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Achter Vortrag der Erich-Regener-Vortragsreihe: Experimente in der Ionosphäre.

24.01.2000 - (idw) Max-Planck-Institut für Aeronomie

Zum achten "Erich-Regener-Vortrag" lädt das Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAE) in Katlenburg-Lindau alle interessierten Hörer in seine Räume ein (Ortsteil Lindau, Max-Planck-Straße 2). Am Donnerstag, dem 27. Januar 2000, um 19.00 Uhr, wird Herr Dr. Michael Rietveld einen ca. einstündigen Vortrag über das Thema "Experimente in der Ionosphäre. Heating und HAARP" halten. Herr Dr. Rietveld ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des MPAE. Im Institut wird ein Modell der "Heating"-Anlage aufgestellt sein, ausgedruckte Webseiten zum Thema vermitteln wie immer Zusatzinformationen.

Das Projekt "Heating" (http://www.eiscat.uit.no/heater.html) ist eine in den Jahren 1976 - 1980 durch das MPAE in der Nähe von Tromsø in Nord-Norwegen aufgestellte Anlage zur Untersuchung der elektrisch leitenden hohen Erdatmosphäre (Ionosphäre). Die Bezeichnung "Heating", also "Aufheizen", steht als Kurzform für "aktive Beeinflussung des Zustandes der Ionosphäre durch Radiowellen hoher Intensität". Dabei ist das eigentliche Aufheizen der Ionosphäre nur eines unter vielen Phänomenen, die durch das Auftreffen der Radiowellen auf das Plasma der Ionosphäre in einem Höhenbereich von ca. 60 bis 500 km hervorgerufen werden. Wissenschaftliches Ziel des "Heating"-Projekts ist es, in einem "Reagenzglas ohne Wände" kontrollierte geophysikalische Experimente durchzuführen, also nicht nur passiv zu beobachten, sondern zeitlich und örtlich dosierbare und reproduzierbare Eingriffe vorzunehmen, deren Folgen dann registriert werden. Mit der "Heating"-Anlage allein lassen sich solche Experimente allerdings nicht durchführen. "Heating" dient nur als Sender und kann im Frequenzbereich 4 bis 8 MHz eine Gesamt-Sendeleistung von bis zu 1,2 MW erzeugen. Zur Messung der durch "Heating" hervorgerufenen Phänomene wird u. a. die EISCAT-Radaranlage (EISCAT = "European Incoherent Scatter Association") verwendet. Die von den Ländern Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Norwegen und Schweden finanzierte "European Incoherent Scatter Association" betreibt in Nordskandinavien mehrere Radarstationen. In ihre Trägerschaft ging 1993 auch die "Heating"-Anlage über, die weiterhin vom MPAE genutzt werden kann.

Während "Heating" zwar das Interesse der Wissenschaftler fand, die Öffentlichkeit aber kaum berührte, wurde die im Aufbau befindliche und mit 3,6 MW Gesamt-Sendeleistung imposantere amerikanische HAARP-Anlage (HAARP = High Frequency Active Auroral Research Program, http://www.haarp.alaska.edu/haarp/index.html) sofort als Spitzentechnik ins Fernsehen gebracht. Aber auch sogenannte "wissenschaftskritische" Journalisten wurden neugierig und sorgten für beträchtliche Unruhe. Die mit der Heating-Anlage erzielten Ergebnisse haben gezeigt, daß derartige Befürchtungen unbegründet sind.

Beide Systeme, Heating und HAARP, wird im Rahmen des Vortrags ein anerkannter Fachmann erklären und vergleichen. Dr. Michael Rietveld ist Neuseeländer. Er studierte in seiner Heimat Physik, promovierte 1980 und beschäftigt sich seitdem mit Ionosphärenforschung. Seit 1993 ist er für die Arbeiten mit der Heating-Anlage als "Senior Scientist" voll verantwortlich.

Erich Regener (http://www.physik.uni-stuttgart.de/Allgemein/geschichte/regener.html) (1881 - 1955), dessen Namen die Vortragsreihe trägt, war Physikprofessor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin und an der Technischen Hochschule Stuttgart. Seit 1938 leitete er in Friedrichshafen am Bodensee die "Forschungsstelle für Physik der Stratosphäre in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft". Aus der Forschungsstelle entstand 1952 in Weissenau bei Ravensburg ein Max-Planck-Institut, das nach Regeners Tod nach Südniedersachsen verlagert wurde und eine der beiden Wurzeln des heutigen MPAE bildet. Regeners Interessen galten insbesondere der Kosmischen Strahlung und dem Ozon der Stratosphäre. Seit 1942 entwickelte er zur Erforschung der hohen Atmosphäre erstmals eine wissenschaftliche Nutzlast für eine Rakete, die zwar noch in Peenemünde in die Spitze einer A4-(V2-)Rakete eingebaut, in den Wirren des endenden Krieges aber nicht mehr gestartet wurde.

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