Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 24. Oktober 2017 

Wegweiser durch einen Ort der religiösen Toleranz

15.12.1999 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

"Oh, ihr streitenden Völker und Geschlechter der Erde! Wendet euer Angesicht der Einheit zu ... Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges." Diese Worte aus den 130 Jahre alten Schriften von Bahá'u'lláh, auf welche die Bahá'i-Religion sich beruft, könnten auch die Broschüre mit dem programmatischen Titel "Offene Türen" einleiten, in der unterschiedliche Glaubensgemeinschaften im Großraum Nürnberg sich unter einem gemeinsamen Dach vorstellen. Die Neuauflage präsentiert Nürnberg anläßlich des 950. Jubiläums der Stadt im Jahr 2000 als Ort der religiösen Toleranz.
Herausgegeben wird dieser regionale Leitfaden von der Nürnberger Ortsgruppe der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden", für die Prof. Dr. Johannes Lähnemann, Inhaber des Lehrstuhls für Evangelische Religionspädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg, als Ansprechpartner fungiert.

Neben den großen christlichen Kirchen, der Israelitischen Kultusgemeinde und den muslimischen Gemeinschaften sind die aus dem Fernen Osten stammenden Religionen und kleinere, teils auch weniger bekannte religiöse Gruppen in der Broschüre vertreten. Meist stellen sich die Gemeinschaften mit eigenen Worten vor; vielfach sind Gebete, meditative Texte, Auszüge aus den Schriften der Religionsgründer oder Symbole beigefügt, die in diesem Kontext bedeutsam sind.

So kann das Blättern in den Seiten des Hefts zu einer Entdeckungsreise werden, bei der sich herausstellt, daß das Unbekannte gleich um die Ecke liegt. Kaum verbreitet ist wohl beispielsweise, daß es seit 1998 in Nürnberg einen Hindu-Tempel namens Sithivinajakar gibt und daß in Fürth das Buddhistische Zentrum Chödzong zu finden ist. Nur wenige dürften wissen, wofür ein "Kreuz mit dem Licht der aufgehenden Sonne und den Wellen des Wassers" als Erkennungszeichen steht, was man sich unter Aleviten vorzustellen hat oder was "Ragis" und "Kirtan" in der Religion der Sikhs bedeuten. Daß Serben, Rumänen und Griechen sich in ihrer jeweiligen orthodoxen Gemeinde treffen, wird ebenso wie die Existenz von zwei Begegnungsstuben für Muslime und Christen in Nürnberg nicht allzu vielen geläufig sein, und die Information, daß in dieser Stadt zwölf muslimische Theologinnen arbeiten, mag bei manchen Staunen hervorrufen.

Die Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP, World Conference on Religion and Peace), vor 30 Jahren gegründet, ist seit 1988 mit einer Gruppe in Nürnberg vertreten. Die WCRP strebt keine "Einheitsreligion" an; religiöse Besonderheiten der einzelnen Gemeinschaften sollen weder verwischt noch vernachlässigt werden. Ziel ist es, Vorurteile zu erkennen und zu überwinden, Minderheiten zu schützen und dem Fanatismus gemeinsam entgegenzutreten. Die Broschüre "Offene Türen", 1991 erstmals aufgelegt, soll das gegenseitige Kennenlernen und das Knüpfen von Kontakten erleichtern. Die Neuauflage kann gegen eine Schutzgebühr von 8,50 DM bei Prof. Lähnemann bezogen werden.

* Kontakt:
Prof. Dr. Johannes Lähnemann, Lehrstuhl für Evangelische Religionspädagogik
Regensburger Str. 160, 90478 Nürnberg, Tel.: 0911/53 02 -502, Fax: 0911/53 02 -504
E-Mail: johannes.laehnemann@ewf.uni-erlangen.de
uniprotokolle > Nachrichten > Wegweiser durch einen Ort der religiösen Toleranz

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/54942/">Wegweiser durch einen Ort der religiösen Toleranz </a>