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Kontrovers: Nuklearmedizin für das Herz

06.03.2000 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

Kontroverse Debatten zur Diagnostik der Koronaren Herzkrankheit und vor Operationen am offenen Herzen
31.03.2000, TU München, Arcisstraße 21, 16.00-17.30 Uhr

Sehr geehrteDamen und Herren,

Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems sind die häufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland. Andererseits gibt es zunehmend bessere therapeutische Möglichkeiten, Herzkrankheiten zu heilen oder wenigstens zu lindern. Voraussetzung ist jedoch stets eine frühzeitige, präzise Diagnostik, die einen der Themenschwerpunkte auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN e.V.) vom 29. März bis 1. April 2000 an der TU München (Hauptgebäude, Arcisstraße 21) bildet. Dies spiegelt sich nicht nur in der Auswahl der rund 180 Vorträge und 210 Poster wider, sondern auch in den Fragestellungen, die am Donnerstag- und Freitagnachmittag (30./31. März 2000, jeweils von 16.00 bis 17.30 Uhr) in "Kontroversen Debatten" diskutiert werden.
Während am Donnerstag die Alzheimer-Diagnostik und Aktivierungsstudien am Gehirn Thema sind (16.00 bis 17.30 Uhr), stehen am Freitag, 31. März 2000 ab 16.00 Uhr zwei kardiologische Fragestellungen auf dem Programm. Zunächst werden Prof. Dr. H. Sochor, Wien, und Prof. Dr. R. Erbel, Essen, gegensätzliche Standpunkte zu der Frage vortragen, ob die Nuklearmedizin einen Beitrag zur Diagnostik der Koronaren Herzkrankheit liefert. Bei dieser Untersuchung hat sich in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt der nuklearmedizinischen Verfahren verlagert: Nicht allein die primäre Diagnose einer KHK, sondern auch die Therapiekontrolle steht im Mittelpunkt. Entscheidender Unterschied der (nuklearmedizinischen) Szintigraphie zur (radiologischen) Koronarangiographie ist, dass bei der nuklearmedizinischen Untersuchung nicht die Durchblutung einzelner, größerer Gefäße sichtbar gemacht wird. Statt dessen wird die Auswirkung einer Gefäßveränderung (etwa Fettablagerungen an der Gefäßinnenwand) auf die gesamte Herzmuskeldurchblutung dargestellt. Im Gegensatz zur Angiographie, aber auch zur Magnetresonanztomographie (MRT) und zur Ultraschalluntersuchung kann diese streng normierte und standardisierte Untersuchung unter Belastung durchgeführt werden. Ausserdem hat sie einen hohen prognostischen Wert: Ist ein Patient bei der Szintigraphie ohne Krankheitsbefund, ist das Risiko, dass er in den kommenden Jahren etwa einen Herzinfarkt erleidet, nur minimal. Andererseits kommen indirekte Verfahren wie MR und Ultraschall ohne Strahlenexposition aus und sind mit geringerem Aufwand in nahezu allen Kliniken durchführbar, wobei die Qualität des Befundes bis zu einem gewissen Grade vom Untersucher abhängt. Moderiert wird diese Debatte von Prof. Dr. Udalrich Büll, Aachen, und Prof. Dr. M. Schömig, München.

Ab 16.45 Uhr diskutieren Prof. Dr. H. Schelbert, Los Angeles, und Prof. Dr. F. W. Mohr, Leipzig, die Frage "Ist vor Revaskularisierung ein Vitalitätsnachweis notwendig?" Soll etwa nach einem Herzinfarkt das verstopfte Gefäß wieder für den Blutstrom geöffnet werden, handelt es sich in jedem Fall um einen belastenden Eingriff. Eine solche Behandlung - insbesondere ein Eingriff am offenen Herzen - ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn das Herzmuskelgewebe, das ursprünglich von dem verstopften Gefäß versorgt wurde, den Infarkt "überlebt" hat. Dies kann auch dann noch der Fall sein, wenn der Blutfluß vollständig unterbunden war. Denn durch den Stofftransport zwischen den Zellen kann eine Minimalversorgung aufrechterhalten werden. Solches Gewebe, in dem noch ein geringer Nährstoffumsatz stattfindet, obwohl es nicht mehr durchblutet ist, nennt man "winterschlafend". Mit Methoden, die lediglich die Durchblutung darstellen, lässt es sich kaum von abgestorbenem Gewebe unterscheiden. Anders mit nuklearmedizinischen Verfahren, mit denen sich der Nährstoffumsatz sichtbar machen lässt. Aber auch die Stress-Echokardiographie mit Dobutamin ermöglicht in einigen Fällen einen Vitalitätsnachweis. Bei leichteren Eingriffen, etwa dem Weiten des verstopften Gefäßes mit Hilfe der Ballondilatation, halten einige Untersucher die nuklearmedizinische Diagnostik für zu aufwendig. Moderiert wird diese Sitzung von Prof. Dr. Wolfram H. Knapp, Hannover, und Prof. Dr. B. A. Reichart, München.

Vertreter der Presse sind herzlich eingeladen, an diesen Debatten teilzunehmen. Anschließend möchten wir ihnen jeweils Gelegenheit geben, ein Gespräch mit den Debattenreferenten zu führen. Selbstverständlich können Sie auch an allen anderen Vorträgen gerne kostenlos teilnehmen (Do/Fr: 9.00/8.00 - 17.30 Uhr, Sa: 8.30 - 15.00 Uhr). Wichtige Höhepunkte dieses dicht gedrängten, wissenschaftlichen Programms fassen wir für Sie am Donnerstag, 30. März 2000, zwischen 12.30 und 14.00 Uhr in einer Pressekonferenz im Senatssaal (1. Stock) zusammen. Als Themen sind vorgesehen: Diagnostik bei der Koronaren Herzkrankheit und der Alzheimer-Erkrankung; Osteoporose: Knochendichtemessung, die neue gesetzliche Situation und ihre Folgen; Tinnitus: der Stand der Forschung beim Ohrensausen.

Bitte, nutzen Sie die Möglichkeit der Online-Akkreditierung auf der DGN-Homepage im Internet (http://www.nuklearmedizin.de). Dort finden Sie auch weitere, jeweils aktuelle Informationen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung (Heike Jordan, DGN-Pressereferentin, Tel. 0551/376447, Fax -/376453, e-mail: info@nuklearmedizin.de).
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