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Humanmedizin in der Universität - Perspektiven fürs neue Jahrtausend

11.12.1999 - (idw) Universitätsklinikum Benjamin Franklin

vorab: Mediendienst 60 a zur
10. Wissenschaftswoche am Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität Berlin / Universitätsklinikum Benjamin Franklin

Die teilweise gravierenden Umgestaltungen der Berliner Hochschul- und Wissenschaftslandschaft seit dem Mauerfall haben auch die Humanmedizin der Freien Universität nicht verschont, im Gegenteil: In den zurückliegenden 10 Jahren hat eine von tief greifenden finanziellen Einschnitten und nachhaltigen inhaltlichen, strukturellen und organisatorischen Veränderungen gekennzeichnete Entwicklung in Forschung, Lehre und Krankenversorgung begonnen, deren Ende auch an der Schwelle zum neuen Jahrtausend noch nicht abzusehen ist.
Durch die Zusammenführung des damaligen Universitätsklinikums Steglitz mit dem Fachbereich Grundlagenmedizin, den Instituten für Pharmakologie sowie für Toxikologie und Embryopharmakologie, der Psychiatrie und der Zahnklinik Süd wurde mit dem neuen Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität / Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) als humanmedizinischer Gesamtfakultät die jahrzehntelange Zersplitterung der medizinischen Fächer aufgehoben. Parallel wurde die Fusion des Virchow Klinikums mit den anderen Standorten der Charité zur gegenüber dem Fachbereich Humanmedizin der FU mehr als doppelt so großen Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt Universität zu Berlin eingeleitet. Neben der Neuordnung der universitären Landschaft wurden - vor allem durch die Umgestaltung der ehemaligen Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR - auch im außeruniversitären Bereich große Forschungseinrichtungen mit exzellenten Ausgangsvoraussetzungen geschaffen, so das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) oder das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP).Diese grundsätzlichen Neustrukturierungen förderten die Entstehung einer neuen gemeinsamen Berliner Wissenschaftslandschaft. Diese ist einerseits durch Wettbewerb der verschiedenen Institutionen untereinander gekennzeichnet, der einen starken Anreiz zur Leistungsteigerung und Qualitätsverbesserung bildet. Auf der anderen Seite werden aber auch viele Kooperationen und gemeinsame Forschungsprojekte stimuliert; DFG- oder BMBF-geförderte Verbundprojekte auf hohem, international konkurrenzfähigem Niveau zeugen von der Leistungsfähigkeit und Lebendigkeit von Forschung in Berlin.
Innerhalb dieser neu strukturierten Wissenschaftslandschaft konnte der Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität seine Position konsolidieren und die Leistungen steigern - und dies trotz weiterer Absenkungen der Landeszuschüsse, ungeachtet der kaum sinkenden Zahl der Studienanfänger, trotz andauernder Einschnitte bei den Krankenkassenbudgets bis hin zur existentiellen Bedrohung. Aufgezwungene Bettenschließungen und widersprüchliche strukturelle Vorgaben, etwa die rechtlich nicht bestandskräftige Schlies-sung der FU-Zahnmedizin oder die Unklarheiten über die Zuordnung des US-Hospitals in Dahlem führen zu immer noch anhaltender Planungsunsicherheit. Die Humanmedizin an der Freien Universität Berlin hat diesen politisch vorgegebenen Umstrukturierungsprozess trotz teilweise existenzieller Bedrohung vor allem als Chance für einen Ausbau von Qualität und Leistung begriffen, frühzeitig den eigenen Gestaltungsspielraum genutzt und so eine Erfolg versprechende Ausgangsposition und ein eigenständiges Profil für Wettbewerb, aber gleichermaßen auch für Kooperation in der Berliner Forschungslandschaft geschaffen.
Mit der Umbenennung des Steglitzer Klinikums in "Universitätsklinikum Benjamin Franklin" (UKBF) wurde anlässlich des 25jährigen Jubiläums ein Zeichen für die Fortführung der besonderen Beziehungen zu den USA gesetzt und so die eigene Identität im Geiste einer Tradition moderner integrierter Forschung, Lehre und Krankenversorgung unter den Vorzeichen von Qualität und Leistung betont.
Das wissenschaftliche Profil des Fachbereichs Humanmedizin/UKBF wird durch die vier großen Forschungsschwerpunkte "Entzündliche Erkrankungen", "Experimentelle und Klinische Endokrinologie", "Herz-Kreislauf-Erkrankungen" und "Tumormedizin" bestimmt. Diese bilden zum einen die Klammer zwischen Grundlagenforschung, kliniknahen Untersuchungen und rein klinisch ausgerichteten, direkt diagnostisch oder therapeutisch relevanten Forschungsprojekten, zum anderen umfassen sie aber auch eine Vielzahl von Spezialitäten in der Krankenversorgung, die Merkmale der für Universitätskliniken charakteristischen Supramaximalversorgung sind. Einen fünften Schwerpunkt mit vorwiegend klinischen Anteilen bildet die Vielzahl der Arbeitsgruppen aus dem Bereich der Neurowissenschaften. Für die vor allem durch die Ergebnisse des "Human Genom Project" absehbaren neuen Anforderungen an molekularbiologische und molekulargenetische Methoden und Modelle ist der Fachbereich mit der Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin (FEM) bestens gerüstet.Zur Unterstützung der Forschungsschwerpunkte und Stimulierung der Forschungsaktivitäten hat der Fachbereich ein zukunftsorientiertes, breit diversifiziertes System interner Forschungsförderung geschaffen, das durch seine Qualitäts- und Ergebnisorientierung - teilweise durch Einbeziehung externer Evaluierung - einen starken Anreiz zur Einwerbung qualifizierter Drittmittel und zur