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"Alles andere als ein Honoratiorenklub"

06.12.1999 - (idw) Bayerische Akademie der Wissenschaften

Deutliche Worte bei der Jahresfeier

Bei der großen Jahresfeier der Bayerischen Akademie der Wissenschaften am 4. Dezember 1999 in der Münchner Residenz fand ihr Präsident, Prof. Dr. Heinrich Nöth, deutliche Worte. Vor dem Hintergrund der Durchführung von 42 Forschungsvorhaben, der Publikation von 76 Büchern und zahlreichen Beiträgen zu Wörterbüchern und Zeitschriften, der Veranstaltung von zwölf großen Symposien mit zum Teil internationaler Besetzung, der Durchführung eines 1. Tags der offenen Tür und des Angebots diverser, sehr gut besuchter öffentlicher Vortragsabende während des vergangenen Jahres erklärte er: "Die Bayerische Akademie der Wissenschaften ist eine mit Leben erfüllte Institution, an der langfristig und interdisziplinär angelegte Forschung betrieben wird; diese ist - in entsprechender Form präsentiert - durchaus geeignet, die Neugierde und das Interesse vieler Bürger zu wecken. Diese Forschung hat ihren eigenen Stellenwert; sie kann nur an einer Akademie der Wissenschaften realisiert werden. Um es deutlich zu sagen - wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir wissen, was wir als die größte der Wissenschaftsakademien in der Bundesrepublik wert sind."

Heinrich Nöth begrüßte es, daß die im Akademienprogramm angesiedelten Projekte aller sieben deutschen Wissenschaftsakademien nunmehr in den Ausschuß Forschungsförderung aufgenommen wurden, der auch die DFG, die Max-Planck-Gesellschaft und die Wilhelm Gottfried Leibniz-Gesellschaft betreut. Der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sieht allerdings erhebliche Schwierigkeiten auf die Arbeiten der Akademien zukommen, wenn sich die Stellensperren einerseits und die Unterfinanzierung der Forschungsprojekte im Bund-Länder-Akademienprogramm andererseits weiter fortsetzen sollten. Allein die Bayerische Wissenschaftsakademie muß im kommenden Jahr bei ihren im Akademienprogramm angesiedelten Projekten mit über 1 Mio. DM weniger auskommen. Dies entspricht einer Kürzung von rund 10% ihrer Mittel innerhalb dieser Tranche (- der Etat des Akademienprogramms ist nicht identisch mit dem Gesamthaushalt der Akademie -).
Prof. Dr. Heinrich Nöth forderte, die Akademien in finanzieller Hinsicht wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft zu behandeln (- diese erhalten einen Zuschlag in Höhe von 3% -). Unabhängig davon müßten die Akademien strategische Konzepte zur stärkeren Kooperation miteinander sowie mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen entwickeln, um ihre Langfristprogramme effektiver umsetzen zu können.

Was die Verankerung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Deutschland und darüber hinaus betrifft, so wies der Präsident auf die bestehenden Strukturen hin: "Die Bayerische Akademie der Wissenschaften fühlt sich als Teil der Akademien der Wissenschaften in unserem Lande, als Teil der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, die uns auf internationaler Ebene vertritt und Ansprechpartner der Wissenschaftsakademien Europas und der Welt ist."
Unverständlich sei ihm, weshalb immer wieder einmal die Frage einer Nationalakademie - die es in Deutschland im Unterschied zu den Traditionen anderer Staaten aus guten Gründen nie gegeben hat - hochgespielt werde. "Wenn man dieser Frage nachgeht, müßte zunächst einmal geklärt werden, welche Aufgaben eine derartige Akademie übernehmen soll. Ihre Einrichtung wäre nur dann gerechtfertigt, wenn sie mehr zu leisten imstande wäre, als unsere aus historischen und verfassungsrechtlichen Gründen auf Föderalismus basierenden Akademien."
Politikberatung, die in der heutigen hochkomplexen Welt wohl nicht nur von einem einzigen Gremium zu leisten wäre, stellt für Prof. Dr. Heinrich Nöth keinen hinreichenden Grund dar, eine bereits vorhandene Vertretung der Wissenschaften gegenüber dem Ausland noch weniger. Und in der Forschungslandschaft Deutschlands hätten die Akademien bereits ihren akademietypischen Platz, nämlich langfristige Forschungsvorhaben auf interdisziplinärer Basis durchzuführen. "Was also könnte eine nationale Akademie der Wissenschaften im Zeitalter eines prosperierenden Europas der Regionen wirklich mehr leisten?"

Neben solcherart Überlegungen freute sich der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, auch in diesem Jahr Preise zur Anerkennung und Förderung der Forschungsarbeit anderer vergeben zu können: So erhielt Dr. Dr. Martha Haussperger den Akademiepreis. Der Max-Weber-Preis ging an Dr. Andreas Thier und der Arnold-Sommerfeld-Preis an PD Dr. Martin J. Müller. Mit dem erst 1997 gestifteten und nur alle zwei Jahre verliehenen Peregrinus-Preis wurde Prof. Dr. Franz Henrich, der Direktor der Katholischen Akademie in Bayern, ausgezeichnet.
Darüber hinaus erhielt der Ministerialdirigent a.D. Dr. Hans Zimmermann die Medaille "Bene merenti" in Silber für seine Verdienste um die Akademie. Seine Königliche Hoheit, Herzog Franz von Bayern, der zum (derzeit einzigen) Ehrenmitglied der Akademie gewählt worden ist, konnte seine Ernennungsurkunde auf der Jahresfeier noch nicht in Empfang nehmen, da er das Haus Wittelsbach bei einer Hochzeit im belgischen Königshaus vertreten mußte.

Den Festvortrag der diesjährigen großen Jahresfeier der Akademie hielt der renommierte Thermodynamiker Prof. Dr. Franz Mayinger. Sein Thema lautete "Energieversorgung im 21. Jahrhundert - Globale Herausforderung, lokale Verantwortung".

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