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Dauerexperiment "Lebenslauf"

22.12.1999 - (idw) HWP - Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik

"Wer heute auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muß seine Biographie ständig neu- und weiterschreiben. Bildung wird heute zur ersten Bürgerpflicht", lautet die These von fünf WissenschaftlerInnen der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP), die seit 20 Jahren die Bildungskarrieren von 133 Hamburgern begleiten. Die Ergebnisse des Langzeit-Forschungsprojektes haben die Professoren Harry Friebel und Heinrich Epskamp zusammen mit den Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen Brigitte Knobloch, Stefanie Montag und Stephan Toth jetzt in der Studie "Bildungsbeteiligung: Chancen und Risiken. Eine Längsschnittstudie über Bildungs- und Weiterbildungskarrieren in der 'Moderne'" veröffentlicht.

Das Buch beschreibt typische Muster der Bildungsbeteiligung einer Generation, die Ende der 70er Jahre als "Kinder" der Bildungsexpansion die allgemeinbildenden Schulen verließ und deren Berufsperspektive sich angesichts von Ausbildungsstellenknappheit und Massenarbeitslosigkeit rapide verschlechterte. Die Genera-tion der geburtenstarken Jahrgänge wurde vom dem bisher noch unbekannten Auf und Ab zwischen Bildungs-op-tionen und Arbeitsmarktrestriktionen zugleich geprägt.
Inzwischen ist die Schwierigkeit, eine eigene Bildungsidentität zu erwerben, zum Normalfall der Schulab-gänger geworden: Die klassischen Strukturgeber "Soziale Ungleichheit und Geschlechterhierarchisierung" werden von "modernen" Strukturgebern ergänzt, nämlich der Notwendigkeit, die eigene Bildungsidentität selbst zu finden und zu organisieren und sich langfristig auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.

Das Bildungssystem, so resümieren die Autoren, habe auf diese neuen Herausforderungen bisher nicht reagiert, sei also dringend reformbedürftig: "Bis heute hat das Bildungssystem seine eigenen Aufgaben hinsichtlich Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung, Integration, Verzahnung, Durch-lässigkeit nicht erledigt, bis heute werden noch 10jährige Schulkinder in Bildungseinbahnstraßen kanalisiert, bis heute findet eine gravierende geschlechtstypische Selektion im Bildungssystem statt."

Die zentralen Fragestellungen des Buches lauten:
- Wie sehen die modernen Muster der Bildungsbiographien in Schule, Berufsausbildung und Weiterbildung aus?
- Wie werden sie im Rahmen von sozialer Herkunft, Geschlechtsrollenzuweisung, Marktradikalität und biographischer Eigenleistung der Betroffenen gestaltet?
- Und wie bewältigen die Menschen das Auf und Ab von Chancen und Risiken?


Das Buch "Harry Friebel, Heinrich Epskamp, Brigitte Knobloch, Stefanie Montag, Stephan Toth: Bildungs-beteiligung: Chancen und Risiken. Eine Längsschnittstudie über Bildungs- und Weiterbildungskarrieren in der 'Moderne'" ist als vierter Band der Reihe "Schriften der Hochschule für Wirtschaft und Politik" im Verlag Leske + Budrich erschienen und kostet DM 75,- (442 Seiten).


Aus dem Inhalt:


A. Bildungsbeteiligung in der "Bildungsgesellschaft" - Beiträge zur Bildungstheorie und -praxis

1. Chancengleichheit durch Bildung
2. Modernisierung: Individualisierung und Institutionalisierung von Bildungsbiographien
3. Bildungsbiographische Gestaltung: Drei Determinanten und ein Joker?
4. Vom Lebensberuf zum lebenslangen Lernen


B. Ein empirisches Forschungsprojekt: Bildungsbiographien in Prozessen der Modernisierung - mehrebenenanalytische inter- und intragenerationelle Längsschnittstudie

1. Fragestellung
2. Stichprobe/Untersuchungssample
3. Erhebungszusammenhang und Methode
4. Familiäre Herkunft, Geschlecht und Schulbildung
5. Berufliche Qualifikation und Erwerbstätigkeit
6. Von der Herkunfts- zur Gründungsfamilie: Partnerschafts- und Familialisierungskarrieren
7. Weiterbildung: Lebenslanges Lernen im Lebenszusammenhang
8. Person, Bildungsbeteiligung, Sozialstruktur
9. Beteiligung und Partizipation: Das Sample im politischen Kontext - Eine Dokumentation


C. Schlußfolgerungen

1. Bildung als Emanzipationsprozeß
2. Es gibt keine Alternative zur Bildungsreform
3. Theorien und Methoden: Alle Möglichkeiten auf den Tisch
4. 18jährige Forschungsarbeit: Ein Projekt wurde volljährig


Ansprechpartner:
Prof. Dr. Harry Friebel
Hochschule für Wirtschaft und Politik
Von-Melle-Park 9
29146 Hamburg
Tel. 040/42838-3205
Fax 040/42838-4150
Email: FriebelH@hwp.uni-hamburg.de

Verantwortlich:
Anne Ernst, Abteilung Kommunikation,
Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg
Tel. 040/42838-2181, Fax 040/42838-4150
email: ErnstA@hwp.uni-hamburg.de
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