Verbesserung des wissenschaftlichen "output" liefert. Folge ist eine Intensivierung der Forschungsaktivitäten und die Schärfung des Forschungsprofils im engen Zusammenspiel zwischen Grundlagenfächern und Kliniken. Der Erfolg lässt sich aber auch ganz direkt an der weiter wachsenden Publikationsleistung sowie an der Steigerung der Drittmitteleinwerbungen ablesen, die sich im Jahr 1998 mit rund 38,3 Millionen DM auf ähnlich hohem Niveau wie in den Vorjahren bewegten. Insbesondere konnte die Einwerbung von DFG-Mitteln im Jahr 1998 nochmals um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Im Rahmen der besonders angesehenen Verbundprojekte fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mittlerweile zwei Sonderforschungsbereiche, zwei Forschergruppen sowie drei Graduiertenkollegs, deren Sprecher/innen Mitglieder des Fachbereichs Humanmedizin sind, darunter die SFBs 366 "Zelluläre Signalerkennung und -umsetzung" und 506 "Onkotherapeutische Nukleinsäuren". Erwähnenswert ist auch der BMBF-geförderte "Forschungsverbund Klinische Pharmakologie Berlin-Brandenburg".
Hand in Hand mit den beschriebenen Maßnahmen zur Schärfung des wissenschaftlichen Profils wird die Verbesserung der Lehre auch unter dem Aspekt der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses betrieben. Seit 1996 findet eine regelmäßige Lehrevaluation durch die Studierenden statt, seit 1998 werden alle neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen besonders dazu angehalten, didaktische Fortbildungen zu besuchen. Mit dem Benjamin-Franklin-Kolleg wurde ein viersemestriges Zusatzcurriculum für Studierende eingerichtet, das zur Verbesserung der Lehre und Promotionsleistungen führen und dabei frühzeitig im Studium Schlüsselqualifikationen und vertiefte Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln soll.
Im klinischen Bereich wird das Profil des Hauses von dem Konzept der umfassenden, qualitativ herausragenden Krankenversorgung "unter einem Dach" geprägt, unter anderem als Unfallschwerpunktklinik.Überregional bedeutsame klinische Projekte wie die Entwicklung der Protonentherapie für Augentumoren, das Deutsche Zentralregister für kindliche Hörstörungen, das Tumorzentrum, das Schmerzzentrum sowie die Beteiligung am Nationalen Referenzzentrum für Krankenhaushygiene tragen weiter zum Profil des UKBF bei. Ein wichtiger Schwerpunkt in klinischer Forschung und Krankenversorgung sind herausragende Kompetenzen in der Medizintechnik. Genannt sei hier nur die Lasermedizin in enger Kooperation mit dem An-Institut LMTB und die Optimierung bildgebender Verfahren in enger Zusammenarbeit der Kliniker und Medizininformatiker.
Mit dem Projekt "S.I.G.N.A.L. - Hilfe für Frauen" wurde 1999 ein europaweit einzigartiges Modellprojekt in der Ersten Hilfe des UKBF als Anlaufstelle für misshandelte Frauen etabliert, mit dem über die Bereitstellung medizinischer Hilfe hinaus spezielle Informationen und Beratung durch besonders geschulte Mitarbeiter/innen gegeben werden.
Zusätzlich hat der Fachbereich Humanmedizin eine Vielzahl von neuen Aktivitäten zur Intensivierung von Forschungskooperationen ins Leben gerufen. Verwirklicht wird dies durch die engere Vernetzung des Fachbereichs Humanmedizin mit den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der Freien Universität Berlin zur weiteren Stärkung der biowissenschaftlichen Leistungsschwerpunkte der FU. Gestützt werden diese Anstrengungen aber auch durch Kooperationsverträge mit anderen Institutionen in Berlin und bis hinein nach Brandenburg, die zum Teil auch durch gemeinsame Berufungen mit Leben gefüllt werden. So bestehen enge Kooperationen zum Beispiel mit dem Max Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch, dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Dahlem, dem Deutschen Herzzentrum Berlin, dem Deutschen Rheumaforschungszentrum Berlin, dem Hahn-Meitner-Institut, dem Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE, Potsdam-Rehbrücke).Für die Zukunft strebt der Fachbereich Humanmedizin eine Mitwirkung an der aktiven Neu- und Ausgestaltung des historischen Dahlemer Wissenschaftszentrums an. In der engen Kooperation zwischen den FU-Fachbereichen der Humanmedizin und Naturwissenschaften, den nicht universitären Instituten (MPI für Molekulare Genetik) und dort angesiedelten/anzusiedelnden kleinen und mittleren Unternehmen der biomedizinischen Forschung, Entwicklung und Anwendung kann ein für den Süden Berlins bis hinein nach Brandenburg prägendes Zentrum entstehen. Dieses knüpft dann nicht nur an die Dahlemer Traditionen an, sondern vereinigt zukunftsweisend Forschungs- und Bildungskompetenz und wird durch seine Synergieeffekte nicht nur die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit steigern, sondern auch Existenzgründungen und wirtschaftliche Erfolge stimulieren.
In der kurzen Zeit seit seiner Gründung hat der neu gebildete Fachbereich Humanmedizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung Zeichen für die Zukunft gesetzt. Trotz schmerzhafter Einschnitte - vor allem im finanziellen Bereich - wurde wirksam auf die geänderten Rahmenbedingungen reagiert, ergänzend zu Bewährtem wurden neue inhaltliche Konzepte entwickelt und umgesetzt. Mit Elan und Kreativität sind die neuen Herausforderungen angenommen worden.Der Fachbereich hat begonnen, den notwendigen Paradigmenwechsel in der Organisation von Forschung und Lehre, aber auch Krankenversorgung mit zu gestalten und dabei erfolgreich neue Wege zu gehen und so im verschärften Wettbewerb zu bestehen.

