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Lilli Bechmann-Rahn-Preis für Nadia Abou-El-Ela

03.02.2000 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Im Rahmen der gemeinsamen Promotionsfeier der Philosophischen Fakultäten und der EWF der Universität Erlangen-Nürnberg wird am Freitag, 4. Februar 2000, ab 17.15 Uhr in der Aula des Erlanger Schlosses (Schloßplatz 4, 91054 Erlangen) zum zweiten Mal der Lilli Bechmann-Rahn-Preis vergeben.

Der Preis wurde 1999 aus Spendenmitteln gestiftet und wird jedes Jahr für eine hervorragende Dissertation verliehen. Er ehrt zugleich das Andenken der Doktoren, denen die Erlanger Philosophische Fakultät im Nationalsozialismus unter politischem Druck den Titel aberkannt hatte. Lilli Bechmann-Rahn, zu einer alteingesessenen jüdischen Fürther Familie gehörend, war eine von ihnen.

Den Preis erhält in diesem Jahr Frau Nadia Abou-El-Ela für ihre mit "summa cum laude" bewertete Dissertation über "Die Feindbildkonzeption in Wolframs 'Willehalm' und Usamas 'Kitab al-i tibar'". Es ist eine grundlegende Studie zur Verarbeitung weltanschaulicher Differenzen zwischen Islam und Christentum und wurde am Institut für Germanistik bei Prof. Dr. Karl Bertau angefertigt.

Den Festvortrag zum Thema "Ehrfurcht und Mitleid. Zur Rolle von 'Barockmusik' im feierlichen Rahmen" hält Prof. Dr. Wolfgang Horn vom Institut für Musikwissenschaft.


Zur Vorgeschichte des Preises:
Im Zuge der Aufarbeitung des Falles Schneider/Schwerte hat die Philosophische Fakultät II im Jahr 1996 einen Arbeitskreis 'Geschichte der Philosophischen Fakultät während des Nationalsozialismus und danach' eingerichtet, an dem Mitglieder beider Philosophischen Fakultäten beteiligt sind. Der Arbeitskreis hat sich unter anderem mit den Aberkennungen von Doktor-Titeln beschäftigt, die in der Zeit von 1933 bis 1945 auf der Grundlage der heute nicht mehr geltenden Bestimmungen der NS-Zeit vorgenommen worden sind. Es handelt sich um insgesamt 25 Fälle aus den Jahren 1937 bis 1944.

Nach dem Studium der Akten war der Arbeitskreis zu der Auffassung gelangt, daß die Aberkennung der Doktor-Titel, die aufgrund der genannten NS-Bestimmungen vorgenommen worden sind, als ein 'Unrecht von Anfang an' zu gelten hat und deshalb keinen Bestand hat. Eine Wiederzuerkennung der Titel im Sinne eines streng juristischen Verfahrens ist nicht erforderlich, für die beiden Philosophischen Fakultäten sind diese Aberkennungen ungültig. Die Promotionen sind aus dem Promotionsbuch der Philosophischen Fakultäten nicht getilgt. Der Arbeitskreis hat darüber hinaus Erkundigungen eingezogen und, soweit es ihm möglich war, Nachrichten über das weitere Schicksal der betroffenen Doktorinnen und Doktoren eingeholt. Bei der Promotionsfeier am 5. Februar 1999 wurden die Namen der Promovierten mitsamt den Daten und Themen ihrer Dissertation vorgestellt.

Aus diesem Anlaß wurde ein Promotionspreis eingerichtet, der seit 1999 für eine herausragende Promotion im Fächerspektrum "Dr. phil." verliehen wird. Der Preis trägt den Namen einer der damals Promovierten, Lilli Bechmann-Rahn. Der Fall ihrer Titelaberkennung macht die Beschädigungen, die den Promovierten wie ihrer Fakultät zugefügt worden sind, besonders nah und konkret faßlich.

Für den Namensvorschlag Bechmann-Rahn haben folgende Gründe den Ausschlag gegeben: Lilli Bechmann, verheiratete Rahn (geb. 1911 in Fürth, gest. 1970 in Denver/USA), wurde noch am 17.2.1934 mit einer Arbeit über den "Darmstädter Freundeskreis" promoviert. Die vom Gutachter Benno von Wiese mit "sehr gut" bewertete Arbeit war nicht nur damals eine beachtliche Leistung, sondern gehört heute noch zur Standardliteratur über die Kultur- und Geistesgeschichte der 'Empfindsamkeit'. Die zum Zeitpunkt der Promotion 23jährige Literaturwissenschaftlerin stammt aus einer bekannten Fürther Familie. Im Erlanger Promotionsbuch ist sie die jüngste und letzte jüdische Doktorin der nationalsozialistischen Zeit. Lilli Bechmann-Rahn mußte 1938 zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Rahn, der ebenfalls einer jüdischen Familie in Fürth angehörte, in die Vereinigten Staaten emigrieren. Sie hat dort jahrelang ihren Lebensunterhalt mit deutschem Sprachunterricht verdient, aber keine Möglichkeit mehr gefunden, in die Wissenschaft zurückzukehren.

Das Preisgeld von 2.000 Mark wird aus einem Fakultätsfonds bezahlt, der aus Spenden der Professoren der beiden Philosophischen Fakultäten zusammengekommen ist.


* Weitere Informationen:
Dekanat der Philosophischen Fakultäten I und II
Hindenburgstraße 34, 91054 Erlangen
Tel. 09131/85 -23029, Fax: 09131/85 -22176
E-Mail: juergen.rekow@zuv.uni-erlangen.de
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