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Wissenschaftsrat begutachtet die Hochschulmedizin in Düsseldorf und Essen

21.01.2000 - (idw) Wissenschaftsrat

Die vom Wissenschaftsrat soeben verabschiedeten Stellungnahmen zu den Medizinischen Fakultäten in Düsseldorf und Essen sind Teil einer Sequenz von Evaluationen hochschulmedizinischer Standorte in Nordrhein-Westfalen.
Die Empfehlungen zielen insbesondere auf die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre, eine stärkere Schwerpunktbildung und standortübergreifende Ressourcenoptimierung sowie auf die jeweilige Baukonzeption.

Die weitgehend traditionell gegliederte Medizinische Fakultät der Universität Düsseldorf verfügt über ein nahezu vollständiges disziplinäres Spektrum in den klinischen Fächern. Im Bundesvergleich liegen beachtliche Leistungen in der Forschung vor. Die Etablierung von institutsübergreifenden, teilweise auch
fakultätsübergreifenden Einrichtungen, wie z.B. dem Biologisch-Medizinischen Forschungszentrum und dem Zentrum für Molekulare Medizin, werden als zukunftsweisend beurteilt. Zur Stärkung der Leistungsfähigkeit wird u.a. die Erhöhung der Mittel für den internen Forschungspool empfohlen. Auch der Medizinischen Fakultät der Universität-Gesamthochschule Essen wird ein breites Spektrum medizinischer Teildisziplinen mit insbesondere im Bereich der klinischen Forschung gut etablierten Schwerpunkten beschei-nigt. Zur Stärkung des wissenschaftlichen Profils wird sie ermuntert, sich um weitere Forschergruppen und einen Sonderforschungsbereich zu bemühen. Auch hier wird empfohlen, die Mittel für die interne Forschungsförderung aufzustocken und für die Vergabe eine externe Begutachtung vorzusehen. Zudem sollten die unübersichtlichen Zentrumsstrukturen neu geordnet und klarere, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit unterstützende Strukturen angestrebt werden.

Dem Aufbau eines an leistungsbezogenen Kriterien orientierten Systems der Vergabe von Sach- und Personalmitteln mißt der Wissenschaftsrat für alle Fakultäten besondere Bedeutung bei. Im Rahmen einer flexiblen und leistungsorientierten Stellenverteilung sollen zudem freiwerdende Stellen in einen Stellenpool einfließen und Rotationsstellen eingerichtet werden, die es Klinikern ermöglichen, ihre Tätigkeit in der Krankenversorgung für gewisse Zeit zugunsten der Forschung auszusetzen. Beide Fakultäten werden aufgefordert, die Bemühungen der letzten Jahre zur Verbesserung von Lehre und Ausbildung weiter zu verstärken. Zudem werden mehr Kurs- und Seminarräume für den klinischen Teil der Ausbildung sowie Räume für Kleingruppenunterricht als erforderlich erachtet.

Zur weiteren Profilschärfung sieht es der Wissenschaftsrat als erforderlich an, daß sich die Fakultäten stärker komplementär ausrichten und mit den umliegenden Medizinischen Fakultäten zusammenarbeiten. So soll z.B. die Transplantationsmedizin - für die sowohl eine kompetente wissenschaftliche Begleitung als auch eine Mindestzahl an Transplantationen Voraussetzung ist - angesichts des sehr gut ausgewiesenen Transplantationszentrums in Essen nicht auch noch in Düsseldorf ausgebaut werden. Die hierfür vorgesehenen Ressourcen sollten vielmehr zur Stärkung bestehender wissenschaftlich leistungsfähiger Bereiche genutzt werden. Gleichwohl sollte aufgrund der hepatologischen Kompetenz in Düsseldorf eine enge Zusammenarbeit beider Standorte erfolgen.

Der bauliche Zustand der Essener Fakultät ist besonders im klinischen Bereich teilweise besorgniserregend. Daß trotz dieser äußeren Umstände beeindruckende Leistungen erbracht werden, ist dem beachtlichen Teamgeist zuzuschreiben. Der Fakultät, die insgesamt an einem Flächendefizit leidet, mangelt es jedoch ganz besonders an Forschungsflächen. Die Schaffung ausreichender Laborkapazitäten und Unterrichtsräume muß daher bei der künftigen Ausbauplanung höchste Priorität haben - so der Wissenschaftsrat. Um die Defizite in der Inneren Medizin zu beseitigen, soll ein "Konservative Zentrum" ebenfalls zügig realisiert werden. Auch für die Weiterentwicklung der Hochschulmedizin in Düsseldorf hält der Wissenschaftsrat die Bereitstellung ausreichender Forschungsflächen in einem flexibel zu nutzenden Verfügungsgebäude für vordringlich, da im klinischen Bereich Forschungsflächen nur ungenügend bzw. zersplittert vorhandenen sind. Ein aufgrund des schlechten Zustands der Altkliniken notwendiger Neubau für die Kopffächer (Neurochirurgie, Augenheilkunde und HNO) soll gleichzeitig verwirklicht werden. An beiden Standorten hält der Wissenschaftsrat angesichts der in den kooptierten
Einrichtungen nutzbaren Betten, der großen Zahl nichtuniversitärer Kliniken in der nahen Umgebung und der zunehmenden Bedeutung der ambulanten Versorgung mittelfristig eine deutliche Reduzierung der Zahl der Planbetten für die Belange von Forschung und Lehre für adäquat.

Der Wissenschaftsrat kündigte an, sich gegen Jahresende standortübergreifend zur Human- und zur Zahnmedizin in ganz Nordrhein-Westfalen zu äußern.


Hinweis:

Die Stellungnahmen zur weiteren Entwicklung der Medizinischen Fakultäten in Düsseldorf
(Drs. 4415/00, 67 Seiten) und Essen (Drs. 4414/00) können bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates schriftlich oder per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert
werden.
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