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Ostdeutsche Chemieparks als Vorbild

08.12.1999 - (idw) Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Ostdeutsche Chemieparks als Vorbild

Eine innovative Standortstrategie

Berlin (wbs) Zehn Jahre nach der Wende ist die Umwandlung der einst als verheerend bezeichneten Situation der Betriebe im alten Chemiedreieck Bitterfeld - Buna - Leuna zu einem attraktiven Standort gelungen. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeichnet die Entwicklung des von der Treuhandanstalt entwickelten Konzepts eines Chemieparks nach, das inzwischen von zahlreichen Unternehmen in Westdeutschland übernommen wurde.

Die Privatisierung der chemischen Industrie in den neuen Bundesländern ist abgeschlossen. Zum Erhalt der Branche entwickelte die Treuhandanstalt eine Strategie zur Standortsicherung, nach der analog zu Gewerbeparks die traditionsreichen Standorte Bitterfeld-Wolfen, Buna und Leuna in Chemieparks umgewandelt wurden.

In den Kombinaten des sogenannten "Chemiedreiecks" wurden zehn Prozent des Industrieproduktionswerts der DDR geschaffen. Veraltete Technologien und Mißmanagement führten jedoch zu katastrophalen Arbeits- und Umweltbedingungen und zu Produktionskosten, die weit über dem internationalen Durchschnitt lagen. Der Erhalt der Chemieindustrie als "industrieller Kern" im Südwesten der neuen Bundesländer war deshalb fraglich und letztlich eine politische Entscheidung.

Die Chemieindustrie der DDR unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, war Hauptaufgabe der Treuhandanstalt und stellte alle Beteiligten vor eine große Herausforderung. Um auch kleinen und mittleren Unternehmen Investitionen zu ermöglichen, hat die Treuhandanstalt mit dem Chemieparkkonzept ein innovatives Modell für die chemische Industrie erarbeitet.

Ein Chemiepark wird von einer zentralen Dienstleistungsgesellschaft koordiniert. Das Produktspektrum dieses Betreibers kann variieren: von der Ver- und Entsorgung über das sogenannte "Behörden-Engineering" bis hin zu Personal- und Verwaltungsaufgaben. Den Investoren wird so die Möglichkeit gegeben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und die in der chemischen Industrie sehr hohen Infrastrukturkosten durch gemeinsame Nutzung untereinander aufzuteilen.

Durch die Verbundproduktion bestehen in der chemischen Industrie erhebliche Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Betrieben. Sie stellt deshalb hohe Anforderungen an die Koordinationsleistungen der Betreibergesellschaft in einem Chemiepark: Kurzfristige Produktionsmengen und Energiebedarfe müssen ebenso abgestimmt werden wie die langfristig Unternehmensplanung und erfordern erhebliches Sachverständnis.

Das Konzept ist aufgegangen. Auch westdeutsche Chemiekonzerne öffnen ihre Standorte mittlerweile für andere Unternehmen, um freie Kapazitäten zu vermarkten. Die Bayer AG haben eigene Erfahrungen in Bitterfeld (dem ersten deutschen Chemiepark) dazu bewogen, alle deutschen Standorte in Chemieparks umzuwandeln - ein Schritt, den die Hoechst AG im Rahmen der Umstrukturierung nach dem Verkauf der Chemieaktivitäten schon vollzogen hat.

Insgesamt hat die Entwicklung der geschlossenen Standorte zu offenen Chemieparks die Rahmenbedingungen für die chemische Industrie in Deutschland erheblich verbessert, die Flexibilität der Unternehmen erhöht und durch die "Public-Private"-Partnerschaft in vielen Betreibergesellschaften das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse gefördert. So verringert diese Zusammenarbeit die Genehmigungszeiten (ein traditioneller deutscher Standortnachteil), ohne die hohen deutschen und internationalen Sicherheits- und Umweltstandards zu unterlaufen.

Weitere Informationen:

Manfred Fleischer (WZB), Telefon: 030-25 49 14 26,
E-Mail: mf@medea.wz-berlin.de
Christian Nieters (z.Z. Linköpings Universitet), Telefon: 0046-13 47 40 271,
E-Mail: chrni656@student.liu.se


"Ostdeutsches Chemiedreieck - Industriestandort mit Vorbildfunktion?", in: WZB-Mitteilungen, Heft 86,
Dezember 1999, S. 13-16

Holger Derlien, Tobias Faupel, Christian Nieters, Industriestandort mit Vorbildfunktion? - Das ostdeutsche Chemiedreieck, 49 S. (WZB-Bestellnummer FS IV 99-16)
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