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Dresdner Bank schenkte der Universität Heidelberg zwei kostbare Briefe

09.02.2000 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vorstandsmitglied Heinz-Jörg Platzek überreichte dem Rektor der Universität, Prof. Dr. Jürgen Siebke, die beiden aus Privatbesitz erworbenen Briefe für die Universitätsbibliothek - Vom 28. April bis zum 28. Oktober 2000 im Original zu bewundern

Die Dresdner Bank schenkte der Universität Heidelberg jetzt zwei wertvolle Briefe: einen eigenhändig geschriebenen Brief Liselottes von der Pfalz an Mme de Puidebar vom 16. Januar 1703 und einen Brief des Großvaters von Liselotte, Kurfürst Friedrich V. Bei der Übergabe an Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke wies das Mitglied des Vorstands der Dresdner Bank AG, Heinz-Jörg Platzek, auf die Aufgabe der Universität hin, das kulturelle Erbe der Stadt Heidelberg zu wahren. Die beiden aus Privatbesitz erworbenen Briefe sind für die Universitätsbibliothek bestimmt und werden vom 28. April bis zum 28. Oktober 2000 im Original zu sehen sein. Platzek äußerte die Hoffnung, der Universität "mit diesen literarischen Zeugnissen, die wichtige Quellen für das Zeitgeschehen und das Alltagsleben in der damaligen Zeit darstellten, eine Freude zu machen". Anlass für die Spende war die Einweihung des denkmalgeschützten Filialgebäudes der Bank am Adenauer Platz, das nach zweieinhalbjährigem Umbau im Rahmen einer festlichen Feierstunde seiner Bestimmung übergeben wurde.

Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans - vielen als Liselotte von der Pfalz bekannt - wurde am 27. Mai 1652, vier Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, in Heidelberg als Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz geboren und aus dynastischen Gründen gegen ihren Willen 1671 mit Herzog Philipp dem I. von Orléans, dem Bruder des französischen Königs Ludwig XIV., verheiratet. Seit ihrer Hochzeit 1671 lebte sie bis zu ihrem Tod am 8. Dezember 1722 in Frankreich und sollte ihre geliebte Pfalz nie wiedersehen. Ihre Erbansprüche beim Tode ihres Bruders 1685, des Kurfürsten Karl, boten Ludwig dem XIV. den Anlass zum Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf Heidelberg 1689 und 1693 erobert und systematisch zerstört wurde.

Fast 5000 Briefe Liselottes sind der Forschung bekannt

Liselotte konnte auf diese Geschehnisse keinerlei Einfluss nehmen. Sie blieb ein Fremdkörper am französischen Hof. Dass sie gleichwohl bis zum heutigen Tag über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügt und gerade auch in der Pfalz populär ist, verdankt sie ihrer Leidenschaft, dem Briefeschreiben. Fast 5000 Briefe von ihr sind der Forschung bekannt, zum Teil auf Französisch, zum Teil auf Deutsch geschrieben. Liselottes Briefe sind wichtige Quellen für die Zustände am französischen Hof und für die politischen Ereignisse der Jahre 1670 bis 1722. Sie geben darüber hinaus breit gefächerte Einblicke in das tägliche Leben dieser Zeit und spiegeln in ihrer urwüchsigen und zuweilen derben Diktion den Charakter der Briefeschreiberin.

Von den fast 5000 Briefen, die Liselotte geschrieben hat, besitzt die Universitätsbibliothek Heidelberg bislang nur einen recht kleinen Teil, nämlich 56 Briefe. 47 davon richten sich an die Versailler Hofdame Marie Elisabeth de Lüdre (1647-1726). Diese Briefe sind 1981 von Jürgen Voss für die Forschung erschlossen worden. Weitere neun Briefe wurden an verschiedene Adressaten geschrieben, zum Beispiel an die Marquise de Maintenon, an Luis Joseph, den Herzog von Vendome, oder an Graf Bartolomeo Odoardo di Rivasso, den französischen Gesandten in Parma. Diesem Heidelberger Bestand, der in der Handschriftenabteilung unter der Signatur Heid. Hss zu finden ist, wird das Geschenk der Dresdner Bank hinzugefügt: ein eigenhändiger auf Französisch geschriebener Brief Liselottes an eine gewisse Mme de Puidebar vom 16. Januar 1703 sowie ein kalligraphisch sehr schön gestalteter Brief des Großvaters von Liselotte, des Kurfürsten Friedrich V., den dieser am 27. April 1615 an den Regensburger Bischof Albrecht schrieb.

Universität Heidelberg dankt der Dresdner Bank

Die Universität Heidelberg und ihre Bibliothek sind der Dresdner Bank einmal mehr zu Dank verpflichtet. Die Bibliothek hat sich spontan entschlossen, beide Briefe noch nachträglich in das bereits vorliegende Konzept der Ausstellung "Kostbarkeiten gesammelter Geschichte" einzuarbeiten. So wird die interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, vom 28. April bis zum 28. Oktober 2000 die beiden einmaligen Dokumente im Original zu sehen.

Auch in den vergangenen Jahren unterstützte die Dresdner Bank die Arbeit der Bibliothek großzügig, zum Beispiel bei der Erwerbung der Handschrift des Matthias von Kemnat im Jahre 1997. Unvergessen bleibt auch das Engagement der Bank bei den Bemühungen um die Beibehaltung der Öffnungszeiten.

Rückfragen bitte an:

Dr. Hermann Josef Dörpinghaus,
Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg
Tel. 06221 542380, Fax 542623

oder:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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