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Datenbanken und Geschichtswissenschaft

24.02.2000 - (idw) Universität Trier

Tagung an der Universität Trier - Veranstalter: Prof. Dr. Dietrich Ebeling

Mit internationaler Beteiligung von Historikern, Archäologen, Informatikern sowie anderen Wissenschaftsbereichen findet an der Universität Trier die Tagung "Datenbanksysteme in der Geschichtswissenschaft" - eine Tagung des Teilprojekts "Gewerbliche Verdichtung und Arbeitsmarkt" im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 235 "Zwischen Rhein und Maas" vom 23. bis 25. Februar 2000 statt. Veranstalter ist der Historiker Prof. Dr. Dietrich Ebeling. Es werden bereits realisierte Datenbanksysteme präsentiert, Konzepte für zukünftige vorgestellt, über Standardisierung und Schnittstellen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Beginn ist um 14.00 Uhr in Raum A 9/10 auf dem Unicampus.

Seit den 70er Jahren gehört die Verarbeitung von Massendaten aus seriellen Quellen mit Computereinsatz zum methodischen Instrumentarium der Geschichtswissenschaft. Der rasche technische Fortschritt förderte zudem die Möglichkeiten zur Visualisierung in Form von thematischen Karten. Neben der Aufbereitung der Quellen, die in einer Vielzahl von Einzelprojekten und unter anderem in einem Schwerpunktprogramm "Historische Statistik" der Deutschen Forschungsgemeinschaft betrieben wurden, bemühen sich verschiedene Einrichtungen in der Bundesrepublik seit längerem um die Entwicklung adäquater Programme und Dokumentationssysteme.
Seit 1998 arbeitet eine Projektgruppe an der Universität Trier im Rahmen eines durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation und Technik geförderten Projekts am Aufbau eines online-Datenbanksystems zur Verwaltung raumzeitlicher Daten, Geometrien und thematischer Karten. Kurzfristiges Ziel des Projektes ist die Installation des Datenbanksystems auf einem www-Server der Universität Trier zur Dokumentation der im Rahmen eines Teilprojektes im Sonderforschungsbereich 235 der DFG er-arbeiteten Daten, Geometrien und thematischen Karten zur online-Recherche über Internet und den Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Sekundäranalyse sowie der Nutzung im außeruniversitäten Bereich. Die Konfiguration des Systems unterstützt die Integration und Verwaltung von Fremddaten (online-upload). Mittelfristiges Ziel ist die Bereitstellung einer umfas-senden Datenbank für die historischen Wissenschaften. Damit werden entsprechende ältere Bestrebungen unter den derzeitigen Möglichkeiten zur Nutzung des Internet wieder aufgegriffen.
Dieses Konzept orientiert sich an gleichgerichteten Entwicklungen in anderen europäischen Ländern. Als vorbildlich dürfen unter anderem die in England, der Schweiz, und Schweden aufgebauten Datenbanksysteme gelten. Trotz der verschiedenen Ansätze fällt die Entwicklung im Bereich der digitalen Dokumentation historischer Daten in der Bundesrepublik Deutschland deutlich hinter die anderer Länder zurück. Vordringlich ist daher zunächst der Informationsaustausch zwischen den engagierten Wissenschaftlern und Institutionen. In die Diskussion einbezogen werden müssen darüber hinaus die histo-rischen Archive, an denen seit einiger Zeit an der digitalen Aufbereitung von Findbüchern und Beständen sowie der online-Recherche über Internet gearbeitet wird.
Ziel der Tagung ist demzufolge zum einen die Information über bereits realisierte oder sich in der Entwicklung befindliche Projekte und die dabei gewonnenen Erfahrungen. Weiterhin geht es um die Schaffung eines Diskussionsforums zwischen Datenbankexperten und Anwendern, um eine praxisnahe Fortentwicklung der Systeme zu befördern.
Im einzelnen sollen insbesondere folgende Problemfelder behandelt werden:
- Metadaten (beschreibende Informationen zu Quellen, Dateitypen, Bearbeitungsform etc.),
- Systemanforderungen bezüglich der Verweise/Verknüpfungen von Attributdaten, Vektorgeometrien, Karten und Bildquellen (Relationenmodelle),
- Darstellung variierender Raumeinheiten,
- upload/download-Funktionen über Internet,
- Nutzungsadministration,
- Schnittstellen zu Verarbeitungsprogrammen (Statistik, Kartographie).
Neben den vorgesehenen Referenten sollen eine Reihe von Historikern eingeladen werden, die sich seit längerer Zeit auf den verschiedensten Feldern mit den Problemen der Dokumentation und wissenschaftlichen Analyse von historischen Massendaten beschäftigen; zu diesem Kreis rechnen auch die entsprechenden Experten aus dem Archivwesen.
Besonderer Wert wird auf die Zusammenführung von Wissenschaftlern aus verschiedenen europäischen Ländern gelegt, um die wechselseitigen Lernmöglichkeiten und die Chancen zur Integration der unterschiedlichen Systeme sowie der Schaffung einheitlicher Standards auf europäischer Ebene auszuloten.
Datenbanken in der Geschichtswissenschaft
Kolloquium an der Universität Trier
23. bis 25. Februar 2000, Raum A 9/10

