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Studie: Familienpolitik setzt falsche Anreize

30.08.2002 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung kritisiert zu starke Fixierung auf Geldleistungen

Gütersloh, 30. August 2002. Die deutsche Familienpolitik muss dringend reformiert werden. Eine international vergleichende Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass es hierzulande vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schlecht bestellt ist. Die Familienpolitik sei viel zu stark auf Geldleistungen fixiert, die Betreuungsleistungen würden dagegen vernachlässigt. "Damit sind die Anreize völlig falsch gesetzt", sagte Werner Eichhorst, Mitautor der Studie. Insbesondere Frauen mit Kindern, die der Arbeitsmarkt ange­sichts des demografischen Wandels schon bald benötigen werde, erhielten Prämien, damit sie Heim und Herd nicht verlassen.

Die Untersuchung zeigt, dass Eltern in Deutschland zwar Anspruch auf einen mit 36 Monaten sehr langen Erziehungsurlaub ("Elternzeit") haben - in Schweden sind es 18 Monate, in Dä­nemark nur zwölf Wochen. Allerdings ist das Erziehungsgeld mit monatlich maximal 460 Euro im ersten Jahr sehr niedrig. In Schweden sind es 80 Prozent des Einkommens, in Däne­mark maximal 1.580 Euro pro Monat. "Zusammen mit der materiellen Förderung für die Fa­milien über das im Vergleich sehr hohe Kindergeld und die entsprechenden Kinderfreibeträge stellt dies insgesamt einen erheblichen Anreiz für Mütter dar, längere Zeit aus dem Erwerbs­leben auszuscheiden", sagte Eichhorst.

Entscheiden sich junge Mütter dennoch für eine Arbeit, stehen sie vor dem Problem, eine Betreuung für ihr Kind zu finden. Kinder unter drei Jahren werden mit nur acht Prozent au­ßerhalb der Familie betreut. In Dänemark sind es 64 Prozent und in Schweden 48 Prozent. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren fehlt oft eine Betreuungsmöglichkeit über Mittag und am Nachmittag. Gleiches gilt für Kinder im Grundschulalter. Nur acht Prozent dieser Kinder werden über Mittag und am Nachmittag betreut. Die meisten anderen Länder bieten hingegen eine Ganztagsbetreuung in allen Schulformen an.

Die deutsche Familienpolitik war im Jahr 2000 mit 85,6 Milliarden Euro zwar vergleichs­weise teuer. Für Betreuungsleistungen werden jedoch nur 27 Prozent des Budgets verwendet. In Dänemark sind es dagegen 59 Prozent und in Schweden 54 Prozent. "Vor diesem Hinter­grund müssen die Betreuung für Kinder ausgeweitet und Fehlanreize im Steuersystem besei­tigt werden", sagte Eichhorst. Ein weiterer Ausbau von Transferleistungen oder Steuerver­günstigungen bringe kaum etwas. Schon die letzte Kindergelderhöhung um insgesamt 3,2 Mrd. Euro hätte in den flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung investiert werden sol­len.

Die Befunde sind Resultat einer international vergleichenden Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Titel "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Sie ist der erste Band der Reihe "Benchmarking Deutschland aktuell", die künftig in kürzeren Abständen Problemlagen des deutschen Arbeitsmarktes im internationalen Vergleich untersuchen soll.


Rückfragen an: Dr. Werner Eichhorst, Telefon: 0 173 / 26 22 199
Eric Thode, Telefon: 0 52 41 / 81-81 581
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