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Deutliche Investitionsentscheidungen gefordert

17.02.2000 - (idw) Fachhochschule Potsdam

Offener Brief der Landesrektorenkonferenz an Regierung und Landtag

Anläßlich der Haushaltsberatungen in der Landesregierung weist die Brandenburgische Landesrektorenkonferenz (BLRK) auf die Bedeutung der Wissenschaft für die Landesentwicklung hin und fordert eine deutliche Prioritätensetzung für die Hochschulen.

Am Beispiel der Fachhochschule Zürich verdeutlichen die Sprecher der BLRK Prof. Dr. Ernst Sigmund, Rektor der BTU Cottbus und Prof. Dr. Helmut Knüppel, Rektor der FH Potsdam den drastischen Rückstand Brandenburgs in der Förderung der Wissenschaft:

Die FH Zürich verfügt bei 8000 Studierenden jährlich über einen Etat von 408 Mio. DM, während die neun brandenburgischen Hochschulen mit zusammen ca. 30.000 Studierenden mit 375 Mio. DM auskommen müssen.


Für weitere Informationen stehen Ihnen Prof. Dr. Ernst Sigmund, Tel. 0355/692292 und Prof. Dr. Helmut Knüppel, Tel. 0331/5801001 gerne zur Verfügung.


Der Offene Brief im Wortlaut:

Offener Brief anläßlich der Haushaltsberatungen in der Landesregierung zu den Haushalten 2000 und 2001


Gemeinsam mit den Vertretern der Wirtschaft und der Verbände drängen die Hochschulen des Landes seit Jahren auf eine deutliche Kurskorrektur in der Finanzierung der Hochschulen.

Das "Schellnhuber-Simon-Weiler-Gutachten", das "Forum Zukunft Brandenburg - 2025 in der Mitte Europas" sowie vielfältige weitere Stellungnahmen haben deutlich gemacht, daß der Anschluß unseres Landes an die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland oder gar an die international führenden Wirtschaftsregionen der Welt nur über deutliche Investitionssteigerungen in Wissenschaft und Forschung erreichbar ist. Die Arbeitsplätze der Zukunft liegen im Bereich wissensgestützter hochwertiger Produktionen und wissensvermittelnder Dienstleistungen.

Spätestens seit dem Ressortbericht des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur vom 30.11.1998 ist den Mitgliedern des Kabinetts bekannt, daß das Land Brandenburg im Vergleich mit anderen Bundesländern bei den Ausgaben für Wissenschaft und Forschung über alle Indikatoren hinweg am ungünstigsten abschneidet und "daß weitere Einsparungen die bereits jetzt systematisch unterfinanzierte Hochschullandschaft insgesamt in Frage stellen werden".

Deutschland liegt mit der Zahl in der Wissenschaft tätiger Menschen in Europa unter dem Durchschnitt - und gegenüber Israel, USA und Japan deutlich zurück. Kommen in Westdeutschland auf 1.000 Einwohner 4,3 in der Wissenschaft Tätige, so sind es in Ostdeutschland nur 1,1, in den USA und Japan 8,0 und in Israel 13,5. Bezogen auf die Einwohnerzahl besitzt das Land Brandenburg mit zur zeit etwa 17.000 realisierten und 34.400 geplanten flächenbezogenen Studienplätzen die geringste Studienplatzdichte Deutschlands. Die aus wenigen kleinen Hochschulen bestehende Hochschullandschaft Brandenburgs wird zudem zunehmend schlechter finanziert. Während in Brandenburg neun Hochschulen, die immerhin 30.000 Studierende versorgen, mit 375 Mio DM auskommen müssen, gibt der Kanton Zürich allein für die Fachhochschule Zürich mit 8.000 Studierenden jährlich 340 Mio Schweizer Franken, das sind 408 Mio DM ohne Bauinvestitionen, aus.

Seit der Wende hat sich die wirtschaftliche Struktur des Landes stark verändert. Viele alte Arbeitsplätze sind weggebrochen, während neue entstanden sind. Doch trotz einer gegenläufigen Entwicklung in den alten Bundesländern steigen die Arbeitslosenzahlen weiter. Die Hochschulen des Landes Brandenburg haben in den neun Jahren ihres Bestehens wichtige Akzente gesetzt bei der Förderung und Entwicklung des Wissens- und Technologietransfers und bilden inzwischen auch einen Anreiz für Unternehmensansiedlungen, die in der Regel nur dort stattfinden, wo ein entsprechend qualifiziert ausgebildetes Arbeitskräftepotential vorhanden ist.
Wenn wir die Entwicklung des Landes stärken wollen, wenn wir den vielen begabten jungen Menschen eine Perspektive in Brandenburg geben wollen, dann müssen der Erkenntnis, daß die Zukunft nur durch verstärkte Wissenschafts- und Wirtschaftsführung zu sichern ist, endlich Taten folgen.

Wir bitten Sie, mit den Haushalten 2000 und 2001 trotz aller Schwierigkeiten durch eine deutliche Korrektur der Haushaltsansätze nach oben eine Wissenschafts- und Bildungsoffensive für unser Land einzuleiten, damit unser Land endlich die Chance erhält, eine international konkurrenzfähige Wissenschafts- und Wirtschaftsregion zu werden und die vielen hochbegabten jungen Bürger unseres Landes veranlaßt werden, ihre Qualitäten zum Wohle Brandenburgs einzusetzen.

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