. Dezember, 10.15 Uhr bis 18.00 Uhr

Presseinformation
117/99
6. Dezember 1999


Technik und Verantwortung im NS-Staat - kein aktuelles Problem?
Offener Workshop an der BTU, 10. Dezember 10.15 Uhr bis 18.00 Uhr


Ingenieure und Verantwortung im Nationalsozialismus - so lautet der Untertitel eines
Workshops, der am 10. Dezember unter der Leitung von Prof. Werner Lorenz und Prof. Günter Bayerl stattfindet. Mit dem offiziellen Titel "Technik und Verantwortung im NS-Staat - kein aktuelles Problem?" versuchen die Initiatoren eine Brücke zur Aktualität zu schaffen.
Das Programm gliedert sich in drei Themenkreise: "Strukturen", "Personen" und "Vermittlung", zu denen jeweils zwei Vorträge gehalten werden.
Zum Thema "Strukturen" spricht Dr. Helmut Maier über Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die in kriegswichtige Forschungsvorhaben involviert waren. Nach dem Krieg bezogen zahlreiche Forscher, über die er berichtet, Positionen, die sich durch den Satz "Ich diente nur der Technik" zusammenfassen lassen.
Zum Thema "Personen" stellen Dr.-Ing. Karl Eugen Kurrer und Alfred Gottwaldt Kar-rieren von Ingenieuren während des Nationalsozialismus vor. Zudem werden ihre Einstellungen zu verantwortungsvollem Handeln innerhalb und außerhalb des Berufs untersucht. Kurrer wird am Beispiel des Eisenbauers und Statikers Prof. August Hertwig (TH-Berlin) vorstellen, wie schwierig die Bewältigung des Nationalsozialis-mus und der Umgang mit Fragen der eigenen Verantwortung für Zeitgenossen war: Der bedeutende Bauingenieur wurde für seine Tätigkeit von den Nationalsozialisten ausgezeichnet; wenige Jahre zuvor war sein (einziger) Sohn der Euthanasie zum Opfer gefallen. Auch nach dem Krieg thematisierte er Fragen der eigenen und frem-den Verantwortung nicht.
Ebenfalls unter dem Themenschwerpunkt "Personen" beschäftigt sich Alfred Gott-wald mit dem 1937 zum Verkehrsminister ernannten Julius Dorpmüller, unter dessen Aufsicht die Reichsbahn u.a. die Transporte zu den Konzentrations- und Vernich-tungslagern durchführte. Dorpmüller wurde 1945 von den Alliierten als Nicht-Nationalsozialist eingestuft und mit dem Wiederaufbau der Reichsbahn betraut, ver-starb jedoch kurz nach Kriegsende. Der Schwerpunkt dieses Beitrags wird auf der Würdigung Dorpmüllers nach seinem Tod liegen. Dabei wird deutlich werden, wie sich die Beurteilung von Wissenschaftlern und Technikern im Dienste der NS-Regierung seit der Nachkriegszeit verschoben hat.
Als Referentin zum Thema "Vermittlung" konnte die Leiterin der Gedenkstätte KZ Mittelbau Dora in Nordhausen, Dr. Irmgard Klose, gewonnen werden. Während des Krieges wurde die Produktion des Raketenflugzeugs V 1 und der Rakete V 2 in eine unterirdische Fabrik im Harz verlegt; KZ-Häftlinge arbeiteten und starben dort unter unbeschreiblichen Bedingungen. Bereits zu DDR-Zeiten wurde hier eine Gedenk-stätte eingerichtet, deren heutige Arbeit im Mittelpunkt des Vortrags von Irmgard Klose stehen wird.
Im Anschluß an die Vorträge zur Rezeption des Nationalsozialismus ist eine Diskus-sion zu Fragen der Verantwortung von Ingenieuren in der Gegenwart geplant. So soll die Tagung einen Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart spannen und dazu beitragen, eigene Vorstellungen zu hinterfragen.

Alle Interessierte sind herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet im Lehrgebäude 9, R. 213 statt. (Ehemaliges Haus der Armee an der Sielower Straße)
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