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RUB-Wissenschaftler: Geoinforamtionssystem für Garzweiler

06.12.1999 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Der Braunkohletagebau ist ein folgenschwerer Eingriff in komplexe Ökosysteme. Besonders für Feuchtgebiete kann eine solche Baustelle auf lange Sicht tödlich sein, denn sie nimmt ihr das lebensnotwendige Wasser. Die Betreiber haben das bedacht und Pläne zur Renaturierung erarbeitet - dennoch werden die Folgen des Tagebaus auch noch in hundert Jahren spürbar sein. Die RUB-Bauingenieure Prof. Dr. Harro Stolpe und Dipl.-Ing. Katja Kuhlbusch haben als Berater und Gutachter im Genehmigungsverfahren Garzweiler II in die Zukunft geblickt.


Heutige Ausdehnung von Feuchtgebieten um Garzweiler
Geoinformationssystem erfasst alle für die Beurteilung relevanten Daten Bochum, 06.12.1999
Nr. 305

Umweltprobleme nicht an die nächste Generation vererben
RUB-Wissenschaftler: Geoinforamtionssystem für Garzweiler
RUBIN 2/99: Blick ins nächste Jahrtausend ist noch unscharf


Der Braunkohletagebau ist ein folgenschwerer Eingriff in komplexe Ökosysteme. Besonders für Feuchtgebiete kann eine solche Baustelle auf lange Sicht tödlich sein, denn sie nimmt ihr das lebensnotwendige Wasser. Die Betreiber haben das bedacht und Pläne zur Renaturierung erarbeitet - dennoch werden die Folgen des Tagebaus auch noch in hundert Jahren spürbar sein. Die RUB-Bauingenieure Prof. Dr. Harro Stolpe und Dipl.-Ing. Katja Kuhlbusch haben als Berater und Gutachter im Genehmigungsverfahren Garzweiler II in die Zukunft geblickt.

Drei Bilder zum downloaden

Teile ihrer Ergebnisse sind soeben in RUBIN 2/99 veröffentlicht. Bilder dieses Berichts zum Downloaden finden Sie http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen/ (unter dem heutigen Datum).

Wohl und Wehe der kostbaren Feuchtgebiete

Historische Karten des linken Niederrheins aus dem 19. Jahrhundert zeigen noch großflächige Feuchtgebiete; sie galten damals als "Unland", das trockengelegt und bewirtschaftet wurde. Daher haben gesunde Feuchtgebiete, z. B. Auen, heute Seltenheitswert und bedürfen besonderen Schutzes. Ihr Überleben hängt vom Wasserhaushalt ab: Das Grundwasser fließt der Aue zu, ein Teil davon steigt durch den Druckunterschied in den Boden der Umgebung auf und wird dort von Pflanzen verbraucht, fließt in kleinere Rinnsale oder verdunstet. Sinkt aus irgendeinem Grund der Grundwasserspiegel ab, dann steigt das Wasser nicht in den Boden auf, sondern sickert von dort aus ins Grundwasser ab - der Boden wird durch Luft chemisch umgewandelt und mineralisiert, der Torf sackt zusammen, die veränderten Nährstoffe schädigen die Pflanzen.

Braunkohletagebau darf keine "Wüste" hinterlassen

Der Braunkohletagebau erfordert, dass große Wassermengen abgepumpt werden, jährlich mehr als der gesamte Trinkwasserverbrauch von Hamburg. Dem Boden wird also Wasser entzogen, und das macht sich über weite Entfernungen noch bemerkbar: Garzweiler würde die Feuchtgebiete am linken Niederrhein beeinflussen, wenn man das abgepumpte Wasser des Tagebaus dem Boden nicht an anderer Stelle wieder zuführte. Solange es den Tagebau noch gibt, ist also alles in Ordnung - aber was, wenn es ihn nicht mehr gibt? Nach dem Ende des Abbaus, spätestens 2045, wird man den Gebieten künstlich Wasser zuführen müssen bis sich der Naturzustand wieder einstellt. Pläne dafür gibt es bereits, aber es braucht Experten, die herausfinden sollen, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen. Die Bochumer Ingenieure sammelten also die Daten aus Untersuchungen der letzten zehn Jahre und erstellten ein Geoinformationssystem des linken Niederrheins, das den schnellen Zugriff und die Kombination dieser Angaben erlaubt. Mit diesem Werkzeug gerüstet widmeten sie sich der Frage, ob die Auswirkungen des Tagebaus überhaupt sicher vorhersehbar sind: Wie genau sind Berechnungen hundert Jahre im Voraus? Zudem überprüften sie die Planung der Betreiber, die zum Teil noch viele Fragen offenlässt, z. B. einen detaillierten Praxisnachweis über die Wirk-samkeit der Pumpanlagen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Harro Stolpe, Fakultät für Bauingenieurwesen der RUB, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27995, Fax: 0234/32-14-701

RUBIN 2/99 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie bitte in RUBIN 2/99, wo Sie außerdem folgende Themen finden: Gegen Tumore impfen?; Vom sanften Aufprall: Elektronik ersetzt Nockenwelle; Pech gehabt! - Reststoffe aus der Straße in die Straße; Die Berechnung des Geburtsjahres Christi; Reibungslos in den Erdmantel, sowie zwei Beiträge aus der Chemie: Hauchdünne Hüllen - leuch-tende Schwämme; Selbstorganisiert und doch durchschaut. Rubin ist erhältlich in der Universitätsbuch-hand-lung Brockmeyer sowie in der Pressestelle zum Preis von 5 DM. Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm

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