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Biologie der Lymphozyten und Praxiserfahrung für den Berufseinstieg

07.02.2000 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Land Bayern fördern ab dem 1. Mai 2000 mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Mark ein neues Graduiertenkolleg an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ziel des neueingerichteten Graduiertenkollegs ist die Ausbildung und Förderung von naturwissenschaftlichen und medizinischen Doktoranden auf dem Gebiet der Lymphozytenbiologie. Der Forschungsschwerpunkt des Kollegs konzentriert sich auf die Untersuchung der Entwicklung von Lymphozyten, deren Entgleisungen bei Autoimmunkrankheiten und chronischen Entzündungsprozessen sowie der Entstehung von Tumoren des Immunsystems.

An dem Kolleg sind 16 Projektleiter aus 6 Instituten und Abteilungen der Medizinischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät II beteiligt. Das Kolleg vertritt die Idee "nicht nur Forschung, auch Beruf". Workshops zur Präsentation wissenschaftlicher Daten, der Betreuung von Mitarbeitern und Wissenschaftsethik sowie ein durch das Kolleg finanziertes "Trainee"-Programm in einer deutschen Pharmafirma oder an einer europäischen bzw. nordamerikanischen Universität werden alle Doktoranden auf den Beruf des Forschers besonders gut vorbereiten.


Säule des Immunsystems

Lymphozyten - weiße Blutzellen - sind eine tragende Säule unseres Immunsystems. Sie erkennen körperfremde Molekülstrukturen und können dadurch Infektionserreger abwehren. Bei einer Fehlfunktion der Lymphozyten treten Autoimmunkrankheiten, chronische Entzündungsprozesse sowie Leukämien und andere Krebsarten auf. Das Graduiertenkolleg "Lymphozyten: Differenzierung, Aktivierung und Deviation" vermittelt seinen Doktoranden breites Wissen auf dem Gebiet der Lymphozytenbiologie und führt sie in die aktuellen Probleme und Methoden der immunologischen Forschung ein. Für Kollegiaten, die nur geringe Kenntnisse in Immunologie besitzen, werden einführende Vorlesungen und Seminare angeboten. Die Ergebnisse der Projekte des Kollegs werden dazu beitragen, durch Lymphozyten verursachte Krankheiten besser zu verstehen und Therapiemöglichkeiten zu finden.

Insgesamt beteiligen sich sechs Institute und selbständige Abteilungen der Medizinischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU am Kolleg: Klinische Immunologie und Rheumatologie an der Medizinischen Klinik III (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim R. Kalden), Molekulare Immunologie an der Medizinischen Klinik III (Leiter: Prof. Dr. rer. nat. Hans-Martin Jäck), Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene (Prof. Dr. med. Martin Röllinghoff), Experimentelle Medizin I (Prof. Dr. rer. nat. Klaus von der Mark), Pharmakologie (Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kay Brune) und Dermatologische Klinik (Prof. Dr. med. Gerold Schuler) sowie der Lehrstuhl für Genetik (Leiter: Prof. Dr. rer. nat. Georg Fey) an der Naturwissenschaftliche Fakultät II. Prof. Jäck ist Sprecher des Kollegs. Das Kolleg richtet sich an alle Naturwissenschaftler mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium und Medizinstudenten nach dem Physikum.

Durch die institutsübergreifende Zusammenarbeit konnten die Forschungsthemen im Kolleg so gewählt werden, daß Graduierte im Kolleg ein möglichst umfassendes Bild der derzeitigen Lymphozytenforschung gewinnen. So werden beispielsweise im Teilbereich "Differenzierung" zelluläre und molekulare Mechanismen der Entwicklung reifer Lymphozyten aus unreifen Vorläuferzellen untersucht. Der Bereich "Aktivierung" erforscht die molekularen Schritte, die an der Entstehung aktivierter Lymphozyten aus reifen naiven Lymphozyten nach deren Aktivierung durch Pathogene beteiligt sind. Die Untersuchung krankhafter Entgleisungen bei der Entwicklung und Aktivierung von Lymphozyten ist schließlich Gegenstand des Bereichs "Deviation". Die Forschungsthemen dieses Bereiches befassen sich mit der akuten lymphoblastischen Leukämie von Kleinkindern, malignen Plasmazelltumoren, dem Systemischen Lupus erythematodes und der Rheumatoiden Arthritis. Die Abstoßung von transplantierten Organen und der Mechanismus, mit dem sich das HIV bei Patienten mit noch gesundem Immunsystem der Entdeckung entzieht, werden ebenfalls erforscht.


