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Bevölkerung nimmt Gesundheitspolitik verzerrt wahr

28.08.2002 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt Meinungen zum Gesundheitswesen

Gütersloh, 28. August 2002. Die gesundheitspolitische Diskussion wird in der Bevölkerung zum Teil verzerrt wahrgenommen. Dies zeigt der "Gesundheitsmonitor" der Bertelsmann Stiftung, eine Studie, die auf einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung basiert. So offen­bart beispielsweise die Frage nach den Krankenkassenbeiträgen zahlreiche Fehleinschätzun­gen: Während PDS-Wähler vermuten, dass der Beitrag im Durchschnitt bei 17,4 Prozent liegt, schätzen Wähler der Grünen den Beitragssatz auf 14,6 Prozent und Wähler der SPD auf 14,9 Prozent. Wähler von FDP und CDU/CSU nehmen einen Beitragssatz von 15,9 Prozent an. Der tatsächliche durchschnittliche Beitrag lag zum Zeitpunkt der Befragung bei 13,9 Prozent.

Die Studie zeigt auch, dass die Erwartungen der Wähler an die Gesundheitspolitik nicht im­mer mit den Parteiprogrammen übereinstimmen. Jeder zweite Wähler der CDU/CSU (52 Prozent) und der Grünen (49 Prozent) kann sich mit einer Beschränkung auf eine Grundversor­gung mit privater Zusatzversicherung oder einer Übertragung der Krankenversicherung in die private Verantwortung des Einzelnen anfreunden. "Auch wenn die Formulierungen der Parteien an Deutlichkeit zu wünschen übrig lassen, kann man doch zumindest bei den Grünen einen deutlichen Widerspruch zum erst im März beschlossenen Grundsatzprogramm feststellen", sagt Jan Böcken, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung.

Dass nur jeder dritte FDP-Wähler eine solidarische und umfassende Versorgung aller befür­wortet, überrasche hingegen wenig, so Böcken. Hier sei in der Tendenz eine Übereinstim­mung mit dem Parteiprogramm zu beobachten. Diese Wählergruppe bevorzugt überproporti­onal im Vergleich zu anderen Parteien die Grundsicherung mit optionaler Zusatzversiche­rung (43 Prozent der FDP-Wähler). Etwa zwei Drittel PDS- und SPD-Wähler wünschen sich eine umfassende Versorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung.

Ein möglicher Reformansatz ist die Einführung eines sogenannten "Gatekeeper-Systems", bei dem der Hausarzt erster Ansprechpartner für Neuerkrankungen ist. Obwohl vor allem SPD und Grüne dieses Modell vorschlagen, unterscheiden sich die Wählergruppen in ihrer hohen Akzeptanz (83 Prozent) dieser Idee kaum. Erstaunlicherweise können sich sogar eher Wähler der CDU/CSU und der FDP mit einer Einschränkung auf eine von der Krankenkasse empfohlene Liste von Ärzten anfreunden. "Eine Einschränkung der freien Arztwahl ist in vielen Ländern gängige Praxis. In Deutschland steht der Vorschlag jedoch weit unten auf der politi­schen Agenda, da dies mit einer Verschlechterung der Versorgungsqualität gleichgesetzt wird", sagt Jan Böcken.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt repräsentativ zweimal jährlich Ver­sicherte und einmal im Jahr Ärzte zu den ihrer Meinung nach wichtigsten Themen bei der Reform des Gesundheitswesens in Deutschland. Durch die regelmäßige Befragung können erstmals in Deutschland Veränderungen im Gesundheitswesen über einen Zeitverlauf festge­macht werden. Dadurch kann abgeleitet werden, wie auf gesundheitspolitische Debatten oder Reformen reagiert wird. Die ausführliche Studie erscheint im November.

Rückfragen an: Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-81 462
Melanie Schnee, Telefon: 0 52 41 / 81-81 524
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