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Schutz vor Immunangriff im eigenen Körper in der MHH mit vorgeschaltetem Fototermin

06.12.1999 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Am 10. Dezember 1999 wird erneut der mit 20.000 Mark dotierte Sir Hans Krebs-Preis verliehen. Er wurde 1993 von der Hannoverschen Lebensversicherung a. G. zur Förderung der medizinischen Grundlagenforschung gestiftet. In diesem Jahr erfolgte die Ausschreibung des Preises erstmals bundesweit; als umso bedeutender ist die Entscheidung des Kuratoriums zu werten, dass ein Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Auszeichnung erhält. Prämiert wird die Arbeit von Privatdozent Dr. med. Christian Kurts, Abteilung Nephrologie, mit dem Titel "Signalling through CD30 protects against autoimmune diabetes mediated by CD8 T cells".

Die Preisverleihung findet statt am Freitag, den 10. Dezember 1999 im Hörsaal F, Klinisches Lehrgebäude der MHH. Beginn ist um 16 Uhr. Den wissenschaftlichen Vortrag hält Professor Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre der Universität Hannover. Er spricht über das "gesundheitliche Programm der Partei der ökonomischen Vernunft". Wir laden herzlich zu der Veranstaltung ein. Der Preisträger steht um 15.45 Uhr für ein Foto zur Verfügung. Auf Wunsch vermitteln wir gern ein Gespräch.


Zur prämierten Arbeit von Dr. Christian Kurts:

T-Zellen - sie gehören zu den Bausteinen unseres Immunsystems - spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Bakterien, Viren und Tumorzellen. Doch nicht immer läuft die Abwehr reibungslos, und manchmal treten gar folgenschwere Verwechslungen auf. Dann nämlich, wenn T-Zellen fälschlicherweise körpereigenes Gewebe als Krankheitserreger, also als "Eindringling", ansehen und es daraufhin angreifen. Die Mediziner sprechen von so genannten Autoimmunerkrankungen. Ein Beispiel: Beim Diabetes mellitus Typ I zerstören die Zellen der Immunpolizei in der Bauchspeicheldrüse die Langerhans´schen Inseln, die das lebensnotwendige Insulin produzieren. Schon in jungen Jahren entsteht eine Zuckerkrankheit. Warum es zu solch einem Irrtum kommt, ist längst noch nicht vollständig bekannt.

Dr. Christian Kurts gelang die Entdeckung eines der Mechanismen, über die sich die Fehlreaktionen des Immunsystems und damit die Entstehung einer Autoimmunerkrankung erklären lassen. Der Erfolg beruht auf der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern am Walter and Eliza Hall Institute im australischen Melbourne, einem der international führenden Forschungsinstitute auf diesem Gebiet. Die Ergebnisse der Studie wurden am 25. März 1999 in der renommierten Zeitschrift nature veröffentlicht.

Die Wissenschaftler konnten am Beispiel des Diabetes mellitus in einem Tiermodell (bei der Maus) zeigen, was im Einzelnen vor sich geht. Entscheidendes geschieht auf den Oberflächen der krankheitsverursachenden T-Zellen. Das dort angesiedelte "Oberflächenmolekül CD30" - seine Funktion war bislang unbekannt - spielt eine wesentliche Rolle bei der Verhinderung einer Autoimmunerkrankung. Es vermittelt hemmende Signale an die T-Zellen und bremst so deren Vermehrung in der Bauchspeicheldrüse. Auf diese Weise verhindern die CD30-Moleküle, dass sich allzu viele angriffslustige T-Zellen bilden, die in der Folge das insulinproduzierende Gewebe anfallen und zerstören können - und einen Diabetes mellitus vom Typ I auslösen.

Diese Entdeckung sollte es zum einen ermöglichen, neue Wege in der Therapie gegen die Zuckerkrankheit zu beschreiten. Man könnte beispielsweise versuchen, über eine Stimulierung der speziellen Oberflächenmoleküle einen Schutz des gefährdeten Gewebes vor irrtümlichen Angriffen zu erreichen. Es bieten sich aber auch Chancen, andere Autoimmunerkrankungen zu erforschen.

Weitere Auskünfte gibt Dr. Christian Kurts. Sie erreichen ihn am besten per Fax unter (0511) 55 23 66 oder via E-Mail: CKurts@compuserve.com.

Privatdozent Dr. Christian Kurts arbeitet seit November 1991 in der Abteilung Nephrologie der MHH. Von 1995 bis 1997 forschte er am Walter and Eliza Hall Institute in Melbourne bei Professor Dr. Jaques Miller, einem der "Väter der T-Zell-Immunologie". Seit seiner Rückkehr an die MHH geht er der Frage der Entstehung von Autoimmunerkrankungen nach - insbesondere dem Diabetes mellitus und den Nephritiden, bestimmten Formen der Nierenentzündung. Die im März veröffentlichte Untersuchung führte Dr. Kurts sowohl in Hannover als auch gemeinsam mit Wissenschaftlern in Melbourne durch. 1999 habilitierte sich Dr. Kurts für das Fachgebiet experimentelle Nephrologie mit der Arbeit "Mechanismen und Konsequenzen der T-Zell-Aktivierung durch renale Antigene".

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