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Grundsätzliche Fragen an "e-commerce" und Internet

21.01.2000 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Wittener Jahrbuch für ökonomische Literatur 1999 erschienen

Welche Folgen hat das Internet eigentlich für eine Gesellschaft? Ökonomisch, das zeigen zumindest die Börsenkurse der "Neuen Werte", beflügelt das Internet die Wirtschaft - oder zumindest die Erwartungen der Anleger. Aber welchen Wert - auch im gesamt-gesellschaftlichen Sinne - hat das Internet? Welche Normen und Werte beherrschen diese junge "Welt-in-der-Welt"? Und wie nutzt man diese?

Wo bleiben, fragen Geert Lovink und Pit Schulz, wo bleiben denn die Kriterien und Maßstab, um Entwicklungen im Internet zu bewerten? Es gibt eine im Bildungsbürgertum tief und lange verankerte Kunstkritik, eine Kulturkritik, auch eine Medienkritik, aber immer noch keine Netzkritik. Was sind die angeblich so revolutionären Veränderungen die von halb aufgebauten Bildschirmseiten, rivalisierenden und festplatten-fressenden Software-Paketen, defekten Servern und erschreckend hohen Telefongebühren ausgehen?

Wie kann man denn das Netz zuallererstmal wissenschaftlich fassen und beschreiben, fragt Dirk Baecker. Wäre das nicht der zuerst nötige Schritt, bevor man die Furcht vor der Kommerzialisierung auch noch der virtuellen Welt moralisch bewertet?

Wie entstehen den Normen und Werte in der Netzgemeinde, fragt Michael Hutter. Wie entstehen Regeln und Vorschriften in dieser Welt? Durch Selbstregulierung, lautete die klassische Antwort der Wirtschaftswissenschaft auf solche Probleme bisher. Versagt diese Antwort vor dem neuen Phänomen?

Was heißt denn bitte schön elektronische Demokratie, fragt Bernd Carsten Stahl. Wer hat eigentlich Zugang zur dieser Form von "Öffentlichkeit"? Zunächst mal nur, wer gut betucht und gebildet ist und noch dazu auf der nördlichen Halbkugel wohnt - alle anderen werden abgekoppelt und ausgegrenzt. Das Internet kann sehr wohl die Freiheiten des Einzelnen stärken, doch der Zugang ist keineswegs demokratisch geregelt.

Was muss ich persönlich können, um im Internet zu bestehen, fragen Dirk Richter und Andreas Bieringer. Welche Medienkompetenzen brauche ich denn, um als Mitarbeiter für meine Firma weiter interessant zu bleiben? Die Bildung verändert sich unter dem Einfluss des Internet, auch die beruflichen Schlüsselqualifikationen.

Nach diesem ersten grundsätzlichen Teil, taucht das Jahrbuch in die betriebswirtschaftlichen Fragen des Netzzeitalters ein. Wettbewerbsvorteile und -kräfte, Projektmanagement, Controlling sind klassische Themen der Betriebswirtschaftslehre. Aber in Zeiten, in denen virtuelle Firmen nur noch mit virtuellen Waren handeln, bekommen die Begriffe eine neue Dimension: Mitarbeiter kennen sich bestenfalls von Web-Konferenzen, Firmen existieren eigentlich gar nicht mehr, sondern organisieren sich immer neu für neue Aufgaben, und wem ich wann welche Informationen über eine neue Entwicklung gebe, kann über meine Existenz am Markt entscheiden. Vertrauen wird plötzlich zur entscheidenden Grundlage des e-commerce, aber auch zu seiner Archilles-Ferse.

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Universität Witten/Herdecke gibt seit 1995 das Wittener Jahrbuch für ökonomische Literatur heraus. In diesem Jahr unter der Federführung von Prof. Dr. Franz Liebl (Hg.): "e-conomy - Management und Ökonomie in digitalen Kontexten". Metropolis-Verlag, Marburg 1999, ISBN 3-89518-268-0, DM 58,-
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