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Bamberger Forschungsschwerpunkt "Integration und Transformation in Europa" legt Ergebnisse vor

17.02.2000 - (idw) Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Rund 20 Professoren aus nahezu allen Fachbereichen der Universität Bamberg koordinieren seit 1993 im Forschungsschwerpunkt "Integration und Transformation in Europa (ITE)" ihre Arbeiten zum Thema Europa. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Unter anderem werden die Wissenschaftler für Gutachten in den Staaten Mittel- und Osteuropas herangezogen. Im neuen Heft der Bamberger Schriftenreihe "Forschungsforum" werden die aktuellen Analysen vorgestellt.

Bamberger Professoren europaweit gefragt
Interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt "Integration und Transformation in Europa"

Ihre Arbeit widmen sie den aktuellen Entwicklungen in Europa. Und ihre Erkenntnisse sind europaweit gefragt: Bamberger Professoren erarbeiteten ein Gutachten für den Finanzausgleich in Estland und für Albanien eine Studie über den Aufbau von Ministerien. Auch die Umgestaltung der rechtlichen Strukturen in der Tschechischen Republik begleiteten oberfränkische Wissenschaftler kritisch. Mehr noch: Seit 1993 koordinieren rund 20 Bamberger Professoren ihre Forschungsarbeiten im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Integration und Transformation in Europa (ITE), um die gegenwärtigen europäischen Prozesse besser analysieren zu können. Dabei sind fast alle Fakultäten der Universität Bamberg vertreten, von Sozial- und Wirtschaftswissenschaften über Geschichts- und Geowissenschaften bis hin zu Pädagogik, Philosophie, Psychologie. Im Dezember 1999 ist die jüngste Ausgabe der Schriftenreihe "Forschungsforum" erschienen, die eben diesem großen Forschungsschwerpunkt gewidmet ist.
Die Bereiche der Wirtschafts-, Finanz-, Sozial- und Geldpolitik sowie der Strukturänderung in Europa nehmen einen besonders hohen Stellenwert ein. Nicht weiter erstaunlich angesichts der Globalisierung und Internationalisierung der Märkte. Prof. Dr. Heinz-Dieter Wenzel (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbes. Finanzwissenschaft), Sprecher des Forschungsschwerpunkts ITE, sieht denn auch nicht zuletzt die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft der "internationalen Ökonomie" gefordert. "Was die Gesellschaften derzeit an Umgestaltung bewegt, sind die klassischen Arbeitsgebiete der Volkswirte."
Der starken Integrationsbewegung mit Rechts- und Strukturangleichungen innerhalb Westeuropa steht dabei insgesamt ein dynamischer Transformationsprozess der Staaten in Mittel- und Osteuropa gegenüber. Deren Umgestaltung hin zu Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen westlicher Prägung ist langfristig ebenfalls als eine europäische Integration zu betrachten. Sofern es gut läuft. Denn ein derartig einschneidender Transformationsprozess muss nicht automatisch erfolgreich verlaufen, wie Prof Dr. Hans. Rattinger (Lehrstuhl für Politikwissenschaft I) und seine Mitarbeiterin Barbara Evers in ihrem Beitrag betonen. Während die Demokratien der Baltischen Länder gefestigt erscheinen, fällt die Diagnose der Wissenschaftler für die beiden "Großen unter den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Russland und Ukraine, eher negativ aus. Zwar habe die hohe Unzufriedenheit in Russland bislang keine Abnahme der Wahlabsichten zur Folge gehabt. Doch nehme die Gefahr der Wahl extremer Parteien in einer derartigen Situation zu.
Ein solches psychologisches Element sieht Prof. Wenzel auch als Ursache für die Wahl eines "sozial abfedernden" Umgestaltungsmodells von der Plan- zur Marktwirtschaft in den Neuen Bundesländern. In seiner Untersuchung der Rolle des Staates im Transformationsprozess kommt Wenzel jedoch zu dem Ergebnis, dass ein abgestufter Übergang, der die Belastung vor allem den Betrieben aufbürdete, die stets auch ineffektive Arbeitsstrukturen mit übernehmen mussten, die Umgestaltung unter Umständen eher verzögert hat. Bei der sogenannten "Big-Bang-" oder "Schocklösung" bei der Einführung der Marktwirtschaft dagegen wäre zwar die Arbeitslosigkeit zunächst noch viel höher gewesen. Doch durch die Minderbelastung der Unternehmen hätten diese mittelfristig schneller wachsen können - und so wieder Arbeitsplätze schaffen. Für eine solche Lösung sei allerdings auch "politischer Mut" nötig, meint Prof. Wenzel. Und dieser habe angesichts der gesellschaftlichen Probleme bei der Wiedervereinigung gefehlt. "Die Regierung Kohl hat sich hinter der Treuhand versteckt."
Insgesamt lässt sich sagen: Ob "Europa im Mittelalter", der "Weg zum Euro" oder die "Transformation des Rechts in den Staaten Mittel- und Osteuropas" - die Themen der Beiträge im "Forschungsforum" stehen nur scheinbar isoliert nebeneinander. Bei näherem Hinsehen verknüpfen sich die verschiedenen Perspektiven und Ansätze zu einem Netzwerk von Analysen, die die gegenwärtige Entwicklung etwas leichter verstehbar machen. Oder um es mit Prof. Wenzels Worten auszudrücken: "Die Summe der Beiträge schafft etwas Neues."
Hannelore Piehler

Forschungsforum Heft 9: "Integration und Transformation in Europa". Hg von Heinz-Dieter Wenzel. Bamberg 1999.

Kontaktadresse:

Forschungsschwerpunkt "Integration und Transformation in Europa"
Sprecher: Prof. Dr. Heinz-Dieter Wenzel
Feldkirchenstr. 21
96052 Bamberg

Fax: 0951/863-5547
E-mail: heinz-dieter.wenzel@sowi.uni-bamberg.de
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