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Neues Verfahren verbessert die Therapie für HIV-Patienten

23.02.2000 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Mediziner von der Universität Würzburg haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich während der HIV-Therapie die Konzentration bestimmter Arzneistoffe im Blut exakt bestimmen lässt. Mit Hilfe dieser Methode, die sich für den Einsatz im Klinikalltag eignet, kann die Wirksamkeit der Therapie entscheidend verbessert werden.

Seit 1996 ist die durch AIDS verursachte Sterberate in den westlichen Industriestaaten um über die Hälfte zurückgegangen - eine Entwicklung, die lange Jahre undenkbar war. Auch die Anzahl der Neuerkrankungen hat sich erheblich verringert. Zurückzuführen ist dies auf zahlreiche neue Medikamente, mit denen die Vermehrung des HI-Virus aufgehalten werden kann.

Derzeit sind in Deutschland zwölf verschiedene Medikamente zugelassen, die grundsätzlich kombiniert angewendet werden. Mit dieser Strategie kann bei vielen Patienten die Menge der HI-Viren unter die Nachweisgrenze gesenkt werden. In der Regel steigt dann auch die Anzahl der für das Immunsystem sehr wichtigen T-Helferzellen an und das Befinden der Patienten verbessert sich.

Die derzeitige Standardtherapie bei einer HIV-Infektion besteht in einer Kombination aus so genannten Reverse-Transkriptase- und Protease-Hemmern. Um damit das Virus auf Dauer in Schach halten zu können, ist allerdings eine langfristige und konsequente Einnahme der Medikamente notwendig. Dies stellt hohe Anforderungen an die Patienten: "Häufig müssen sie jeden Tag zehn bis zwanzig Tabletten in einer fest vorgeschriebenen Reihenfolge einnehmen, wobei Nebenwirkungen nicht selten sind", so der Würzburger Mediziner PD Dr. Hartwig Klinker.

Problematisch sei auch, dass die Protease-Hemmer in der Leber stark verstoffwechselt werden und sowohl untereinander als auch mit vielen anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Dadurch kann sich ihr Wirkstoffspiegel entweder erhöhen oder erniedrigen, was die Behandlung in einigen Fällen stört und verkompliziert. Allerdings lassen sich die Wechselwirkungen auch für die Therapie ausnutzen. Dr. Klinker: "Einige Protease-Hemmer blockieren sich gegenseitig in ihrem Abbau. Werden sie gleichzeitig verabreicht, dann fällt ihr Wirkspiegel im Blut viel langsamer ab, so dass sie nur zwei- statt dreimal täglich gegeben werden müssen und zudem die Dosis reduziert werden kann. Das erleichtert die Therapie für viele Patienten."

Durch die Bestimmung der Konzentration der Protease-Hemmer im Blut können die genannten Wechselwirkungen sichtbar gemacht und damit die Therapie optimiert werden. Dieser Fortschritt war dank eines neuen Verfahrens möglich, das die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ernst Richter, PD Dr. Klinker, Dr. Peter Langmann und Diana Schirmer im Rahmen eines Projekts entwickelt hat, das unter anderem von der H. W. & J. Hector-Stiftung (Mannheim) gefördert wird. Es handelt sich um eine chromatographische Methode, die für den Routineeinsatz im Klinikalltag geeignet ist und mit der sich während der Therapie die Konzentration der Protease-Hemmer im Blut exakt bestimmen lässt.

Mit Hilfe dieses so genannten Drug-monitoring lassen sich auch die Faktoren erfassen, welche die Wirkstoffkonzentration beeinflussen. So kann die Medikamentenkombination und die Dosis den jeweiligen Erfordernissen angepasst und die Effizienz der Therapie laut Dr. Klinker entscheidend verbessert werden. Dies sei auch aus wirtschaftlichen Gründen von Bedeutung, da unzureichend wirksame, teure Therapien oder überflüssige Umstellungen der Behandlung vermieden werden können. Auf diese Weise sei es möglich, die antivirale Dauertherapie sehr individuell den Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen der Patienten anzupassen.

Derzeit befasst sich die Würzburger Arbeitsgruppe mit der Diagnostik der Wirkstoffkonzentrationen bei komplexen antiviralen Kombinationsschemata sowie bei Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung. Außerdem soll die Analytik für andere Protease-Hemmer weiter entwickelt werden. Die Wissenschaftler erwarten, dass sich das therapeutische Drug-monitoring zu einem festen Bestandteil der therapiebegleitenden Diagnostik bei HIV-Patienten entwickelt.

Weitere Informationen: PD Dr. Hartwig Klinker, T (0931) 201-3179, Fax (0931) 201-3485, E-Mail:
h.klinker@medizin.uni-wuerzburg.de

Kurzfassung:
Neues Verfahren verbessert die Therapie für HIV-Patienten

Mit einem neuen Verfahren, das an der Universität Würzburg entwickelt wurde, kann die Wirksamkeit der HIV-Therapie entscheidend verbessert werden. Standard bei der Behandlung einer HIV-Infektion ist derzeit eine Medikamentenkombination aus so genannten Reverse-Transkrip-tase- und Protease-Hemmern. Dabei ist es unter anderem problematisch, dass die Protease-Hemmer sowohl untereinander als auch mit vielen anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Dadurch kann sich ihr Wirkstoffspiegel erhöhen oder erniedrigen, was die Behandlung in einigen Fällen stört und verkompliziert. Die Würzburger Mediziner haben ein chromatographisches Verfahren entwickelt, mit dem sich die exakte Konzentration der Protease-Hemmer im Blut bestimmen lässt. Damit können die Wechselwirkungen dieser Medikamente sichtbar gemacht und die Therapie optimiert werden. Dieser Fortschritt ist der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ernst Richter, PD Dr. Hartwig Klinker, Dr. Peter Langmann und Diana Schirmer gelungen. Mit Hilfe der neuen Methode, die sich für den Einsatz im Klinikalltag eignet, kann die Medikamentenkombination und die Dosis den jeweiligen Erfordernissen angepasst und somit die Effizienz der Therapie entscheidend verbessert werden. Die Arbeiten wurden unter anderem von der H. W. & J. Hector-Stiftung (Mannheim) gefördert.

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