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Mediziner entwickeln neue Medien für die Lehre

27.08.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Mehr Praxisbezug für das Medizinstudium - dieses Ziel soll mit dem neuen Lehr- und Lernprogramm "LaMedica" erreicht werden. Mediziner von der Universität Würzburg arbeiten an dem bundesweiten Pilotprojekt mit und erhalten dafür 280.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. LaMedica ist eine multimediale und interaktive Anwendung, auf die bereits jetzt über das Internet zugegriffen werden kann.


Sie machen neue Bücher für das Internet: Werner Tilling, Monica Kovac und Wolfram Voelker (von links) arbeiten in Würzburg an dem multimedialen und interaktiven Lehr- und Lernprogramm LaMedica. Foto: Emmerich In einem Buch können Studenten zum Beispiel Informationen über Herzklappenfehler nachlesen. Bücher können aber nur "Standbilder" zeigen und deshalb komplexe Sachverhalte wie die Folgen von Herzklappenfehlern nur unzureichend darstellen. Greift der Student dagegen über das Internet auf LaMedica zu, stehen ihm jederzeit zusätzlich Filme mit Ton und Infotexten zur Verfügung. Er kann sich zum Beispiel bestimmte Ultraschall-Sequenzen so lange zu Gemüte führen, bis er sie wirklich verstanden hat. Dann erkennt er eine krankhafte Herzklappe auf Anhieb. Oder er sieht, dass die Verkalkung zugeschlagen hat: Die Herzklappe öffnet sich nicht mehr ganz, erscheint dick und unbeweglich.

Also alle Bücher ins Altpapier? Ganz und gar nicht: LaMedica ist als Zusatzangebot gedacht. "Wir sehen die medizinischen Lehrbücher an und fragen uns, wo sie Defizite haben und wie man es besser machen kann", erläutert Assistenzarzt Werner Tilling von der Medizinischen Klinik. Dann werden Texte geschrieben und mit Grafiken, Video-Ton-Sequenzen und Computeranimationen bestückt - aber nur dort, wo es sinnvoll ist: "Wir wollen keinen multimedialen Overkill schaffen." Projektleiter Wolfram Voelker weist auf einen weiteren Vorteil des Internet-Lehrwerks hin: "Es lässt sich schnell aktualisieren." Das ist wichtig in einer Zeit, in der das Wissen rapide wächst.

Das gesamte LaMedica-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 2,8 Millionen Euro gefördert. Neben den Würzburger Medizinern sind Projektpartner aus Hochschulen in Tübingen, Ulm, Frankfurt am Main und Heidelberg sowie Firmen beteiligt. Das Programm ist auf einem Server der Uni Tübingen abgelegt und wird dort auch gepflegt: <www.lamedica.de>

In Würzburg arbeiten Voelker und Tilling zusammen mit der Mediengestalterin Monica Kovac an den Kapiteln zur Kardiologie. Der Teil über Herzklappenfehler ist bereits fertig. Zurzeit stellt das Team einen Abschnitt über Herzkranzgefäßverengungen zusammen, später soll das Thema Herzinfarkt folgen. Diese Krankheitsbilder wurden gewählt, weil sie sehr häufig und von großer klinischer Bedeutung sind. Schließlich hat man auch Patienten und Laien als Zielgruppen im Auge. Damit LaMedica die verschiedenen Nutzer nicht über- oder unterfordert, können sie im Programm zu ihrem Wissensstand passende Ebenen aufsuchen.

Testlauf mit Medizinstudenten im Wintersemester

Im Wintersemester 2002/03 wollen die Würzburger Mediziner das LaMedica-Programm erstmals ihren Studenten schmackhaft machen. Als Appetitanreger dient die neue Vorlesung "Multimediales Lernen in der Inneren Medizin". Dabei werden die Studenten dazu animiert, mit LaMedica zu arbeiten. Später sollen sie dann auch sagen, wie sie das Programm einschätzen.

Einen weiteren Programmbaustein nehmen Voelker, Tilling und Kovac in Kürze in Angriff: die "zeitgesteuerte Patientensimulation". Dabei lernt der Medizinstudent, wie ein Herzpatient in die Klinik aufgenommen, diagnostiziert, behandelt und entlassen wird. Das Programm macht hierzu bestimmte Vorgaben. Außerdem kontrolliert, kommentiert und korrigiert es die Handlungen des Nutzers. Reagiert der nicht richtig oder zu langsam, hat er die Konsequenzen zu tragen - wie im richtigen Ärzteleben. Wird etwa ein Patient mit lebensbedrohlichem Kammerflimmern in die Klinik eingeliefert, dann muss der Nutzer sofort handeln. Er kann nicht erst nachfragen oder nachlesen, was in einem solchen Fall zu tun ist, denn sonst stirbt ihm der virtuelle Patient unter den Händen weg.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfram Voelker, T (0931) 201-36329, Fax (0931) 201-36291, E-Mail:

w.voelker@medizin.uni-wuerzburg.de
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