Tagungsprogramm


Mittwoch, 23. Februar 2000

14.00 Uhr Professor Dr. Dietrich Ebeling, Universität Trier
Begrüßung und Einleitung

14.30 Uhr Sektion 'Historische Datenbanksysteme'
Leitung: Dr. Manfred Thaller, Universität Bergen

Professor Dr. Jan Oldervoll, Universität Bergen
Webscan - web-based system for analysis for highly structured historical data

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Urs Dietrich, Universität Bern
Die Datenbanken BERNHIST und CLIMHIST

Hamish James, University of Essex
The 'History Data Service' in Essex

Jürgen G. Nagel/Martin Schmidt, Universität Trier
ARASS - Advanced Research Application Science System

18.30 Uhr Abendessen

20.00 Uhr Dr. Claudia Wagner/Dr. Thomas Mannack, Ashmolean Museum Oxford
Das Beazley-Archiv


Donnerstag, 24. Februar 2000

9.00 Uhr Sektion 'Raumbezogenen Datenhaltung und Datenanalyse'
Leitung: Dr. Andreas Kunz, Institut für Europäische Geschichte Mainz

Dr. Norbert Winnige, Forschungsinstitut für die Geschichte Preußens, Berlin
Der Historische Atlas von Preußen

Professor Dr. Gyula Papay, Universität Rostock
Visualisierung raumzeitlicher Strukturen in dynamischen Datenbanken

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Dr. Humphrey Southall/Ian Gregory, University of London
The use of GIS for English history

Dr. Frank Swiaczny/Thomas Ott, Universität Mannheim
Modellierung historischer Prozesse mit geographischen Informationssystemen
12.30 Uhr Mittagessen

14.00 Uhr Sektion 'Anwendung von Datenbanken in der Historischen Praxis
Leitung: Professor Dr. Dietrich Ebeling, Universität Trier

Dr. Stefan Gorißen, Universität Bielefeld/
Michael Goerke, European University Institute Florenz
Computergestützte Familienkonstitution

Dr. Markus Paulußen, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, Dessau
Das "Digitale Archiv" der Hochschule Anhalt (FH) - Visualisierung von historischen Daten zur Kunst- und Designgeschichte

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Ulrich Lang, Berlin
Das Datenbanksystem KuKuG

18.30 Uhr Abendessen

20.00 Uhr Jens Bove, Universität Marburg
Bilder als Geschichtsquellen und Bilddatenbanken -
das Marburger Photoarchiv


Freitag, 25. Februar 2000

9.00 Uhr Sektion 'Möglichkeiten der Standardisierung von Datenbeständen
Leitung: Professor Dr. Wilhelm H. Schröder, ZHSF, Köln

Dr. Manfred Thaller, Universität Bergen
Theoretische Überlegungen zur Standardisierung historischer Daten

Dr. Hans-Ulrich Kamke, Humboldt-Universität Berlin
Praktische Überlegungen zur Standardisierung historischer Daten

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr 'Round Table': Institutionalisierung von Datenbanken in der Geschichtswissenschaft - Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit
Professor Dr. Dietrich Ebeling, Professor Dr. Jan Oldervoll, Professor Dr. Wilhelm H. Schröder, Dr. Hans-Ulrich Kamke, Dr. Manfred Thaller, Hamish James, Michael Goerke

13.00 Uhr Mittagessen

Weitere Informationen:

Martin Schmidt M.A., Universität Trier, Fachbereich III, SFB 235 C7
Telefon: (06 51) 2 01-33 31, Telefax: (06 51) 2 01-33 32
E-Mail: schmidtm@uni-trier.de
http://www.uni-trier.de/uni/fb3/geschichte/ebeling/f_akt.htm

PRESSEMITTEILUNG
UNIVERSITÄT TRIER
Herausgegeben von der Pressestelle
Leitung: Heidi Neyses
54286 Trier
Telefon: 06 51/2 01-42 39
Fax: 06 51/2 01-42 47

37/2000 24. Februar 2000
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