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13 Millionen für einen Lehrstuhl Bioinformatik in Würzburg

12.01.2000 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Bioinformatik gilt als äußerst zukunftsträchtiger Wissenschaftsbereich: Sie führt die heute im Zentrum des technischen Fortschritts stehenden Disziplinen Informationstechnologie und Molekularbiologie zusammen. In Deutschland ist die Bioinformatik bislang allerdings nur an wenigen Hochschulen in jeweils anderer Ausprägung vertreten. An der Universität Würzburg soll sie in Form eines Lehrstuhls etabliert werden - so sieht es die High-Tech-Offensive des Freistaates Bayern vor.

13 Millionen Mark sind für die Einrichtung des Würzburger Bioinformatik-Lehrstuhls eingeplant, wie aus der Regierungserklärung von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber vom 12. Oktober 1999 hervorgeht. Damit eröffnen sich den Studierenden an der Universität Würzburg künftig interessante Möglichkeiten, denn es gibt in Deutschland bisher kaum Fachmänner oder Expertinnen in Sachen Bioinformatik - und die Nachfrage ist groß, auch auf internationaler Ebene: "Viele junge Biotechnologie-Firmen arbeiten mit Methoden der Bioinformatik, und entsprechende Spezialisten sind sehr gesucht", sagt der Mikrobiologe Prof. Dr. Werner Goebel, Dekan der Würzburger Fakultät für Biologie.

Warum wird der Bioinformatik eine derart goldene Zukunft prophezeit? Von ihr wird erwartet, dass sie Schlüsselprodukte abwirft. Dies werden zumeist Software-Systeme sein, die beispielsweise bei der molekularbiologischen Diagnose und Therapie von Krankheiten oder beim Design von Medikamenten zum Einsatz kommen. Typisches Beispiel ist das so genannte Screening, also die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen: Dabei geht es etwa darum, aus einer großen Menge verschiedener Moleküle genau diejenigen herauszufinden, die sich für einen bestimmten Zweck eignen, beispielsweise als Hemmstoffe. Mit Hilfe der Bioinformatik lassen sich aus einer Datenbank geeignete Kandidaten vorauswählen. Diese können dann im Experiment getestet werden und später eventuell die Grundlage für ein neues Medikament bilden.

In den vergangenen Jahren wurde damit begonnen, systematisch die gesamte Erbinformation von Lebewesen zu entschlüsseln, und zwar von Bakterien oder Pilzen bis hin zum Menschen. Diese Sequenzierungen liefern derart riesige Datenmengen, dass deren strukturierte Erfassung und Analyse nicht ohne eigens entwickelte Informatik-Methoden zu bewältigen sei, so der Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, Prof. Dr. Jürgen Albert. Neuartige Laborautomaten können beispielsweise täglich mehr als eine Million Bausteine des Erbguts erkennen. Die Interpretation dieser Basisinformationen und die Umsetzung dieses Wissens, zum Beispiel zur Entwicklung neuer Medikamente, bildet derzeit eines der aktivsten interdisziplinären Forschungsgebiete von Informatik, Biologie und Medizin.

In der Region Würzburg sehen die beteiligten Fakultäten - Medizin, Biologie und Mathematik/Informatik - ein attraktives wissenschaftliches und wirtschaftliches Umfeld für den Bioinformatik-Lehrstuhl. Dazu gehört zum Beispiel die Initiative zur Errichtung eines Innovations- und Gründerzentrums "BioMed Würzburg" und entsprechende universitätsnahe Firmengründungen aus den Bereichen Informations- und Biotechnologie sowie Biomedizin. Außerdem bieten sich an der Universität Würzburg selbst viele Kooperationsmöglichkeiten zwischen Biologie, Medizin und Informatik.

Der fakultätsübergreifende Lehrstuhl für Bioinformatik soll im Biozentrum am Hubland untergebracht werden. Einem Senatsbeschluss zufolge wird der Lehrstuhl organisatorisch dem Theodor-Boveri-Institut für Biowissenschaften zugeordnet, während der Inhaber oder die Inhaberin des Lehrstuhls Mitglied der Fakultät für Mathematik und Informatik sein wird.

Die Studierenden der Biologie und der Informatik werden die Bioinformatik als Studienschwerpunkt im Haupt- oder Nebenfach wählen können. Aber auch die Mediziner sollen von dem neuen Lehrstuhl profitieren, indem sie sich im Rahmen des Würzburger MD/PhD-Programms für Bioinformatik als Aufbaufach entscheiden können. Das MD/PhD-Programm ermöglicht es fertig ausgebildeten Medizinern, zusätzlich den Doktorgrad in den Naturwissenschaften zu erwerben.

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