Pressekontakt:
UKBF-Pressestelle / MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96 86; Fax: 803 96 87
E-Mail: ukbf@mwm-vermittlung.de

Ansprechpartner:
Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität Berlin/ Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin,
Telefon: (030) 8445-0
Für Fragen zur FORSCHUNG:
- Prof. Dr. Martin Paul, Dekan
DW Tel.: -3321, Fax: -4451, E-Mail: paul@medizin.fu-berlin.de
- Prof. Dr. Rudolf Tauber, Prodekan für Forschung
DW Tel.: -2555, Fax: -4152, E-Mail: tauber@ukbf.fu-berlin.de - Dr. Mathias John, Dekanat des FB Humanmedizin/Koordinationsbereich Forschung

DW Tel.: -3444, Fax: -4451, E-Mail: m.john@ukbf.fu-berlin.de Für Fragen zur LEHRE:
- Prof. Dr. Manfred Gross, Prodekan für Studium und Lehre DW Tel.: -6812, Fax: -6855, E-Mail: mgross@zedat.fu-berlin.de
- Ulrike Gutermann, Dekanat
DW Tel.: -3880, Fax: -4451, E-Mail: gutermann@medizin.fu-berlin.de
Für Fragen zur KRANKENVERSORGUNG:
- Prof. Dr. Ernst-Otto Riecken, Ärztlicher Direktor
DW Tel.: -3030, Fax: -4330, E-Mail: riecken@ukbf.fu-berlin.de
- Hedwig François-Kettner, Pflegedirektorin
DW Tel.: -3465, Fax: -4542
VERWALTUNG/Finanzen:
- Dipl.-Kam. Peter Zschernack, Verwaltungsdirektor DW Tel.: -2020, Fax: -2019
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