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Deutsch-deutscher Kulturkonflikt in der Psychotherapie

28.08.2002 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Psychoanalytiker tagen vom 6. bis 7. September an der Universität Jena

Jena (28.08.02) Kollegen im Büro geben sich am Morgen die Hand - was Ostdeutsche als freundliche Geste empfinden, halten Zugereiste aus dem Westen anfangs oft für aufdringlich oder verkrampft: Wo sie zu Hause sind, ist der Händedruck für förmliche Begrüßungen reserviert. 13 Jahre nach der Wende tun sich Ost- und West-Bundesbürger mit ihren unterschiedlichen Mentalitäten und Umgangsformen immer noch schwer. Besonders schnell machen sich die Unterschiede in den Köpfen bei einer Psychoanalyse bemerkbar, wenn der Patient aus dem Westen kommt und der Therapeut aus dem Osten oder umgekehrt. Der deutsch-deutsche Kulturkonflikt in der Psychotherapie ist Thema eines Symposiums der Kommission West-Ost der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV), das vom 6.-7. September an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfindet.

"In einer Analyse werden Erinnerungen an die Kindheit hervorgeholt. Therapeuten aus dem Westen können oft nur schwer nachvollziehen, wie ihre Patienten aus dem Osten bestimmte Erinnerungen an eine DDR-Kindheit bewerten", führt Prof. Dr. Dr. Günter Jerouschek als Beispiel für ein typisches Ost-West-Verständigungsproblem in der Psychoanalyse an. Der Jurist und Psychoanalytiker von der Friedrich-Schiller-Universität organisiert das Jenaer Symposium. Auch die unterschiedlichen Selbstbilder von Ost- und Westdeutschen können schuld daran sein, wenn es in einer Therapie zu Spannungen kommt. Nach der Lehre Sigmund Freuds (1856-1939), an der sich die Psychoanalytiker orientieren, übertragen Patienten bei einer Analyse auf ihre Therapeutinnen und Therapeuten Wünsche und Konflikte, die sie unbewusst mit sich herumtragen. Dies erfährt der Therapeut als so genannte "Gegenübertragung", die er sich ständig bewusst machen muss. "Das Bild, das sich ein Therapeut von seinem Patienten macht, hilft ihm zu verstehen, wer er selbst ist und umgekehrt", erklärt Jerouschek. Beim Symposium soll das Modell der Gegenübertragung deshalb systematisch dazu genutzt werden, das jeweilige Selbstverständnis von Ost- und Westdeutschen herauszuarbeiten. "Haben wir uns die unterschiedlichen Selbstbilder erst einmal therapeutisch vor Augen geführt, können wir auch die Frage besser beantworten, wie sie zu Konflikten im tagtäglichen Umgang führen", ist sich Jerouschek sicher.

Die Kommission West-Ost der DPV wurde 1990 gegründet. Mit ihren seit 1993 jährlich abgehaltenen Symposien will sie Therapeuten ein Forum bieten, auf dem Erfahrungen mit deutsch-deutschen Kommunikationsproblemen in der Psychotherapie ausgetauscht werden können. In diesem Jahr findet die Tagung zum ersten Mal in Jena statt. "In Jena, besonders an der Friedrich-Schiller-Universität, ist die Integration von Ost und West schon weit fortgeschritten. Das ist eine gute Basis, um das Anliegen des Symposiums zu verwirklichen", sagt der gebürtige Schwabe Jerouschek, der in Jena als Psychoanalytiker praktiziert.

Psychotherapeuten mit Interesse an der Psychoanalyse, Mitglieder der DPV sowie Ausbildungskandidaten aus Ost und West sind herzlich zu der Tagung eingeladen. Die Teilnahmegebühr beträgt 55 Euro.

Anmeldung:
Sächsisches Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V.
Sekretariat Frau Bahner
Czermaks Garten 11
04103 Leipzig
Tel.: 0341 / 9615603
Fax: 0341 / 9615604

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Günter Jerouschek
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3
07743 Jena
Tel.: 03641 / 942310
Fax: 03641 / 942312
E-Mail: G.Jerouschek@recht.uni-jena.de
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