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Physiker tagten trotz Jahrhundertflut in Dresden

27.08.2002 - (idw) Universität Rostock

In der vergangenen Woche fand in Dresden eine wissenschaftliche Konferenz statt, die in vielen Beziehungen das Prädikat "außergewöhnlich" verdient. Mitten in der vom Jahrhundert-Hochwasser so schlimm betroffenen Stadt versammelten sich Physiker aus aller Welt, unter ihnen einige der berühmtesten Vertreter ihres Faches, um sich mit Wissenschaft zu beschäftigen. Im Zentrum standen dabei fundamentale theoretische Probleme der Physik, die von der Nanotechnologie bis zu Quarks reichten.
Organisiert wurde die Konferenz von Physikern der Universität Rostock um Dr. Michael Bonitz, wo bereits 1999 eine ähnliche fächerübergreifende Veranstaltung stattgefunden hatte, die große internationale Beachtung gefunden hatte. Diesmal war die Wissenschafts- und Kulturstadt Dresden als Tagungsort gewählt worden, und die Konferenzteilnehmer waren natürlich gespannt auf die historischen Bauten und Kunstschätze der Stadt an der Elbe. Bereits viele Monate im Voraus war ein Hotel im Stadtzentrum reserviert worden, das wissenschaftliche Programm und alle Vorbereitungen waren abgeschlossen, als fünf Tage vor Konferenzbeginn Dresden überflutet wurde. Die erschütternden Bilder der Hochwasserkatastrophe machten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und den USA die Runde, und eine Absage der Tagung oder ihre Verlegung in eine andere Stadt schien unvermeidlich.

Aber so leicht gaben die Physiker nicht auf! Die leidgeprüfte Stadt hatte es gerade jetzt verdient, dass sie ihr die Treue hielten. Auch die mit der Tagung verknüpften nicht unereblichen Finanzmittel wurden nirgendwo sonst so sehr gebraucht wie hier, wo gleichzeitig Tausende Touristen fluchtartig abreisten. So fern keine Gefahr für die Tagungsteilnehmer und keine Behinderung von Rettungsarbeiten zu befürchten war, sollte die Konferenz in Dresden stattfinden. Diese Entscheidung wurde von einer Vielzahl der Tagungsgäste aus aller Welt ausdrücklich unterstützt, und tatsächlich gab es aus bei 55 Kollegen ganze drei Absagen.

Ein neues Tagungshotel war in der Dresdner Neustadt mit dem Park Plaza schnell gefunden, und innerhalb von weniger als drei Tagen wurde eine neue Tagung auf die Beine gestellt, mit tatkräftiger Unterstützung des Personals. Ungeachtet der Teils chaotischen Zustände bei der Bahn waren alle Kollegen pünktlich angereist und erlebten eine unvergess-liche Konferenz auf allerhöchstem wissenschaftlichem Niveau.

Als dann kurzfristig sogar noch ein Teil der Dresdner Museen mit Notausstellungen öffnete, wurden die Tagungsteilnehmer für ihren Mut und wissenschaftliche Arbeit in ganz besonderer Weise entschädigt. Sie erlebten die Schätze einer Stadt unter Ausnahme-Bedingungen, aber auch den selbstlosen Einsatz vieler Freiwilliger, dank derer Dresden beeindruckend schnell zur Normalität zurückzukehren scheint. Aber auch die Physiker, die zu intensiver wissenschaftlicher Arbeit ins Hochwassergebiet gereist und dabei auf vieles zu verzichten bereit waren, ernteten - nach anfänglichem gelegentlichem Unverständnis - vielerorts große Anerkennung.


Dr. Michael Bonitz
T: 0381 498 1608
e-mail: michael.bonitz@physik.uni-rostock.de
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