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Ein Molekül lässt Blutgefäße wachsen

28.02.2000 - (idw) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Ein seit 20 Jahren bekannter Eiweißstoff regt das Wachstum für neue Blutgefäße an - diese Entdeckung veröffentlichten zwei Forschergruppen des Universitäts-Krankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) am 25. Februar 2000 im Wissenschaftsjournal Molecular Cell. In enger Kooperation haben die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Christoph Wagener, Abteilung für Klinische Chemie der Medizinischen Klinik, und Privatdozent Dr. Süleyman Ergün, Anatomisches Institut, die Wirkung des als CEACAM1 bezeichneten Eiweißstoffes entdeckt. Dieser ist in der Lage, das Wachstum neuer Blutgefäße anzuregen. Die Erkenntnisse könnten in Zukunft neue Möglichkeiten für die Therapie sowohl von Gefäßerkrankungen als auch bei Tumoren eröffnen.

Die ersten Hinweise auf die neu entdeckte Funktion des Eiweißstoffes erhielten die Wissenschaftler durch die Beobachtung, dass das Molekül CEACAM1 in Blutgefäßen der Gebärmutterschleimhaut vorhanden ist. Da sich die Schleimhaut der Gebärmutter ständig erneuert, muss in ihr das Wachstum von Blutgefäßen angeregt werden, um die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen sicherzustellen. Der Beweis, dass CEACAM1 die Neubildung von Blutgefäßen aktiv anregt, gelang in Versuchen mit Hühnereiern. In bebrüteten Eiern gibt es eine dünne Gewebsmembran, in der Blutgefäße verlaufen. Wird CEACAM1 auf diese Membran aufgebracht, sprießen innerhalb weniger Tage neue Blutgefäße aus den vorhandenen Adern aus.

In Zukunft ist es denkbar, dass der Eiweißstoff CEACAM1 bei Gefäßverschlüssen eingesetzt wird, um das Wachstum neuer Gefäße anzuregen, die einen Verschluss umgehen. Umgekehrt könnte man Tumoren "aushungern", indem man die Wirkung von CEACAM1 blockiert und so das Wachstum neuer, den Tumor am Leben erhaltender Blutgefäße hemmt. Einen solchen Hemmstoff hat die Arbeitsgruppe um Professor Wagener in Form eines Antikörpers bereits entwickelt. Im Reagenzglas kann dieser Antikörper das Wachstum von Blutgefäß-ähnlichen Zellröhren vollkommen unterdrücken.

Bislang fehlen allerdings noch tierexperimentelle Beweise für die Antikörper-Funktion. Zudem müssen Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden, wenn die Funktion von CEACAM1 bei Patienten gehemmt werden sollte.

Weitere Fragen beantwortet gern Professor Dr. Christoph Wagener, Tel. (040) 428 03 - 29 68, Fax (040) 428 03 - 46 21, E-Mail: wagener@uke.uni-hamburg.de.
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