Neue Inhalte: Einführung in den Alltag des Forschers

Die Initiatoren des Kollegs wollen jedoch mehr erreichen, als nur Wissenschaftler auf dem Gebiet der Lymphozytenbiologie auszubilden. Zum einen soll die Promotionsdauer gesenkt und gleichzeitig eine hohe Qualität der Ergebnisse erreicht werden. Zu diesem Zweck werden die Kollegiaten intensiv durch mehrere Hochschullehrer betreut, und ein "eingebauter Erfahrungsaustausch" zwischen den Gruppen des Kollegs und mit Forschern von außerhalb soll mögliche Fehlentwicklungen rechtzeitig aufzeigen und gegebenenfalls korrigieren. Zum anderen will man die Berufschancen der Kollegiaten verbessern, indem neue Themen wie Kommunikation, Präsentation von Ergebnissen, Mitarbeiterführung, Antragswesen und Wissenschaftsethik unterrichtet werden. Die dreimonatige "Trainee"-Phase in einer deutschen Pharmafirma oder an einer nordamerikanischen Forschungseinrichtung, die alle Kollegiaten absolvieren können (und für die das Kolleg Reise- und Unterbringungskosten trägt), bietet die Chance, die Aufgaben eines Berufsforschers kennenzulernen und gleichzeitig Kontakte für das spätere Leben zu knüpfen.

Eine Reihe verschiedener Veranstaltungen werden die Ausbildungsinhalte vermitteln. Wöchentlich findet ein Arbeitsseminar statt, das die Kollegiaten selbst organisieren. Hier stellen die Doktoranden den Fortschritt ihrer Arbeit dar, fassen ein aktuelles Thema der Lymphozytenbiologie zusammen oder moderieren den Vortrag zweier Gastredner.

Ein- bis zweitägige Workshops bieten genug Zeit, um "Sonderthemen" wie Kommunikationstraining, Wissenschaftsethik und Bewerbungstraining, aber auch Fachthemen - z.B. "Immunologische Methoden" und "Konzepte der Immunologie"- ausführlich zu behandeln. Es ist vorgesehen, für die jeweiligen Gebiete kompetente Referenten von anderen Universitäten, der Industrie und professionellen Trainingsinstituten einzuladen.

Einmal pro Jahr findet ein Berichtssymposium statt, organisiert in Form eines kleinen Kongresses außerhalb Erlangens. Dort präsentieren die Doktoranden ihre Resultate und müssen sich wiederum den Fragen auswärtiger Gäste stellen.

Die Kollegiaten werden aufgefordert, kurze Projekte aus ihrer Doktorarbeit als F2-Praktika an Studenten zu vergeben und zu betreuen. Auf diese Weise erwerben sie Erfahrung in der Führung und Motivation von Mitarbeitern. Schließlich soll jeder Kollegiat sich in der Öffentlichkeitsarbeit durch einen Vortrag vor einem Laienpublikum, z.B. an einer Schule oder Volkshochschule, zu einem immunologischen Thema wie Schutzimpfung, HIV oder Rheuma beteiligen.

Die beteiligten Einrichtungen und Forschungsgruppen bieten mit den vorhandenen Laborräumen und Geräten ausgezeichnete Arbeitsbedingungen, unter anderem durch die Einbindung in viele Drittmittelprojekte. Zentrale des Graduiertenkollegs mit dem Sekretariat wird das neue Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin sein. Es bietet exzellente Voraussetzungen in allen Bereichen der Proteinbiochemie, der Zellbiologie und Molekularbiologie und verfügt über hervorragend ausgestattete Seminarräume, wo unter anderem die Arbeitsseminare und Workshops stattfinden.

* Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Sprecher des Graduiertenkollegs "Lymphozyten"
Abteilung für Molekulare Immunologie, Nikolaus-Fiebiger-Zentrum,
Glückstraße 6, 91054 Erlangen
Tel.: 09131/85 -35913, Fax: 09131/85 -39343
E-mail: HJAECK@expmed.uni-erlangen.de
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