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Förderpreis für Meeresforschung an Mainzer Biogeochemiker H. W. Bange

03.02.2000 - (idw) Max-Planck-Institut für Chemie

Dem Mainzer Hermann W. Bange, Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Chemie, wurde der diesjährige mare-Förderpreis zugesprochen. Der Preis wird für Studien zum Ökosystem der Meere verliehen.

Dr. Hermann W. Bange vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz ist mit dem Förderpreis für Meeresforschung ausgezeichnet worden. Er teilt sich den renommierten Preis, der von der Zeitschrift mare zum zweiten Mal vergeben wurde und mit 50.000 DM dotiert ist, mit Dr. Joachim W. Dippner vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde in Rostock.

Die Auswahl der Preisträger traf eine Jury aus sieben Fachleuten unter der Schirmherrschaft von Elisabeth Mann-Borgese, Professorin für Seerecht an der Dalhousie University in Halifax, Kanada, Gründungsmitglied des Club of Rome und Gründerin des International Ocean Institute. Mit dem Preisgeld fördert mare Forschungsprojekte auf dem Gebiet umweltrelevanter mariner Naturwissenschaften und Technologien.

Hermann W. Bange wird für seinen originellen Forschungsansatz bei der Lösung des so genannten "ozeanischen Methan-Paradox" ausgezeichnet. Neben Kohlendioxid ist Methan ein weiteres wichtiges klimarelevantes Spurengas, über dessen Bildung im Ozean noch wenig bekannt ist. Methan wird in der Natur meist unter Sauerstoffausschluss (anaerob) beim Abbau von organischem Material durch Bakterien gebildet. Typische Methanquellen sind Feuchtgebiete wie Sümpfe, überflutete Reisfelder oder auch die Sedimente flacher Küstengewässer. Merkwürdigerweise ist aber auch der offene Ozean eine stetige Quelle für Methan. Da jedoch in den sauerstoffreichen (aeroben) oberen Wasserschichten des Ozeans mikrobiell gar kein Methan gebildet werden sollte und auch die (anaeroben) Sedimente als Bildungstätten aufgrund der Wassertiefe nicht als Quelle in Betracht kommen, bezeichnen die Forscher dieses widersprüchliche Phänomen als "ozeanisches Methan-Paradox".

Hermann W. Bange möchte seine Forschung nun der photochemischen Produktion von Methan in Seewasser als einem möglichen alternativen Bildungprozess widmen. In Zusammenarbeit mit der international renommierten Universität Newcastle upon Tyne in England plant er, auf Forschungsfahrten in der Nordsee Wasserproben zu sammeln und damit im Labor Bestrahlungsexperimente durchzuführen. Denn ein bisher so gut wie gar nicht erforschter Lösungsansatz für das "Methan-Paradox" ist der Einfluss des Sonnenlichts, d.h. die photochemische Bildung von Methan aus gelöster organischer Materie im Seewasser, die sowohl terrestrischen Ursprungs, als auch vom Plankton produziert sein kann. Der Nachweis einer signifikanten photochemischen Bildung von Methan hätte weitreichende Folgen: Durch den verstärkten Abbau von Ozon in der Stratosphäre (Stichwort "Ozonloch") ist mit einer Zunahme von ultravioletter (UV-B) Strahlung auf der Erde zu rechnen. Die Lichtabsorption von im Seewasser gelöster organischer Materie, die hauptsächlich aus so genannten Huminstoffen (wegen ihrer Farbe auch Gelbstoffe genannt) besteht, ist im ultravioletten Bereich am stärksten, und die Bildungsraten von Methan sind vermutlich dort am höchsten. Damit könnte in Zukunft eine zunehmende Methanemission aus dem Ozean stattfinden. Solch ein Rückkopplungsmechanismus würde den Treibhauseffekt auf der Erde vermutlich weiter verstärken.

Weitere Information sind erhältlich von:

Dr. Hermann W. Bange
Max-Planck-Institut für Chemie
Abteilung Biogeochemie
Postfach 3060
55020 Mainz
Tel.: 06131-305307
Fax: 06131-305487
E-Mail: bange@mpch-mainz.mpg.de
URL: http://www.mpch-mainz.mpg.de/~bange/
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